"Schlecht, schlechter, Movie 43"
Wie ist es Peter Farelly nur gelungen, dafür einen solchen Cast zusammen zu bekommen? - Hugh Jackman, Kate Winslet, Liev Schreiber, Naomi Watts, Anna Faris, Emma Stone, Richard Gere, Uma Thurman, Gerald Butler, Halle Berry, Elizabeth Banks - um nur eine kleine Auswahl zu nennen - waren sich nicht zu blöde, an Kurzfilmen teilzunehmen, deren Humorpalette kaum über Fäkalien, sexuelle Abartigkeiten oder rassistische Anspielungen hinaus reichen, dabei möglichst provokativ gegen jede gute Sitte oder die Regeln des Anstands verstoßend.
Eine generelle Gesellschaftskritik lässt sich darin nicht erkennen, eher ein Kaleidoskop dessen, was im US-Alltag und damit im US-Film wirklich zählt. Ganz vorne in der Bedeutung liegen offensichtlich die unterschiedlichen Möglichkeiten der Beziehungsanbahnung - vom Versuch zweier Teenager, im Elternhaus einen Moment allein sein zu wollen, über das klassische erste Date, einem Blind-Date bis zum Speed-Dating werden die Varianten durchgespielt, dicht gefolgt von typischen Problemen innerhalb einer Beziehung - spezielle sexuelle Bedürfnisse eines Partners, der beste Freund des Mannes oder der Versuch, eine schon gescheiterte Beziehung noch einmal zu kitten.
Auch die wenigen Ausnahmen von dieser "Beziehungs-Regel" befassen sich mit weiteren aus vielen US-Filmen bekannten Phänomenen - dem Leben an der Highschool, dem Sportwettkampf auf des Messers Schneide, technischen Spielereien und Geburtstagsfeiern. Das als erzählerische Klammer der nerdige Wettkampf von Computer-Kids dient, erstaunt dann schon nicht mehr. Vermischt werden diese Stories mit weiteren beliebten Stereotypen - dem "Wahrheit oder Pflicht"-Spiel, Superhelden aller Art, Apple-Merchandising, Schönheitsoperationen oder der Liebe zu Haustieren.
Wie zu erwarten, gefällt sich Farellis Kurzfilmsammlung (bei einem der Filme führte er auch selbst Regie) darin, den zuvor schon in unendlichen Varianten verfilmten Themen eine Steigerung ins Extreme hinzuzufügen. Spielen die klassischen RomComs nur mit diversen "Gefahren" bei dem Versuch, den Partner fürs Leben zu finden - letztlich nur ein Moment der Irritation auf dem Weg zum sicheren Glück - konfrontiert "Movie 43" die Beteiligten mit ausweglosen Situationen. Im Grunde gibt es an dem Date zwischen Kate Winslet und Hugh Jackman nichts auszusetzen, wäre da nicht eine gewisse Kleinigkeit, die außer Kate Niemand zu bemerken scheint. Auch Halle Berry hat bei ihrem Blind-Date Glück und trifft auf einen Gleichgesinnten. Dem gemeinsamen Glück steht am Ende nichts mehr im Wege, sieht man von ein paar äußerlichen Veränderungen einmal ab, die aber dem verbreiteten Wunsch, nichts am Körper der Natur zu überlassen, entsprechen dürften.
"Movie 43" kehrt die bekannten Klischees nicht einfach um, sondern nimmt sie ernst. Wenn Anna Faris sich gegenüber ihrem zukünftigen Ehemann als Kaviar-Liebhaberin outet, dann reagiert dieser ganz klassisch - ihren Wunsch ernst nehmen, Ratschlag beim Freund einholen und versuchen, sein Bestes zu geben. Oder die Eltern Liev Schreiber und Naomi Watts schicken ihren Sohn gar nicht erst in die High-School, sondern konfrontieren ihren Sohn schon zu Hause mit den zu erwartenden Konsequenzen - dominante Lehrer, aggressive Mitschüler, Erniedrigungen und sexuelle Belästigungen. Indem sie das selbst übernehmen, haben sie noch ein wenig Spaß dabei, einen zukünftigen Psychopathen groß zu ziehen.
An Filmen wie "Scary movie", die sich ironisch mit ihren Genre-Vorbildern auseinanderzusetzen versuchten, gibt es genug Beispiele - letztlich bestätigen sie nur das Original. Auch die Tabubrüche, die Filme wie "American Pie" in die Kinos brachten, waren letztlich nur ein Spiel mit "Verbotenem", für die ausschließlich die "Freaks" zuständig waren, während gleichzeitig hübsche, wohl erzogene Amerikaner anständig zueinander fanden. "Movie 43" strebt nichts davon an, will weder trashig amüsieren, noch intellektuell provozieren. Seine Kurzfilme sind plump und offensichtlich. Sie spielen nicht mit der Konfrontation, sondern konfrontieren tatsächlich, weil sie noch schlechter sind als ihre "Vorbilder". An "Movie 43" werden sich die Geister scheiden, aber was spricht dagegen, einmal grob auf typische Klischees und bekannte Muster einzuhauen? (8/10)