Review

"Wenn du heute nur noch mit Würmern zu tun hast, brauchst du immer die Hilfe eines Wurms!"

DER Spaghettiwestern des Arbeiterfilms!

Ein Arbeiter wird bei einem Arbeiterstreik zu Tode geprügelt. Dies bewegt seine Frau (Romy Schneider), die von den Arbeitern nur "la califfa" genannt wird, dazu, sich mit dem Industriellen Doberdo (Ugo Tognazzi) einzulassen, um seine Beweggründe verstehen zu können. Soviel zum Inhalt.

Nun könnte man meinen, ein solches Thema schreit nach Realitätsnähe, nach Neorealismus und Dogma. Nein, weit gefehlt! Die Bilder werden wie weiland in Sergio Leones Edelwestern eingefangen! Der Film ist so weit abseits des Realitätsprinzips wie Moore ein Freund Bushs ist! Ein exzellentes Beispiel gefällig: Gewaltbereite Streikis stören ein Abendmahl der Industriellen der Gegend. Alle suchen schleunigst das Weite, nur Doberdo bleibt mit der Bemerkung: "Ich habe Hunger, ich will etwas essen!" Dann lässt er sich Schinken an einer riesigen Tafel von einem Ober servieren. Steine fliegen durch die Glasscheiben, die klirrend bersten. Ennio Morricones süßlich-melancholische Musik übertönt das Szenario. Da tritt wie aus dem Nichts die Califfa auf. Sie setzt sich Doberdo gegenüber. Ohne Worte, nur Blicke. Scheiben werden zertrümmert. Die Kamera umkreist beide. Blicke treffen sich. Leones Schuss - Gegenschuss - Einstellungen. Schinken wird verschlungen, schwerer italienischer Rotwein dazu getrunken. Die Califfa nähert sich Doberdo. Da wacht dieser auf. Die Califfa ist fort.


Doch wer jetzt denkt, der Film wäre so ein billiges Ding, über das man sich lustig macht - weit gefehlt!

Der Film ist - wie es für das italienische Kino der damaligen Zeit damals üblich war - bis in die kleinste Rolle hochkarätig besetzt! Die Kameraarbeit ist exquisit! Die Regie ebenso! Nicht umsonst wurde der Film mit dem italienischen Journalistenpreis für die beste Regie ausgezeichnet!

Und die Romy! Die göttliche Romy ist so sinnlich wie nie zuvor. Höchstens ihr "Swimming Pool" kommt da ran. Arbeiterfrau einer Zementfabrik. Grauer, enganliegender Anzug (völlig fehl am Platz in der Fabrik, aber sexy!), das Gesicht vom Zementstaub grau, insgesamt hinterlässt sie einen schlamperten Eindruck: die Haare unordentlich, immer verschwitzt. Echt erotisch. Und freizügig wie immer. Weshalb unsere Eltern sie hassten. Weshalb wir sie liebten! Und gut sieht sie aus!

Die Farbgebung wie im ähnlich gelagerten "Die rote Wüste" von Antonioni fantastisch: Ihr Zimmer ist genauso grau wie ihr Anzug. Überhaupt scheint die ganze Gegend grau und staubig zu sein! Einzig ihr Bettlaken ist weiß wie die Unschuld. Rot ist die Farbe des Blutes, eines Kämpfers, aber auch die Farbe der Liebenden: Während ihrer Sexabenteuer ist ihr ganzes Schlafzimmer in ein rotes Licht getaucht wie sonst nur eine Dunkelkammer! Später, nachdem sie mit Doberdo im Bette war, trägt sie (sic!) ein rotes Kleid, ähnlich geschneidert wie das graue, weil sie - wie könnte es anders sein - nun Sympathien für ihn empfindet! Insgesamt wirkt sie jünger, nicht mehr so verstaubt! Kurz vor Ende des Films trägt sie ihr Haar offen, hat sie ein geblümtes Kleid an, lächelt, versprüht einen Charme!

Vom Arbeitskampf über den Ehekrieg zum Geschlechterkampf, wobei letzterer geniel filmisch umgesetzt ist:

Ein Bett von oben. Ugo Tognazzi liegt auf der linken Seite. Romy kommt, legt sich ohne ein Wort zu sagen auf die rechte Seite. Ugo zieht seine Beine zusammen, Romy breitet sie aus, liegt breitbeinig unter der weißen Decke. Ugo, der Glückspilz, reißt die Decke herunter und fällt über Romy her.

Fazit: Absoluter Kult! Romy war nie verführerischer! Ein Muss!

Details
Ähnliche Filme