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"Die Welt liegt nicht hinter Büchern und Landkarten. Sie liegt da draußen."

Bereits für Winter 2009 war die Verfilmung des Fantasyromans "Der kleine Hobbit" von J. R. R. Tolkien vorgesehen. Probleme mit der Besetzung, der Aufteilung auf mehrere Filme und produktionstechnischer Natur verzögerten die Entstehung um einige Jahre. Was lange währt, wird aber dennoch endlich gut. Und so erblickt die Vorgeschichte zu dem Herr der Ringe Zyklus im Jahre 2012 das Licht der Leinwände.

Der Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) bekommt Besuch von dem Zauberer Gandalf (Ian McKellen), der ihn für ein Abenteuer akquirieren möchte. Zunächst weigert sich dieser, sich der gefährlichen Reise zum Berg Erebor anzuschließen, wo der Drache Smaug die prunkvolle Feste und den Schatz eines einst dicht besiedelten Zwergenreiches behütet. Nachdem ihn aber 13 Zwerge besucht und seine Vorräte restlos dezimiert haben, packt ihn doch die Abenteuerlust. Er schließt sich der Gruppe, geführt von Thorin Eichenschild (Richard Armitage), an. Zu Beginn stellen Trolle die erste Gefahr dar. Schlimmer ist allerdings eine Schar von Orks, die sie hartnäckig verfolgen.

"Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" ist im Ton ein leichterer Film als die "Herr der Ringe"-Trilogie, ähnelt vom Aufbau aber sehr dessen Erstling. So wie "Die Gefährten" startet "Eine unerwartete Reise" mit einer epischen Erzählung vergangener Ereignisse und steigt dann erst einmal gemächlich in den Weltenaufbau und die Charakterbeschreibungen ein.
Regisseur Peter Jackson lässt diesem zwar langen, aber nicht langweiligen Auftakt die Zeit, die er braucht, um zumindest rundimentär die große Anzahl an aufkommender Figuren zu umschreiben. Es gelingt ihm zugegebenermaßen nicht, die Zwerge im einzelnen großartig zu charakterisieren, dies ist für den späteren Verlauf aber erstmal auch nicht nötig. Denn die Priorität bei "Der Hobbit" liegt eindeutig bei Bilbo Beutlin.

Inhaltlich hält sich der Film stellenweise sehr genau an die Buchvorlage, zitiert ganze Absätze oder stellt die Ereignisse so dar, wie man sie sich auch beim lesen vorgestellt hat. An anderen Stellen wiederum sind klare Unterschiede festzustellen, die dem Film aber sinnvoll Schwung verleihen.

Eine gute Portion Leichtherzigkeit bringt das überwiegend kindliche Zwergendutzend mit hinein. "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" ist aber trotzdem nicht ständig von Heiterkeit durchtränkt. Immer wieder gibt es Verweise auf die schon bestehende "Herr der Ringe"-Trilogie, die das drohende Unheil ankündigen und bereits jetzt schon die beiden Zyklen verbinden. Auch die Kulissen, Kreaturen und Schlachten vermitteln eine düstere, mittelalterliche Stimmung.
Wie auch "Die Gefährten" geht "Eine unerwartete Reise" nach einem Aufenthalt im Elbenreich in die Vollen. Die Actionszenen häufen sich, die Atmosphäre wird durch die Verlagerung der Wanderung auf unterirdischen Pfaden klaustrophobischer. Dabei geschieht manches nicht immer plausibel, optisch ist der Variantenreichtum aber enorm abwechslungsreich.

Erneut stellt Jackson Mittelerde audiovisuell überwältigend dar. Das unvergleichliche Gefühl für eine einzigartige, tief ausgestaltete Welt, welche die "Herr der Ringe"-Reihe so herausragend unter den Fantasyfilmen machte, ist auch in "Eine unerwartete Reise" enthalten.
Die Kamera liefert fantastische Totalaufnahmen wie auch weitsichtige Landschaftsbilder. Zusammen mit den detaillierten digitalen Effekten sowie dem orchestralen und sehr eingängigen Soundtrack, wird der Film atmosphärisch enorm dicht.

Jackson vereint nach Jahren einige seiner Stammschauspieler. In Nebenrollen finden sich wieder Ian Holm ("From Hell"), Elijah Wood ("Sin City"), Cate Blanchett ("Der seltsame Fall des Benjamin Button"), Christopher Lee ("Dracula"), Ian McKellen ("X-Men"-Reihe) sowie Hugo Weaving ("Matrix"-Reihe), die ihre Rollen genauso wieder aufnehmen als ob sie sie nie pausiert hätten.
Neuzugang Martin Freeman ("Sherlock", "Per Anhalter durch die Galaxis") erweist sich als hervorragende Wahl. Sein Allerweltsgesicht spiegelt perfekt die Unwissenheit seiner Figur wieder. Richard Armitage dagegen wirkt etwas zu selbstsicher.

"Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" überzeugt genauso wie der einstige Beginn der "Herr der Ringe"-Reihe. Dramaturgisch und im Aufbau ähneln sich beide Filme sehr. Ebenso aus audiovisueller Sicht. Jackson macht aus einem Teil des doch recht übersichtlichen Romans einen ereignis- und effektreichen Fantasyfilm. Die vermehrt auftretende Heiterkeit kann zwar ab und an irritieren, der hohe Anteil an Action, Dramatik und Spannung hebt dieses Manko aber locker wieder auf. Eine epische und enorm atmosphärische Rückkehr nach Mittelerde ist Jackson somit gelungen.

10 / 10

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