Review

RED FORCE

„Eine Frau, sanft wie eine Katze - und gefährlich wie eine Tigerin!“ steht auf dem RED FORCE-Cover geschrieben! Das klingt irgendwie nach einem billigen Erotik- oder Psychothriller, aber wenn man dann Namen wie Yuen Wo Ping, Donnie Yen und Cynthia Khan liest, beginnen die Augen von wahren Eastern-Fans zu leuchten! Wenn ich jetzt noch verrate, dass bei diesem Modern Day-Actioner gleich sechs Action- und Kampfchoreographen am Werk waren, sollte dies die Vorfreude noch ein klein wenig mehr steigern…

Um den florierenden Drogenhandel zwischen dem chinesischen „Green Dragon Crime Syndicate“ und einem unbekannten, US-amerikanischen Geschäftspartner zu unterbinden, formiert die „American Intelligence Agency“ ein Sondereinsatzteam. CIA-Mann Michael (Wong) leitet die Truppe, welcher außerdem noch Cop Donnie (Yen), dessen Partner Pete und Penny Yeung (Cynthia Khan) von der „Royal HK Police“ angehören.

Im Hafen von Seattle soll das Drogengeschäft abgewickelt werden, doch der korrupte CIA-Mann Robinson erschießt die chinesischen Geschäftspartner bei der Übergabe. Auch Pete wird bei dem Feuergefecht getötet. Im letzten Moment kann er dem Dockarbeiter Richie Chan (Sunny Yuen) einen Mikrofilm übergeben, auf welchem belastendes Material gespeichert ist.

Robinson will das heikle Beweisstück in seinen Besitz bringen und hetzt Richie die U.S. Navy-Truppe „Black Fox“ auf den Hals - eine Truppe, welche nach Berichten des Pentagons gar nicht mehr existieren dürfte. Richie setzt sich in seine Heimat Hong Kong ab. Michael, Donnie und Penny folgen dem einzigen Belastungszeugen, doch auch die „Black Fox“-Killer haben sich schon an Richies Fersen geheftet…

Wollen wir uns „D&B Films“ IN THE LINE OF DUTY-Reihe (Ultra Force 1, 2, 3, Red Force 1, 2, 4, Sea Fighter) und deren typische Merkmale (weibliche Karate-Cops, US-Kampfsportler als Gegner, ein furioser Mix aus Martial Arts-Gefechten, Shoot-Outs und Verfolgungsjagden) doch noch einmal ins Gedächtnis rufen: Modern Day-Action, wie die Fans sie lieben! Und RED FORCE (im Original: In the Line of Duty IV: Witness) ist nicht irgendein Vertreter des Genres! Nein! Wir haben es hier mit DEM Genre-Highlight schlechthin zu tun!

Hat man die Storyzusammenfassung gelesen, braucht man nichts weiter zu tun, als sich zurückzulehnen und den 90-minütigen Action- und Martial Arts-Marathon zu genießen…

Gleich nach dem Vorspann bekommen Cynthia Khan und Sunny Yuen die Gelegenheit, ihre Schlagkraft unter Beweis zu stellen: Ein Trupp Geldeintreiber unter der Führung von Eddie Maher will unter Zuhilfenahme von diversen Werkzeugen vermöbelt werden, wobei Gegner nach Schlägen mit dem Brecheisen schon mal mit dem Kopf in Fensterscheiben knallen oder mit einem „Schraubenschlüssel-Nunchako“ bearbeitet werden.

Kurz darauf bekommt es Cynthia in einem kurzen Kampf mit dem Anführer der „Green Dragons“ (Yuen Shun Yee) zu tun und Donnie Yen darf ein paar US-Kickboxer vermöbeln. Nach einem Shoot-Out in einer Lagerhalle, Richies Duell mit einem fiesen US-Cop (Dan Mintz) und diversen Duellen zwischen Donnie und Sunny verlagert sich das Geschehen für den Rest des Filmes von Seattle (in Wahrheit: Kanada ;) nach Hong Kong. Und hier beginnt die Action erst richtig…

Cynthia kämpft auf dem Dach eines fahrenden Krankenwagens gegen Paul Wong und John Salvitti und später bekommt es auch Donnie mit den beiden Typen zu tun. Salvitti jagt Donnie als mit MP bewaffneter Motorradkiller durch enge, dunkle Gassen und mit Wong liefert sich Donnie einen spektakulären Fight in einem Krankenhauszimmer. Bei einer Säuberungsaktion im Hauptquartier der „Green Dragons“ tritt Cynthia gegen Farlie Ruth Kordica an und die Ladies liefern sich zwischen Baugerüsten und in Fahrstuhlschächten einen erbarmungslosen Zweikampf.

Als ob das nicht schon genug Action für einen (oder mehrere) Eastern wäre, dreht der Film zum Ende hin erst richtig auf: Wenn sich Donnie eine unglaubliche Motocross-Verfolgungsjagd mit Stephen Berwick und Michael Woods durch Hong Kongs Strassen liefert, haben Eastern-Fans Freudentränen in den Augen! Da werden Gegner bei voller Fahrt vom Motorrad gekickt, da werden Hämmer und Schaufeln geschwungen, da wird durch Baustellen gerast und über fahrende Autos gesprungen und bei Gelegenheit werden die Gegner auch direkt gegen und durch diverse Hindernisse gerammt!

Noch einmal tief Luft geholt… der Showdown kann beginnen! In einem Bürogebäude stehen sich Gut und Böse zum finalen Schlagabtausch gegenüber: Unter ständigem Wechsel der Konstellationen prügeln Donnie, Cynthia und Sunny ihre Gegner durch die Etagen, wobei Cho Wing, der Berwick, der Woods und der „große Unbekannte“ natürlich ordentlich Gegenwehr leisten!

Das Choreographenteam (u.a. Sunny Yuen, Cho Wing und Donnie Yen himself) hat absolut fantastische Arbeit geleistet und so fällt es kaum auf, dass die Story zweckmäßig einfach gehalten ist und sich die Charaktere eher wenig entwickeln! Außerdem fällt auf, dass RED FORCE vergleichsweise unbrutal geraten ist und dass auch nicht unnötig rumgekillt und mit Blut rumgesudelt wird! Man hat sich viel mehr auf das Choreographieren von unzähligen beeindruckenden Martial Arts-Duellen konzentriert!

Im Allgemeinen gilt das Duell zwischen Jackie Chan und Benny „The Jet“ Urquidez aus DER POWERMAN als bester Eastern-Zweikampf aller Zeiten! Da bin ich anderer Meinung! Mein absoluter Alltime-Favourite-Fight ist das RED FORCE-Duell zwischen Donnie Yen und Michael Woods auf dem Dach des Bürogebäudes! Zwischen Absperrgittern und qualmenden Lüftungsschächten versucht Donnie, der geballten Power des schwarzen Muskelpaketes Woods beizukommen…

Drehsprung-Kicks mit mehrfachen Treffern, Donnies unvergleichlicher Kampfstil inklusive präziser Deckungs- und Box-Einlagen, Woods zerstörerischer Kampfstil inklusive einiger krachender Moves (z.B. Backbreaker)… keiner der Kämpfer ist zu irgendeinem Zeitpunkt wirklich überlegen und es gibt keine unreellen Wendungen während des Kampfes… die Skyline von Hong Kong im Hintergrund (inklusive zur Landung ansetzender Flugzeuge)… unschlagbar… UNBEZAHLBAR!

Das deutsche VHS von RED FORCE ist einerseits ungeschnitten, andererseits aber nur in Vollbild und Mono gehalten. Dazu steht es noch auf dem Index und relativ selten ist es sowieso. Im TV dagegen gab es bisher nur stark gekürzte Fassungen zu sehen und es ist allerhöchste Zeit, dass dieser Klassiker mal in angemessener Qualität auf DVD released wird!

Liebe „Splendid“-Leute: Spart Euch doch in Zukunft mal die x-te Neuauflage oder Neuverpackung von Jackie Chan- und Jet Li-Filmen und versorgt den Markt stattdessen mit neuen Titeln! „Reihen“ wie BORN TO FIGHT, RED FORCE und ULTRA FORCE gehören zum Eastern-Pflichtprogramm! Dass die Filme "uncut" zu releasen sind, brauche ich wohl nicht gesondert zu erwähnen, oder? Wenn ich mir jedoch 1:1-Kopien von VHS zu DVD (z.B. Born to Fight 5) anschaue, sage ich es lieber doch noch mal: UNGESCHNITTEN!

Beginn Schlusswort: Yuen Wo Pings RED FORCE ist ein absolutes „Mega-Modern Day-Action-Must-Have“ und „ohne“ ist keine Eastern-Sammlung auch nur ansatzweise komplett! Schlusswort Ende!

10/10 Punkten, diBu!

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