SKEETER – INVASION DES GRAUENS von Clark Brandon
USA 1993
Wenn man als leidenschaftlicher Trashfan im TV-Magazin seines Vertrauens ein Bild entdeckt, auf dem ein Mann mit selten dämlichem Gesichtsausdruck und einer etwa vierzig Zentimeter großen, sehr kompakt gebauten Mücke auf dem karierten Hemd zu sehen ist, dann muss man den dazugehörenden Film einfach zu Begutachtungszwecken aufnehmen und in Erwartung eines Feuerwerks an unfreiwilligem Humor anschauen. Genau das habe ich ohne jedes Zögern getan und muss nunmehr zugeben, dass mir selbst bei längerem Nachdenken kaum etwas einfällt, womit ich meine Zeit hätte schlechter verbringen können.
Die Inhaltsangabe kann man kurzhalten: Es gibt ein paar illegal entsorgte Fässer mit Gift, eine Horde Mücken (und seltsamerweise keinerlei andere Tiere), die daran naschen und daraufhin ziemlich unnatürliche Ausmaße annehmen, einen dumpfbackigen Helden, seine völlig überflüssige Verehrerin und eine Reihe weniger wichtiger Personen als Mückenfutter. Um sich haargenau ausmalen zu können, wie das alles nun zusammengefügt wird, muss man kein Prophet sein, sondern nur ein oder zwei Filme mit einem ähnlichen Konzept gesehen haben, denn in Clark Brandons Machwerk hat sich – das versichere ich hiermit ausdrücklich – nicht ein einziger neuer Gedanke verirrt.
Skeeter trägt seinen unvermeidlichen deutschen Titelanhang völlig zu Recht. Tatsächlich hält hier das Grauen auf der Leinwand Einzug, und zwar in Form von erbärmlichen Schauspielern in erbärmlichen Rollen, die jedes noch so erbärmliche Klischee zu bedienen versuchen, erbärmlichen Bildern von erbärmlichen Drehorten, einer ebenso erbärmlichen wie logikfreien Story und Trickeffekten, für die das Wort erbärmlich ein Euphemismus wäre. Das Niveau der einzigen Mitwirkenden, die auch nur ein Mindestmaß an Interesse verdienen, der Riesenmücken also, kann unvorbereiteten Zuschauern auf längere Sicht die Sprache verschlagen. Das Elend beginnt damit, dass offenbar niemand von den verantwortlichen Hobbybastlern wusste, wie eine Mücke eigentlich genau aussieht und endet mit den hilflosen Versuchen, den Gummiattrappen irgendwie den Anschein zu verleihen, dass sie fliegen. Es sieht ganz so aus, als würde man sie mithilfe von Angeln ins Bild schwenken. Am Ende werden sie dann auch noch im doppelten Wortsinn durchsichtig einkopiert. Das alles erinnert überaus stark an die legendären Wespen in Bert I. Gordons Schundklassiker Food of the Gods (Die Insel der Ungeheuer) und ist so dermaßen mies und billig, dass einem fast zwangsläufig die Tränen kommen – vor Lachen oder Mitleid oder Wut. Fast noch jämmerlicher als die Mücken selbst und wirklich kaum zu ertragen sind die verwackelten, grellgelb eingefärbten Bilder, welche das Geschehen mit dem Blick der Tiere zeigen sollen. Bei alledem muss man bedenken, dass dieser Stuss fast zwanzig Jahre nach Food of the Gods und im gleichen Jahr wie beispielsweise Jurassic Park entstanden ist. Wenn auch der letztgenannte Vergleich angesichts der sicher sehr unterschiedlichen Budgets ein wenig hinkt, so bleibt es doch eine gehörige Unverfrorenheit, dass man dem Publikum im Jahre 1993 so etwas abgrundtief Peinliches ohne jedes Augenzwinkern vorgesetzt hat.
Trashfans scheinen hier also auf den ersten Blick prächtig bedient zu werden – aber leider muss man immer wieder eine halbe Ewigkeit warten, bis die armseligen Gummiblutsauger das nächste Mal bestaunt werden können. In der Zwischenzeit darf man dann jeweils einigen der langweiligsten Personen, die je auf einer Leinwand aufgekreuzt sind, beim gleichgültigen Herunterleiern ihrer unfassbar öden Dialoge zuschauen. Das führt dazu, dass der Film eine gefühlte Laufzeit von mindestens fünfeinhalb Stunden hat, woran selbst der immer häufigere Gebrauch der Vorspultaste, der irgendwann zwingend notwendig wird, nichts ändern will. Einen besseren Beweis für die Relativität der Zeit kann man sich kaum vorstellen. Von Spannung findet man demnach in Skeeter nicht die allergeringste Spur, was allein deshalb ein wenig verwundern muss, weil hier eigentlich alles geklaut wurde und es zu Beginn der Neunzigerjahre bereits genügend gute Vertreter dieses Subgenres gab, die in geeigneter Form aufzeigen konnten, wie man dramaturgisch an ein solches Projekt heranzugehen hat. Brandon und Kollegen haben also augenscheinlich auch noch von schlechten Vorbildern geklaut beziehungsweise so unglaublich wenig Talent besessen, dass sie nicht einmal in der Lage waren, wenigstens ein halbwegs brauchbares Plagiat abzuliefern. Ich übertreibe wirklich nur unwesentlich, wenn ich behaupte, dass jedes Wort zum Sonntag gegen diesen Streifen, dem man das Desinteresse aller Beteiligten auf Schritt und Tritt anmerkt, ein echter Schocker ist.
Dabei will ich es bewenden lassen, sonst steckt in dieser Kritik mehr geistige Arbeit als im gesamten besprochenen Film.
Fazit: Skeeter paart Unvermögen & Lustlosigkeit zu einem der ungenießbarsten Produkte, die in den letzten Dekaden von der Filmindustrie auf ihr bedauernswertes Publikum losgelassen wurden. Clark Brandons Mückenmurks ist eine geradezu kriminelle Zelluloidverschwendung, die selbst eingefleischten Trashfans mühelos die Grenzen ihrer Toleranz aufzeigen kann und in voller Länge betrachtet mit hoher Wahrscheinlichkeit zu psychischen Störungen oder Magengeschwüren führt. Diesen Schrott sollte man nicht einmal anschauen, wenn man dafür Geld angeboten bekommt – es sei denn, es handelt sich dabei um Summen, die auf Dauer ein sorgenfreies Leben ermöglichen.
Ein Trash-Gnadenpunkt für die Gummimücken.
2 von 10 Punkten.