Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (16)

LORD OF THE ELVES – DAS ZEITALTER DER HALBLINGE

(CLASH OF THE EMPIRES)

Joseph J. Lawson, USA 2012

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!


Als Anfang Dezember 2012 der Eröffnungsfilm von Peter Jacksons Hobbit-Trilogie in New York seine US-Premiere feierte, konnten auch die Trittbrettfahrer der kalifornischen Ramschbude „The Asylum“ auf eine erfolgreich abgeschlossene Arbeit zurückblicken: Mit dem vorliegenden Fantasy-Heuler Lord of the Elves – Das Zeitalter der Halblinge (im Original nach Korrektur Clash of the Empires, im Folgenden nur Lord of the Elves), mit Lord of the Elves also hatten sie ihren unvermeidlichen Mockbuster zum Großereignis Der Hobbit: Eine unerwartete Reise produziert. Ursprünglich hieß ihr Billig-Imitat sogar Age of the Hobbits, aber das war dem Hobbit-Distributor Warner Bros. dann doch entschieden zu unverschämt und es gab eine erfolgreiche Klage, was schließlich zur Umbenennung in Clash of the Empires führte.

Der für den deutschsprachigen Raum ersonnene Titel ist freilich ebenfalls eine ziemliche Unverfrorenheit, denn Elfen gibt es hier weit und breit nicht. Statt ihrer bekommen wir es mit sogenannten „Halblingen“ zu tun – wenn man so will, sind das Zwerge. Die leben etwa im Jahr 10.000 vor Christi Geburt in Südostasien und gehen friedlich ihrer rein landwirtschaftlichen Arbeit nach. Eines Tages wird ihre Dorfgemeinschaft allerdings von bösartigen, kannibalischen und mit grotesken Gebissen ausgestatteten „Steinmännern“ überfallen, welche viele Halblinge niedermetzeln und die restlichen verschleppen, um sie in einer Opferzeremonie zu töten und, nun ja, vielleicht auch zu essen.

Drei der Kleinwüchsigen können den Steinmännern jedoch entkommen: Es sind Tak Tek (wirklich) und seine beiden Kinder, der freche Spät-Teenie Goben und die achtjährige Tochter namens Omi (ja, wie Omi). Die drei wollen natürlich alles tun, um ihre entführte Ehefrau und Mutter aus den Fängen der Steinmänner zu befreien und machen sich auf den Weg zu deren Lager, obwohl sie keine Ahnung haben, wie so eine Befreiung aussehen könnte. Eine Idee kommt ihnen dann aber doch: Ihr Weg führt sie durch ein Gebiet, in dem die sogenannten „Riesen“ leben – wie wär’s, wenn man die freundlich um Hilfe bittet?

Tatsächlich trifft man bald auf eine Gruppe dieser Riesen, die aus unserer Sicht freilich nur ganz normale Menschen (damit aber eben doppelt so groß wie die Halblinge) sind. Als einer derselben bei der Auseinandersetzung mit einem wütenden Wollnashorn in ernsthafte Bedrängnis gerät, kann ihm Tak Tek das Leben retten, indem er das Tier blendet. Der dem Tode Entronnene, ein Mann namens Amthar, ist voller Dankbarkeit und verspricht seinem Retter, die Schuld, in der er bei ihm steht, zu begleichen. Da trifft es sich gut, dass die Halblinge gerade ein dringendes Anliegen haben ... Amthor stellt sie seinem Stammesoberhaupt (gelegentlich auch König genannt) vor und wünscht, dass man gegen die Steinmänner ins Feld zieht und die Gefangenen befreit. Der Anführer oder König will sich aber nicht wegen dreier lausiger Zwerge mit den immerhin auf Drachen reitenden und kreuzgefährlichen Steinmännern anlegen und lehnt die Einmischung in den Konflikt ab.

Amthor indes ist ein Ehrenmann, der sein Versprechen halten möchte, weshalb er die Anordnung seines Ältesten ignoriert und auf eigene Faust in Sachen Halblingsbefreiung aufbricht. Begleitet wird er dabei von zwei weiteren Kriegern seines Stammes sowie der kampferprobten Laylan, die noch eine alte Rechnung mit den Steinmännern offen hat – und natürlich von den drei Halblingen. Ein Spaziergang wird ihre Reise jedoch nicht: Auf dem Weg ins Feindesland müssen sie sich mit Riesenspinnen und ausgewachsenen Komodowaranen herumärgern, was sogar zu Verlusten in ihren Reihen führt. Dann aber stehen die Verbliebenen den Steinmännern gegenüber ... und wir dürfen einer unfassbar dilettantisch ins Bild gesetzten und ausgeführten finalen „Schlacht“ beiwohnen.

So weit, so wenig überraschend – Lord of the Elves ist schließlich eine Asylum-Produktion. Die wirkt allerdings gar nicht so recht wie eine Asylum-Produktion, sondern eher wie, ähm ... ja, was eigentlich? Sicher, die Story gibt nicht viel her und steckt voller Logikprobleme, die grenzdebil durch die Gegend springenden Steinmänner sind nicht zuletzt dank ihrer abstrusen Gebisse Trash in Reinkultur, die „Action“-Szenen wirken wie schon angedeutet in jeder Beziehung erbärmlich und auch die technische Umsetzung lässt zuverlässig zu wünschen übrig, aber entscheidend geprägt wird dieser Streifen von den kleinwüchsigen südostasiatischen Darstellern, die sehr zahlreich in ihm mitwirken und dafür sorgen, dass er sich ausgesprochen seltsam anfühlt.

Das wirft wiederum die Frage auf, ob dieses Wort „seltsam“ im vorliegenden Fall eher positiv oder eher negativ besetzt ist. Um ehrlich zu sein, bin ich mir da selbst nicht ganz sicher. So hat der Einsatz der Kleinwüchsigen schon einen leicht schalen Beigeschmack: Auch wenn etwas Derartiges nicht neu ist (natürlich fällt einem hierzu sofort Werner Herzogs Ausnahmewerk Auch Zwerge haben klein angefangen ein) und wir ihre eigene Position zum Dreh und seinen Konditionen nicht kennen, könnte dieser Einsatz durchaus auch als Missbrauch interpretiert werden – ich höre da schon den einen oder anderen „Exploitation!“ schreien. Andererseits können einen diese Menschen auch wirklich anrühren und damit eine emotionale Reaktion anregen, was nun in einem Asylum-Streifen wirklich alles andere als die Regel ist. Ich muss sagen, dass mir einige der Halblingsdarstellerinnen und -darsteller sogar ein ganzes Stück weit ans Herz gewachsen sind, was eine objektive Rezeption des Streifens deutlich erschwert. Aus subjektiver Sicht kommt Lord of the Elves derweil trotz meiner erklärten Abneigung gegen Steinzeit-Sujets ziemlich gut davon.

Auch die Optik überrascht: Lord of the Elves liegt wie bei Filmen seiner Herkunft üblich im TV-Format vor und kommt mit kristallklaren und sehr beeindruckenden Bildern seiner tropischen Schauplätze daher. Gedreht wurde tatsächlich in Kambodscha, und hier fanden sich eine üppige Natur und grandiose Landschaften (obgleich nicht jedes Set nun gleich ins Bilderbuch gehört). Es ist zwar davon auszugehen, dass sich bei den Totalen eine Menge Stock Footage eingeschlichen hat, aber das kann dem Betrachter in diesem Fall egal oder sogar nur recht sein.

Umso ernüchternder fällt der Blick auf die Trickeffekte aus. Mag sein, dass es schon schlechter animierte Riesenspinnen, Warane und Drachen aus dem Rechner gab als jene, die unseren Helden hier über den Weg krabbeln, laufen und flattern, aber sie alle sehen noch immer viel zu künstlich aus. Die dicken und plumpen Drachen geraten sogar zur veritablen Lachnummer (ich musste an Nilpferde mit Flügeln denken). Etwas Handarbeit ist darüber hinaus ebenfalls zu verzeichnen – vornehmlich bei den Zähnen der Steinmänner, die freilich eine noch größere Lachnummer sind.

Unter die Darsteller haben sich derweil zwei relativ bekannte Vertreter ihrer Zunft verirrt – Bai Ling und Christopher Judge. Mit Letzterem hatte ich bislang nur wenig beziehungsweise wenig Memorables zu tun – als Amthor macht er aber routiniert sein Ding. Was indes Bai Ling in eine Asylum-Produktion getrieben hat, ist ein Rätsel (na gut, in erster Linie werden es ein paar Dollarscheinchen gewesen sein). Im Gegensatz zu ihrem unfassbaren Auftritt im kürzlich von mir gesehenen Sondermüll Crank 2 bewegt sie sich hier als Laylan ganz natürlich und macht einen tadellosen Eindruck. Sie ist auf jeden Fall ein großer Gewinn für Lord of the Elves. Problematisch wird es allerdings bei den kleinwüchsigen Einheimischen, die in zahlreichen wichtigen Rollen zu sehen sind – natürlich handelt es sich bei ihnen um Laien, und das sieht man in den meisten Fällen auch überdeutlich. Ebenso deutlich ist jedoch auch ihr Bemühen erkennbar, sich hier achtbar aus der Affäre zu ziehen, was durchaus nicht ohne jeden Erfolg bleibt. Tom Eurt als Mutter und die (leider unglücklich synchronisierte) junge Khom Lyly als Tochter der Heldenfamilie haben mich auf ihre Weise sehr wohl für sich eingenommen, und auch Srogn (so steht’s in den Credits) und Sun Korng können sich als dazugehöriges Vater-Sohn-Gespann die nötigen Sympathiepunkte erarbeiten.

Bemüht hat sich auch Chris Ridenhour, dessen (selbstredend keine Sekunde lang aussetzender) Score deutlich inspirierter daherkommt als im dudeligen Asylum-Durchschnittsfall. Tatsächlich gelingen ihm sogar einige epische und emotionale Motive, was eindeutig Wirkung zeigt – und diesen Film damit noch etwas irritierender und weniger greifbar macht, denn auf so etwas ist man hier nicht unbedingt eingestellt.

Seltsam – das ist und bleibt somit das erste Wort, das mir zu Lord of the Elves einfällt. Joseph J. Lawsons Steinzeit-Fantasy-Abenteuer ist billige, anspruchslose und über weite Strecken amateurhafte TV-Ware, lädt aber dank ihrer beachtlichen audiovisuellen Qualität nicht schon auf den ersten Blick zu einer kritischen oder hämischen Rezeption ein und kann auch mit ihren ungewöhnlichen kambodschanischen Darstellern aus dem geläufigen Asylum-Trott ausbrechen – wobei allerdings die Gefahr besteht, dass man Letztere nicht als Gewinn, sondern eher als Manko betrachtet. Ich für meinen Teil bin mit ihnen und damit auch mit diesem Film erstaunlich gut zurechtgekommen – Lord of the Elves ist beileibe keine Glanztat, aber eine angenehme kleine Abwechslung im kalifornischen Trash-Alltag.

Objektiv knappe 4 von 10 Punkten.





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