Colin Farrell spielt einen Auftragskiller, in dessen Gang es momentan etwas hektisch zugeht, da sein Boss, gespielt von Terrence Howard, anonyme Drohungen erhält, genauso, wie einige weitere Unterweltgrößen der Stadt. Ein weiteres Problem stellt seine Nachbarin, gespielt von Noomi Rapace, dar, die ihn bei einem Mord in seiner Wohnung beobachtet. Sie erpresst ihn und verlangt, dass er den Mann tötet, der einen schweren Autounfall verschuldete, an dem sie beteiligt war. Das Mordmotiv Rache ist auch ihm selbst nicht ganz fremd.
Mit “Verblendung“ feierte zunächst Darstellerin Noomi Rapace ihren Einzug nach Hollywood, wo sie zuletzt unter anderem in Ridley Scotts “Prometheus“ zu sehen war. Mit “Dead Man Down“ gelingt nun also auch Niels Arden Oplev, dem Regisseur von “Verblendung“, sein Debüt in Übersee, für das er Hollywood-Größen wie Colin Farrell und Terrence Howard gewinnen konnte. An das Niveau von “Verblendung“ reicht das Werk, das in seiner Machart durchaus an den skandinavischen Thriller erinnert, letztlich aber leider nicht heran.
Dabei sind die Ansätze wirklich gut. Colin Farrell, sonst eigentlich häufiger in profilloseren Rollen zu sehen, zeigt hier in einer anspruchsvolleren Figur eine wirklich gute Vorstellung, sowohl in den emotionalen Momenten, als auch als eiskalter Rächer im bleihaltigen Finale. Noomi Rapace spielt daneben ebenfalls bemerkenswert gut, verkörpert ihre Figur ausgezeichnet, die seit dem Unfall bei ihrer Mutter lebt, Trauer und Wut über diesen und über ihr entstelltes Gesicht empfindet. Dies gilt auch für die Nebendarsteller.
Inszenatorisch kann sich “Dead Man Down“ ebenfalls sehen lassen. Die Bilder sind meist dunkel, aber ansehnlich, eine triste, aber dennoch gespannte Atmosphäre kommt ebenfalls gelegentlich auf, auch weil die Schauplätze gut gewählt sind. Bei den Action-Szenen werden die Schnitte dann schneller, das Tempo höher, einzig die monoton melancholische Hintergrundmusik nervt ab und an ein wenig.
Wirklich spannend oder dramatisch ist Oplevs Werk leider dennoch nicht geworden, obwohl auch die Story durchaus die eine oder andere brauchbare Grundidee enthält und die Charaktere an Profil gewinnen, da der Film immer wieder in der Abgründe der beiden Protagonisten eintaucht, die ihr gesamtes Denken und Handeln auf die Rache für einen schmerzlichen Verlust richten. Dies ist besonders der umständlichen Erzählweise geschuldet, die den Film nie so recht an Fahrt aufnehmen lässt, auch dann nicht, wenn Oplev das Erzähltempo ein wenig beschleunigt. Die eine oder andere Wendung bremst das Geschehen sogar aus bzw. lässt die Ernsthaftigkeit ein wenig verloren gehen. Besonders das Finale will nicht so recht in dieses ruhige Thriller-Drama passen, zumal es schwer fällt zu glauben, dass Farrells Figur beim Wehrdienst derart gut ausgebildet wurde, dass sie in der Champions League der Profikiller mitwirken kann.
Was bleibt ist also ein Film, der mit dem Prädikat solide ganz gut umschrieben ist, ein Film, der den Kinobesuch eher nicht, das Ansehen aber durchaus wert ist. Ein etwas glatterer Aufbau, ein klarerer Spannungsbogen, vielleicht auch eine Viertelstunde weniger Laufzeit hätten “Dead Man Down“ wirklich gut getan. Hier wird viel Potential, besonders darstellerisches, ziemlich fahrlässig verschenkt, da die Mängel offensichtlich und vermeidbar sind.
Fazit:
“Dead Man Down“ lebt von einigen guten Ideen und Wendungen, den beiden ausgesprochen überzeugenden Hauptdarstellern und der düsteren Atmosphäre, ist aber umständlich erzählt und damit stellenweise etwas langatmig. Besonders das bleihaltige Finale wirkt wie ein Fremdkörper in einem letztlich mittelmäßigen Film.
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