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Per Saldo: Mord

Im Jahre 1975 ließ die Bavaria (München) mal wieder ihre Beziehungen spielen, um mit amerikanischen Koproduzenten einen Thriller nach internationalen Maßstäben zu verfertigen. Neu war das nicht - bereits mit dem leider nie im Kino gezeigten "Jack of Diamonds / Der Diamantenprinz" von 1967 hatte man bewiesen, dass so was geht. Nun also machte man sich an einen Actionkrimi, der - wie könnte es anders sein - im Land des Geldes spielt: in der Schweiz. Als Regisseur hatte man sich Jack Arnold gegönnt, einen der versiertesten B-Filmer der 50er und 60er Jahre, dessen putzigen "Der Schrecken vom Amazonas" man sich irgendwann einmal ansehen muss.

Da man durchaus finanzkräftig unterwegs war, gönnte man sich ein Ensemble, das für Freunde des europäischen Filmes dieser Jahre Anlass zu spontanen Luftsprüngen sein dürfte. Die Hauptrolle des in die Jahre gekommenen, aber dennoch wackeren Privatschnüfflers ging an den vormals auf der Flucht gewesenen David Janssen, dessen relativ dröges Schauspiel wesentlich dadurch aufgewertet wird, dass ihn der unnachahmliche Günther Ungeheuer synchronisiert. Senta Berger ist immer natürlich immer eine Bank, auch hier in ihrer Rolle der durchtriebenen Femme fatale. Ray Milland, "Der Mann mit den Röntgenaugen", wittert als altehrwürdiger Bankpräsident "Bei Anruf: Mord", während Anton Diffring zusammen mit seiner Schickse Elke Sommer den ungesetzlichen Teil innerhalb der Bank ausmacht. John Saxon, gern gesehener Gast in vielen Europroduktionen, hat zwar nur einen verhältnismäßig kurzen Auftritt als schnellschießender Gangster, darf aber von den beiden Killern des Films - Arthur Brauss und David Hess - am "Last House on the Left" richtig schön hingemacht werden.
Man stelle sich vor: Janssen, Berger, Milland, Diffring, Sommer, Saxon, Brauss und Hess in einem Film - Ja, lechz !!!

Überhaupt gibt's in diesem Film viele schön gefilmte Szenerien zu bestaunen. Bavaria's Stammkameramann Werner P. Hassenstein liefert gekonnte Bilder. Ob's nun die Todeshatz von Saxon oder der schlußendliche Twist auf dem verschneiten Rothorn oberhalb des Brienzer Sees ist, die Kamera ist immer gut dabei. Obwohl man ehrlicherweise sagen muss - bei solcher Kulisse und Atmosphäre wie sie die Schweiz bietet, kann man nicht viel falsch machen (Hassenstein macht's richtig, goldrichtig). Im Übrigen: Für mich ist die Rallye zwischen Janssen und Berger eine der bestinszenierten und stilvermittelnsden Autoverfolgungsjagden der 70er Jahre.

Die Bauten besorgte das Urgestein des deutschen Bühnenbildnertums, Rolf Zehetbauer. Die tolle musikalische Untermalung besorgt Klaus Doldinger, der einen Soundtrack liefert, der nicht nur Jazz- und Fusionmäßig äusserst auf der Höhe ist, sondern auch noch treibende Cues am laufenden Band liefert - und die Titelmusik geht, wenn man Glück hat, einem tagelang nicht aus dem Ohr. (Leider gibt's den Score nicht auf CD).

So, nun noch mal zum mitschreiben: Jack Arnold's letzter Kinofilm, mit stiller Ironie und einigem Gespür für Stimmung und Spannung inszeniert, ist ein schönes Stück Kino, welches durch die toller Kulisse der Schweiz und den gekonnten Score von Doldinger noch besser wirkt. Ein großes Dankeschön an VOX diesen Film endlich einem breiten Publikum zugänglich gemacht zu haben. Ich sag' nur: ansehen.

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