Extended Edition
Eine kleine Sache noch…
Ungefähr zehn Jahre nach dem spektakulären und universell verehrten Ende der legendären „Herr der Ringe“-Trilogie war es für Warner, Peter Jackson und Co. - und uns gespannte Zuschauer! - Zeit nach Mittelerde zurückzukehren, wenn Bilbo Beutlin aus jüngeren Jahren erzählt und wie er in ein einmaliges Zwergenabenteuer aufbrach…
Ein Musical der Minimänner
Ich bin überrascht, wie gut mir „The Hobbit I“ bei diesem ersten (!) Wiedersehen nach dem Kinobesuch vor fast 15 Jahren gefallen hat. Ich weiß noch, dass ich damals nach der Kinopremiere zwar ein gutes Gefühl hatte, dass es sehr schön war, nach Mittelerde zurückgekehrt zu sein. Aber die ganz große Magie von „Der Herr der Ringe“ war definitiv längst verpufft und ließ sich enttäuschenderweise auch hiermit nicht wiederholen. Das konnte ich trotz innerem Hype nicht leugnen. Und ein ähnliches Gefühl habe ich heute auch - jedoch wesentlich ausbalancierter und klarer in dem, was diese „Hobbit“-Trilogie nun wohl für mich ist und bleibt. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ punktet mit starken CGI-Effekten, die definitiv nochmal einen guten Sprung seit der Trilogie Anfang der '00er gemacht haben, mit einem starken und porentief sympathischen Martin Freeman als Bilbo, mit dem grandiosen „Misty Mountain“-Song, durchaus mit Chemie in der Zwergengruppe und mit starken Actionszenen wie der brutal guten Flucht aus dem gigantischen Orkbau. Und eben allgemein dem warmen Gefühl, wieder in Mittelerde zu sein. Das kann einem keiner nehmen. Auch nicht die deutlichen Schwierigkeiten und Probleme dieser aufgeblasenen Trilogie, die auch schon in diesem ersten, wahrscheinlich besten Teil der Reihe deutlich sichtbar und spürbar sind. Der Auftakt ist z.B. deutlich zu behäbig - „Der Hobbit“ ist kein „Der Herr der Ringe“, und daher funktioniert es einfach nicht nochmal und nicht gleich gut, wieder über 40 Minuten (!) zu Beginn im Auenland zu verbringen. Zudem merkt man jetzt schon, dass deutlich zu viele „Memberberries“ benutzt und „Wisst ihr noch?!“-Brücken zur originalen Trilogie geschlagen werden. Das ist zu plump, zu simpel, zu kalkuliert, zu unnatürlich. Außerdem, dass das Kinderbuch „Der Hobbit“ für einen epischen Kinodreiteiler nicht ansatzweise genug hergibt. Dass einige Szenen, Momente und Sets doch recht artifiziell wirken können und einfach nicht mehr ganz so handgemacht erscheinen wie damals. Peter Jackson und sein Team wirken hier einfach etwas gehetzter und nicht ganz so leidenschaftlich und akribisch bis ins Detail bei der Sache. Das sind keine Kleinigkeiten, das sind klarste Kritikpunkte. Und trotzdem ist es insgesamt ein Abenteuer auf das ich nicht verzichten wollen würde. Wenn auch nie auch nur ansatzweise auf dem Niveau von „Der Herr der Ringe“. Aber gut genug. Zumindest aus heutiger Sicht, wenn man das Ganze besser einordnen und verstehen kann - mit allen Stärken und Schwächen.
Cashgrab oder tolle Zugabe?
Fazit: Nicht ganz „Herr der Ringe“, egal wieviel Storybeats davon wiedergekaut werden - dafür fehlt's an Wow-Effekt, Charme und Epik. Und vielem mehr. Und trotzdem ist das ein echt gelungener, actionreicher Beginn eines „kleinen“ Fantasyabenteuers - wenn auch sich jetzt schon etwas dehnend… Trotzdem toll mit Schwung, Technik, Zwergenwitz und Pracht nach Mittelerde zurückzukehren!