Wenn der Regisseur Dusan Makavejev heißt und das Genre "Komödie" bei der OFDb angegeben wird, sollte man sich als Zuschauer eher nicht auf "American Pie" Humor vorbereiten. Wieder einmal möchte ich betonen, dass ich aufgrund der Seltenheit des Films keine vollständige Verantwortung für meine Angaben hier übernehmen kann. Die Qualität meiner Kopie von "Gorilla Bathes at Noon" ließ in punkto "Ton" sehr zu wünschen übrig.
In "Gorilla Bathes at Noon" geht es um einen scheinbar geistig verwirrten Mann russischer Herkunft, der in Berlin mit seinem Fahrrad unterwegs ist und sich für ein Offizier der roten Armee von 1945 hält. Der Film spielt jedoch im Jahre 1993, die Sowjetunion gab es zu diesem Zeitpunkt bekanntlich nicht mehr. Ob der Mann tatsächlich ein Offzier der roten Armee war und durch die politischen Umstände in eine missliche Lage geriet, darf bezweifelt werden. An einer Stelle des Film gibt Victor (so der Name des Mannes) zu "I am a paper soldier".
Generell scheint Victor ein sehr bemittleidenswertes Leben in Berlin zu führen. Um sich Nahrung zu besorgen, begibt er sich in den Zoo und klaut den Gorillas die Bananen. Unglücklich machen ihn diese Umstände noch lange nicht, da er seine Lage durch seine "Liebe" (wörtlich gemeint) zu Lenin runterspielen kann.
Ja, Lenin scheint in der Tat eine große Rolle im Leben unseres Soldaten zu spielen. Beispielsweise steigt Victor eigenhändig auf eine Statue des kommunistischen Führers, die sich in Ostberlin befindet, um sie von gelben Farbflecken zu säubern. Außerdem führt Victor eine Beziehung mit einer Frau, die sich als Lenin verkleidet (Traumsequenz?). Am Ende des Films wird die Statue abgebaut und "geköpft".
Wie diese kurzen Eindrücke bereits vermuten lassen, handelt es sich bei "Gorilla Bathes at Noon" wieder um ein sehr exzentrisches Makavejev-Werk. Die Freude über die herrlich verrückte Thematik mit ernsten Untertönen währt jedoch nicht lange, da man dem Film das sehr niedrige Budjet ansieht. Finanzierungsschwierigkeiten können ferner als Erklärung dienen, warum der letzte Film von Makavejev bereits 12 Jahre zurück liegt. Trotzdem scheint mir die Grundidee von "Gorilla Bathes at Noon", nämlich eine komödiatische Reflexion über das Ende des Kommunismus, durchaus interessant zu sein.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Regisseur wie Makavejev freiwillig einen solchen "Low-Budjet"-Film realisiert hat. "Gorilla Bathes at Noon" wird immer wieder von einem alten sowjetischen Propagandafilm (laut IMDB) "unterbrochen", der den Fall des Reichstages 1945 visualisieren soll. Dieser Film endet mit der Landung Stalins in Berlin und dem frenetischen Jubel der Massen, die den Sieg über Nazideutschland feiern. Makavejev hat sich in diesem Kontext einen besonders lächerlichen Propagandafilm ausgesucht, der aber an wiederlichem Patriotismus kaum zu überbieten ist. Wenn ein OFDb-User jemals den Titel dieses Films herausfinden sollte, wäre ich über die Information sehr dankbar.
Die Parallelisierung der Verangenheit mit den exzentrischen Taten Victors im Berlin der Gegenwart ergibt viele neue Fragen. Möchte der Regisseur einen satirischen Kommentar abgeben? Oder handelt es sich eher um einen ernsten Kommentar, da viele junge Männer sich über Jahrzehnte dem Kommunismus verschrieben haben?
Das Ende des Film gibt teilweise Aufschluss über diese Fragen.
"Gorilla Bathes at Nonn" stellt ein Film eines Künstlers dar, der unter dem Kommunismus zu leiden hatte. Die Grundidee des Films erscheint also vertretbar. Im Gegensatz dazu kann man die visuelle Umsetzung nicht gutheißen, da sie einem Regisseur wie Makavejev unwürdig ist.
Dennoch solide 5/10 Punkten.