Review

Abteilung: Gaaanz miese Fortsetzungsideen!
Wir erinnern uns: „The Last Exorcism“ ritt einst ganz manierlich auf der Bugwelle aus Found-Footage-Filmen, weil Exorzismen im vergriselten Wackelstil immer ganz besonders authentisch ausschauen. Gut gefilmt, fatal im Verlauf und mit einem sehr satten Schlusspunkt, der erst ganz zum Schluß den Vorhang richtig lüftete. Alles richtig gemacht!

Und das führt zur unvermeidlichen Nr.2, die hier allerdings mehr wie eine schlappe 3 ausschaut!
Damien Chazelle (mit diesem Vornamen war der Mann offenbar überqualifiziert) hat zusammen mit Regisseur Ed Gass-Donnelly diesen Schnellschuss zusammen gekritzelt und wenn ich jetzt vermerke, dass Chazelle u.a. „Whiplash“ geschrieben hat, dann mag man das kaum glauben. Im Umkehrschluß läßt das für das Cloverfield-Sequel Böses ahnen.

Naja, auf jeden Fall lebt Nell Sweetzer noch – das Besessenheitsopfer des Originals. Die steckt eines Nachts irgendwo in einem Küchenschrank und wird folglich mal schnell in Therapie verwiesen…und anschließend in einem Mädchenhaus untergebracht, wo zwar jede so ihre Vergangenheit hat, aber noch niemand von Nells Akrobatikkünsten (ahem) weiß.
Der Herbergsvater redet auf die Gute ein, die Mädels sind zunächst mal alle zusammen happy und ein netter Junge hat auch schon ein Auge geworfen.
Höchste Zeit also, dass sich Dämon Abalam mal wieder regt, so mit kleinen Jump Scares, Realitätsverzerrungen, miesen Träumen, also alles was eine psychisch eh mürbe Mittelschülerin sowieso auf die Gardinenstange jagen würde.
Das füllt den Film und macht das Leben miserabler und man weiß eben nicht, ob die Gute nicht nur einen an der Waffel hat und der Teufel gar nicht mitspielt.

Und dann taucht endlich der „Orden der rechten Hand“ auf, irgendwo aus der Schnittstelle zwischen Mystizismus, christlichen Versatzstücken und ein wenig Wudu-Okkult-Analogkäse. Der macht ganz tolle Versprechungen, aber inzwischen läßt es Abalamadingdong ordentlich rappeln, also schreiten die Herren Exorzisten zur Tat (result: offenbar war das Original „The Second-To-Last Exorcism“).

Was daran jetzt so doof ist?
Eigentlich gar nicht so viel, ich hab schon viel schlimmere Horrorfilme gesehen. Aber abgedroschen ist das alles, vorhersehbar, rein funktionell, mechanisch. Dazu kann Ashley Bell als Protagonistin den Film in ihrer weinerlich-angeknacksten Rehlein-Art nicht tragen und nicht retten, die übrigen Figuren entwickeln keine Konturen, sogar der rettende Orden scheint mehr formfrei aus dem Nichts in den Plot importiert worden zu sein, damit irgendeiner irgendein Ritual ausführt, wenn es denn nicht noch die Mitschülerinnen sein sollen.
Der Versuch, den bösen Geist dann mit geringfügigsten Methoden in ein Huhn zu transportieren ernenne ich dann gern zum deppertsten Austreibungsversuch, seit Richard Burton Linda Blair auf ihrer Bettstatt mal so richtig das Hüpfen beigebracht hat. Und er ist auch in etwa genauso wirkungsvoll.
Weswegen wir uns am Ende auch nicht mit Welteroberungsplänen (Das Omen) oder Kruzifixgefiste (Exorzist) aufhalten, sondern gleich in den Apokalypsemodus schalten. Was wiederum ein ebenso putziges wie lächerliches Schlußbild ergibt, aber den Film genausogut implodieren läßt, wie eine Produktion ohne eine Identifikationsfigur es verdient hat.

„The Last Exorcism 2“ ist ein technisch nicht zu schlechter, aber ultimativ scheißegaler Film geworden, den man beim nächsten Werbeblock gleich wieder vergessen hat und jegliche Franchiseansätze zum Glück tot schlägt.
Ganz schnell abhaken. (3/10)

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