Es steht in allen Zeitungen: die Mieten sind zu hoch und Eigenheime sind erstrebsam, aber leider noch viel teurer.
Das ist in good old USA seit der Finanzkrise nicht anderes, denn da konnten Zigtausende unbescholtener Bürger ihr Eigenheim bzw. dessen Finanzierung nicht mehr halten und alles landete in der Zwangsversteigerung. Die ehemaligen Besitzer waren verzweifelt, frustiert oder auch sehr, sehr wütend.
Also präsentiere ich den Film zur Krise: „Crawlspace“!
Hier präsentiert sich die Clean-Cut-Family Gates als vermeintliche Kriegsgewinnler, die nach Jahren vergeblicher Finanzversuche nun bei der Zwangsversteigerung endlich ein Häusle mit Pool abfegen durfte. Was sie nicht wissen: der Vorbesitzer ist nicht einfach privatinsolvent geworden, er hat auch noch seine zwei Töchter im Pool bei einem Unfall verloren und sieht sich nicht in der Lage, das Haus zu räumen. Deswegen wohnt er im „Kriechraum“ unter dem Dach (wo offenbar einfach mal vorab nicht nachgesehen wurde) und pflegt dort seine Neurosen und Psychosen.
Die Familie hat aber zunächst ein anderes Problem als den Herr-Riebmann-Verschnitt hinter den Lüftungsschlitzen, denn das eigentlich schon ausgezogene Töchterlein Kayla bucht sich ganz von selbst wieder in der Bude ein.
Natürlich kommt es bald, wie es kommen muss: nachdem Kayla mit ihrem Freund ein Nümmerchen geschoben hat und weitere unerklärbare Umräumungen stattgefunden haben, greift Ex-Besitzer Aldon Webber in die ganz große Werkzeugkiste und beginnt, alles zu meucheln, was seine Existenz gefährden könnte. Erst muss eine greise Nachbarin dran glauben, die von seinem Schlafplatz weiß, dann seine Holde, die nicht wieder einziehen möchte und anschließend vom sexy Babysitter bis zum Insektenvernichter jeder, der zufällig durch die Bude läuft.
Was dann auch der Grund dafür ist, dass man diesen kleinen Urban-Paranoia-Schinken nicht schon schon beim Ansehen negiert, denn Steven Weber, der schon in der TV-Fassung von „The Shining“so hübsch ausklinkte, geht hier mit derart brachialen Haushaltsmitteln gegen seine unschuldigen Opfer vor, dass einem Angst und Bange wird. Dabei verspritzt er nicht literweise Blut, legt aber eine gewalttätige Kreativität an den Tag, die sanften Gemütern ziemlich lange im Hinterkopf verbleibt.
Was dann auch das größte Plot- und Drehbuchproblem dieses Malen-nach-Zahlen-Home-Invasioners ist, denn ständig muss sich das Skript irgendwelche depperten Nebenfiguren einfallen lassen, weil der Bösewicht natürlich die „all american family“ frühestens zum großen Finale attackieren darf, aber schon die ganze Zeit Leute umbringen muss, damit man nicht einpennt. Bis dahin ist seine Motivation noch dazu recht verworren. Es wird nicht ganz klar, ob er sie nun loswerden oder als verlorenes Musterbeispiel einer glücklichen Familie adoptieren möchte, aber mit zunehmender Mordlust wird das sowieso egal.
Zur Strecke bringen müssen ihn am Ende dann die Damen des Hauses, namentlich Kayla mit ein bisschen Hilfe ihrer Mutti, für die man 80er Teeniestar Lori Loughlin („Liebe schwarz auf weiß“; „Full House“) gewinnen konnte, die auch mit 50 Jahren immer noch knusprig ausschaut. Die Herren der Schöpfung sind im Vergleich dazu tot, kleine Würstchen (der Papa), aufs Würstchenverstecken fixiert (der pubertierende Bruder) oder noch im Mini-Winni-Alter.
Ergo also ein mächtig mechanischer Langweiler, der nur bei den Kills und der einen Sexszene ein wenig die Hosen runter lässt, weil das Filmchen eindeutig für den weißen Teil der Bevölkerung gedreht wurde (auch wenn Kayla mal einen farbigen Freund hat, der aber das Ende des Films auch nicht erlebt).
Sehenswert maximal wegen Steven Webbers ausdruckslosem Killerface, dass schon alles Leid der Welt gesehen hat. Würde deswegen aber nicht für den Film in irgendeinen Laden kriechen! (3/10)