Der „Circus der Vampire“ aus den britischen „Hammer“-Filmschmiede stammt aus dem Jahre 1972, einer Zeit also, in der man bei „Hammer“ dem Zeitgeist entsprechend für seine Filme verstärkt auf Erotik und Gewalt setzte, auch für seine Gothic-Horror-Beiträge. Dieses Beispiel zählt meines Erachtens zu den gelungensten Vertretern jener Phase. Der Prolog dieses Vampirfilms, der weder mit Christopher Lee oder Peter Cushing aufwartet, noch zur „Karnstein“-Trilogie gehört, also als vollkommen eigenständig zu betrachten ist, geriet wunderbar atmosphärisch und eröffnet einen quietschbunten und –vergnügten Reigen kurzweiliger Unterhaltung bestehend aus zwar unbekannten, aber sehr ansehnlichen und überzeugend agierenden Schauspielern in teilweise abgefahrenen Kostümen, harten visuellen, blutigen Effekten, freizügigen jungen Mädels sowie schönen Zirkusnummern und Artistik. Bestimmt ist nicht jeder Spezialeffekt technisch auf der Höhe der Zeit, schon gar nicht aus heutiger Sicht; dieser Umstand wird durch eine Extraportion Charme aber locker wettgemacht. Die bisweilen recht konstruiert wirkende Geschichte wirft zwar einige Fragen auf, insbesondere das strunznaive Verhalten der Dorfbewohner betreffend, durch das gekonnte Umschiffen jeglicher Längen kommt man aber gar nicht erst in die Verlegenheit, allzu lange darüber zu sinnieren. Regisseur Robert Young ist eine wunderbare Verquickung aus Gothic, Exploitation und grafischen Schauwerten gelungen, die zu meinen Favoriten aus dem 70er-„Hammer“-Fundus zählt. Zwar kann der Eintritt das Leben kosten, doch ist der „Circus der Vampire“ immer einen Besuch wert.