Regisseur Sergio Martino hat sich bis heute seinen Status als einer der wichtigsten Vertreter des Giallo bewahrt, dem er sich beginnend mit "Lo strano vizio della Signora Wardh" (Der Killer von Wien, 1971) intensiv widmete. Dass er auch den Poliziesco all'italiana mit prägte, ist ähnlich bekannt, unterschlagen wird dagegen häufig seine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der italienischen Spielart des mit der sexuellen Revolution aufkommenden Erotik-Films - die erotische Komödie, die in ihren besten Momenten die Tradition der "Commedia all'italiana" fortführte, die unter dem Deckmantel einer humorvollen Handlung beißende Gesellschaftskritik übte.
Auf Grund einer geradezu sintflutartigen Produktion billiger Sex-Komödien ab Mitte der 70er Jahre, die ihre austauschbare Handlung nur nutzten, um nackte Tatsachen auf die Leinwand zu bringen, nahm die einzelnen Filme kaum noch ein Verleiher ernst, weshalb sie unabhängig von ihrer individuellen Ausrichtung geschnitten, ummontiert und mit einer dem Charakter widersprechenden Synchronisation versehen wurden. "40 gradi all'ombra del lenzuolo" (übersetzt etwa "40 Grad im Schatten zwischen den Bettlaken") ist in dieser Hinsicht ein besonders prototypisches Beispiel. In Deutschland kam der Film um etwa dreizehn Minuten gekürzt auf die Leinwand, was angesichts der fünf durchschnittlich 20minütigen Episoden beinahe dem Wegfall eines Teils entspräche. Den wenigen Nacktaufnahmen, die 1976 Niemanden mehr aus der Reserve locken konnten und die nur in drei Episoden vorkommen, kann dieser rigorose Wegfall nicht angelastet werden, sondern nur mit einer generellen Respektlosigkeit gegenüber dem Erotik-Genre begründet werden. Das gilt auch für die etwas weniger gekürzte englischsprachige Version, die die Episoden in der falschen Reihenfolge anordnete und damit die innere Entwicklung verfälschte.
Schon 1973 hatte Sergio Martino mit "Giovannona Coscialunga disonorata con onore" (1973) eine Erotik-Komödie gedreht, in der die damalige Lebensgefährtin seines älteren Bruders und Produzenten seiner Filme Luciano Martino, Edwige Fenech, ebenso die Hauptrolle übernommen hatte wie in den meisten seiner Gialli. Martinos weitere Entwicklung bis zu "40 gradi all'ombra del lenzuolo" lässt sich entsprechend nachvollziehen. Nach einer weiteren Komödie "Cugini carnali" (1974) nahm auch Martinos letzter Poliziesco "Morte sospetta di una minorenne" (1975) einen zunehmend absurderen Gestus an, so dass sein komödiantischer Episoden-Film wie eine vorläufige Zusammenfassung wirkt, zu der er prominentes Personal versammeln konnte, das den Film qualitativ über die üblichen Sex-Komödien stellte. Dass Martino mit "Spogliamoci così senza pudor" (Lollipops und heißen Höschen) noch im selben Jahr einen weiteren Episodenfilm folgen ließ, der diesen Standard nicht mehr erreichte, war den geschäftlichen Gepflogenheiten geschuldet. Die Besetzung von Ursula Andress in zwei der Episoden des Nachfolgefilms wies zudem schon auf Martinos kommende Kannibalismus/Urwald-Phase hin ("La montagna del dio cannibale" (Die weiße Göttin der Kannibalen, 1978)), an der Andress maßgebend mitwirkte.
Neben Giorgio Salvioni ("La decima vittima" (Das zehnte Opfer, 1965)) und Sergio Martino, war mit Tonino Gierra einer der profiliertesten Autoren des italienischen Kinos an "40 gradi all'ombra del lenzuolo" beteiligt, für den das Sujet eine Abwechslung zu seinen Drehbüchern für Federico Fellini ("Amacord" (1973)), Francesco Rosi ("Cadaveri eccellenti" (Die Macht und ihr Preis, 1976)) oder Michelangelo Antonio ("Il mistero di Oberwald" (Das Geheimnis von Oberwald, 1979)) bedeutete, gleichzeitig aber erneut die enge, Genre übergreifende Verzahnung im italienischen Kino bewies. Der deutsche Titel "Müssen Männer schön sein?" bezog sich wenig schmeichelhaft auf das Äußere der fünf männlichen Protagonisten, die sich in den einzelnen Episoden an besonders attraktiven weiblichen Antipoden versuchen, lenkt aber von der tatsächlichen Intention des Films ab, denn lächerlich machen sich nur die beiden Männer in der ersten und letzten Episode, was auch der inneren Ordnung des Films entspricht.
Tomas Milian spielt gegen sein sonstiges Image in der ersten Episode "La cavallone" (Das Pferdchen) ein verklemmtes, mit dicken Gläsern bebrilltes Muttersöhnchen, das als einziger Mann des Ortes nicht in die allgemeine Begeisterung für die schöne Emilia Chiapponi (Edwige Fenech) einstimmt. Sobald sie über den Platz des toskanischen Ortes in ihrem eng anliegenden roten Kleid schreitet - meist in Begleitung ihres stolzen Ehemanns – kennen die Männer keine Zurückhaltung mehr, sondern stehen geifernd, glotzend und sprachlich hemmungslos ihre Gefühle ausdrückend Spalier. Eine Überzeichnung des männlichen Machismo, an dem sich nur der Cavaliere Marelli (Tomas Milian) nicht beteiligt. Doch dessen äußerlich gewahrte Zurückhaltung basiert nicht auf Anstand, sondern ist nur Zeichen seiner sexuellen Verklemmtheit, denn in seiner Fantasie treibt er es mit Emilia an den verwegensten Orten. Was wie eine leicht alberne Satire auf männliches Geprotze beginnt, vertieft der Film geschickt, denn Emilia geht ernsthaft auf die Anrufe des Cavaliere ein, in denen er ihr seine Fantasien schildert, und ist bereit sich mit ihm zu treffen.
Doch das überfordert den nur von seinem sicheren Ort heraus mutig agierenden Cavaliere, der sich zuerst davor drückt, die Verabredung einzuhalten, um dann seine Empörung darüber auszudrücken, dass sie realen Sex ausüben wollte. Zu diesem kam es tatsächlich, da sich zufällig der rustikale Typ mit der größten Klappe dort aufhielt – eine Erniedrigung für den verklemmten Cavaliere, als er von dessen lauthals verbreiteten Erlebnissen erfährt. Die erste Episode wirkt oberflächlich wie eine alberne Farce mit Tomas Milians Brettfrisur und seinen Flaschenboden-Brillengläsern, ist aber ein ironisches Spiel mit dem typischen männlichen Imponiergehabe, dass auch einen schadenfrohen Betrachter nicht befriedigen kann, da ausgerechnet der unangenehmste Angeber zum Ziel kommt. Die Voyeur-Perspektive kehrt sich letztlich um, auch wenn Edwige Fenech wie gewohnt optisch überzeugen kann, denn am Ende stehen die Männer im Visier und hinterlassen keine gute Figur.
Die zweite Episode "L'attimo fuggente" (Ein flüchtiger Moment), die fast ausschließlich zwischen Esmeralda (Giovanna Ralli), einer Dame aus guter Gesellschaft, und ihrem Chauffeur Filippo (Alberto Lionello) spielt, wirkt im Gesamtkontext am schwächsten, auch weil das ständige Drängen des Chauffeurs und die halbherzigen Zurückweisungen der Dame zunehmend nerven. Die Auflösung klärt zwar dieses Verhalten, kann aber nur im Zeitkontext überzeugen, als dem Ausleben von sexuellen Fantasien, kombiniert mit männlicher Impotenz, noch etwas Aufregendes anhaftete (siehe auch Woody Allens „Was sie schon immer über Sex wissen wollten…(1972), der hier Pate stand). Auffällig ist hier das Gleichgewicht zwischen Mann und Frau, das sich auch in der dritten Episode fortsetzt, auch wenn zuerst ein anderer Eindruck entsteht. Die Episode mit Marty Feldman ließe sich leicht aus dem Episoden-Kontext herauslösen, da sie weniger das generelle sexuelle Verhalten beleuchtet, als dem englischen Komiker die Möglichkeit bot, seinen ureigenen Humor auszuleben. Für seine Anhänger ist "La guardia del corpo" (Der Leibwächter) entsprechend ein Fest, die Szenen um die verwöhnte Tochter Mariana (Dayle Hadden) und ihre Party gaben Sergio Martino zwar die Gelegenheit für einige Nacktszenen, sind darüber hinaus aber nicht besonders originell.
Es sind die beiden abschließenden Kurzfilme, die dem Film neben der Eingangsepisode Gestalt geben, weshalb sie zu recht am Ende stehen. Die vierte Episode "I soldi in bocca" (Geld im Mund), die im Gegensatz zu den sonstigen Geschichten in der Schweiz angesiedelt ist, worauf der Film mit witzig klingenden deutsch gesprochenen Dialogen anspielt (nur in der Originalfassung), ist intelligent und überraschend erzählt, und bereichert das nach wie vor aktuelle Thema um die Schweizer Bankkonten um eine erotische Variante. Hier kommt keines der beiden Geschlechter gut weg, sieht man vom männlichen Protagonisten (Enrico Montenaso) einmal ab, von dessen leicht linkischen Auftreten man sich nicht täuschen lassen sollte, auch wenn sein Äußeres im starken Kontrast zur schönen Barbara Bouchet steht. Die deutsche Fragestellung „Müssen Männer schön sein?“ erweist sich trotzdem in keiner Episode als passend, da es nie um die traditionelle Eroberung einer Frau geht. Bekam in der ersten Episode die Angebetete ihren Kavalier gar nicht erst zu Gesicht, war der zweite Film ein Spiel unter Partnern und wird Marty Feldman im dritten Teil zum unerwarteten Helden, so sind es in der vierten Episode nur die 20 Millionen Lire, die die Frau weich werden lassen.
Das bleibt signifikant für einen Film, in dem Sex nur egoistisch motiviert ist, was die fünfte Episode geschickt an einer scheinbar emotionalen Situation verdeutlicht. Denn Adriano Serpetti (Aldo Maccione), der gerade in seiner frisch angemieteten Wohnung angekommen ist, wo er sich eine Auszeit von Ehefrau und Kindern verschaffen will, rettet der schönen jungen Nachbarin (Sydne Rome) das Leben, als sie sich vom Sims aus in den Tod stürzen will. Doch der Versuch des Familienvaters, diese Situation auszunutzen, um in ihrem Bett zu landen, ist genauso unangemessen, wie ihre Forderung nach ewiger Liebe. Das Einzige, was in "Un posto tranquillo" (Ein ruhiger Ort) authentisch ist – genauer betrachtet sogar im gesamten Film – ist der Schäferhund, der eifersüchtig über sein Frauchen wacht. Da bleibt Mann nur die Flucht. "40 gradi all'ombra del lenzuolo" ist kein Film über ein paar lächerliche Idioten, die sich an schöne Frauen heranmachen - wie es der deutsche Titel suggeriert - sondern eine intelligente Sezierung von Männern und Frauen, denen es weniger um Sex geht, als um ihren eigenen Vorteil. Ein wenig Selbstreflexion ist schon notwendig, um Sergio Martinos gelungene Erotik-Komödie zu mögen (8/10).