Bei Produktionen für den Lifetime Chanel ist man als Kerl doch ein wenig voreingenommen, denn oftmals stehen starke Frauen im Mittelpunkt, die auf eher unglaubwürdige Weise prekäre Situationen bereinigen. Bei diesem Entführungsthriller mit ein paar bekannten Gesichtern aus der B-Liga wird dieses Vorurteil in nahezu allen Belangen bestätigt.
Suzanne Hollingsworth (Lauren Holly) besitzt ein riesiges Imperium in Sachen Hotels und wollte eigentlich mit ihrem Privatjet einen Trip antreten, doch über Umwege landet sie in Detroit in einer billigen Absteige. Als sie im Zimmer nebenan für Ruhe sorgen will, fällt sie in die Hände zweier russischer Mädchenhändler. Nun ist es an Assistentin Rebecca (Kaylee DeFer) und dem Sicherheitsexperten Elliot (Joe Lando) ihre Chefin ausfindig zu machen…
Die Geschichte schafft es binnen weniger Augenblicke, die eigentliche Hauptfigur völlig unsympathisch erscheinen zu lassen: Knallharte Geschäftfrau, rüder Umgangston, mangelnde Empathie und ein rücksichtsloser Blick aufs Wesentliche untermauert, dass es offenbar nur die Gewissenlosen ganz oben an die Spitze schaffen können. Assistentin Rebecca ist genau das Gegenteil, denn sie wird mehrfach von Suzanne entlassen, um kurz darauf mit neuen Aufgaben konfrontiert zu werden, selbst mitten in der Nacht geht sie noch an ihr Handy und lässt sich beleidigen. Dass sie nach eine Weile ausbleibender Anrufe die Initiative zur Suche ergreift, geht schon ein wenig über den gängigen Masochismus hinaus.
Die Entführungsangelegenheit an sich gerät eher unspektakulär, unblutig und wenig mitreißend. Man verschleppt Suzanne in ein verlassenes Krankenhaus, wo sie bald auf junge Mädchen trifft, die glauben in Russland an einem Modelwettbewerb teilnehmen zu dürfen.
Zunächst glaubt keine, dass es sich in Wahrheit um Mädchenhändler handelt, erst als einer mit gezückter Waffe auftaucht, ist guter Rat teuer und man versucht diverse Rettungsaktionen wie das Schmuggeln eines Handys. Als parallel laufender Handlungsstrang werden die Ermittlungsarbeiten von Rebecca und Elliot verfolgt, später auch mithilfe des FBI, was zum Finale immerhin ein wenig Drive erhält.
Ansonsten unterhalten sich die beiden Entführer untereinander auf Russisch, was Massi Furlan und Christopher Wolfe erstaunlich gut hinbekommen, während Lauren Holly als rüde Geschäftsfrau ein paar lustige Äußerungen parat hält, ansonsten jedoch ein wenig zum Overacting neigt. Joe Lando überzeugt eher mit Zurückhaltung, Kaylee DeFer mit recht engagiertem Spiel. Wirklich schlecht ist jedoch die Besetzung der entführten Mädchen, denn einerseits geht keine als mögliches Model durch und andererseits sind die Performances durch die Bank unterdurchschnittlich.
So kommt es zu einigen Unwahrscheinlichkeiten, wie die Tatsache, dass Rebecca spät darauf kommt, ein gechiptes Hundehalsband zu orten, das FBI stellt sich einige Male auch recht dämlich an und die Entführer haben zuweilen mehr Glück als Verstand.
Spannend gerät die Chose nur selten, da sie zu vorhersehbar und kaum von Konfrontationen begleitet abläuft und auch zum Finale bekommt man einen eher lächerlichen Twist serviert, der den Gesamtverlauf der Geschichte noch nicht einmal sonderlich beeinflusst.
TV-Massenware ohne nennenswerte Höhepunkte, lediglich die halbwegs interessanten Figuren erhalten das kaum kreative Treiben aufrecht.
4 von 10