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Keine Wackelkamera, kein Found-Footage, keine auseinander gerissenen Bildfolgen: Die Fortsetzung des Exorzismus-Erfolgs „Der letzte Exorzismus" findet zurück zur üblichen Kino-Ästhetik, mit hochauflösenden Bildern, vierter Wand und untergeschobenem Soundtrack. Besser macht das den zweiten Teil, der die dämonische Geschichte der unschuldigen Nell weitererzählt, allerdings nicht.

Die große Stärke des ersten Teils - neben seiner intensiven Atmosphäre - war der kluge Umgang mit dem im Horror-Genre bereits kräftig ausgebeuteten Exorzismus-Thema. Der Kampf zwischen übernatürlichen Möglichkeiten und logischen Erklärungen trug einen großen Teil zur Spannung bei. Die Fortsetzung reduziert dieses Motiv auf den altbekannten Zweifel zwischen tatsächlichem Horror und möglichem Wahnsinn der Hauptfigur. Der Dämon (den sich der Priester im ersten Teil nur ausgedacht hatte!) ist hier von Anfang an gegebene Bedrohung, und niemand, der schon den einen oder anderen Genrefilm gesehen hat, wird wirklich damit rechnen, dass Nell nur unter Wahnvorstellungen leidet.

Aber nicht nur die dünne, lange ereignisarme und in den Horrorszenen reichlich klischeehafte Story verhindert das Aufkommen echter Spannung. Auch atmosphärisch bleibt „Der letzte Exorzismus 2" weit hinter dem Vorgänger zurück. Die Gruselszenen bleiben bis auf wenige Ausnahmen, etwa gleich die unheimliche Einleitungsszene, blass und vorhersehbar; die finsteren Gestalten, von denen sich Nell verfolgt und bedroht fühlt, kommen arg unmotiviert daher; und ab einem bestimmten Punkt nimmt die Anzahl der (meist harmlos aufgelösten) Schockszenen dermaßen zu, dass man sich leicht überfordert und vor allem schnell gelangweilt fühlt. Erst das von einer gewissen tragischen Note umhauchte Finale kann so etwas wie atmosphärische Dichte erzeugen, aber auch das nur für wenige Filmminuten.

Diese schwache Inszenierung, die mit explodierender Schockmusik und düsteren Andeutungen äußerst klischeehaft arbeitet, wird auch durch die bescheidenen darstellerischen Leistungen und unbedeutende bis unglaubwürdige Dialoge nicht aufgebessert. Auch verlaufen einige Ideen, wie etwa die scheinbar dämonische Bedeutung einer Mitbewohnerin, im Nichts, was von wenig dramaturgischem Geschick kündet.

Insgesamt ist „Der letzte Exorzismus 2" ein vorhersehbarer und deshalb ziemlich langweiliger 08/15-Horrorstreifen aus dem Exorzismus- und Dämonen-Genre, der mit wenigen guten Horrorbildern, einem packenden Finale und einer bösen Schlussauflösung gegen allzu viele Schwächen inhaltlicher und formaler Art ankämpft. Wer den ersten Teil gesehen hat, interessiert sich vielleicht für diese Fortführung - zwingend nötig ist sie nicht. Und alteingesessene Horrorfans finden hier bestimmt nichts Neues.

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