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Trotz oder vielleicht auch wegen den vier qualitativ stetigen oder sich je nach Ansicht und Bedarf auch steigernden Vorgängern werden die finalen An- und Abschlüsse gerne übersehen oder gleich negiert; das gilt für den offiziellen Epilog (In the Line of Duty 6 - )Forbidden Arsenal ebenso wie für den vorliegenden fünften Teil fast noch mehr. Selbst die Präsentation im dafür empfänglichen Um- und Ausland wirkt seltsam nachlässig und wie als geduldetes Anhängsel und auch bei Liebhabern des Genres wird die Produktion gerne mal unter den Tisch (und dies zu Gunsten des zeitgleich gestarteten Klassiker Tiger Cage 2 oder gar des hiermit zusammenhanglosen Queen's High a.k.a. In the Line of Duty 8 - The Beginning) gekehrt. 'Schuld' an der 'Misere' haben wird der Regisseur, welcher zuvor keine Actionfilme gestemmt hat und hinterher mit einer Ausnahme eigentlich auch nicht mehr:

Bei einem Urlaub vom Dienst in HK gerät der US Marine David Ng [ David Wu ] deswegen in die Bredouille, weil sein bester Freund und Zimmernachbar Alan [ Vincent Lyn ] aus Versehen bei einer Rangelei vor einem Nachtclub durch Peter [ Jackie Lui ] und dessen Kumpane getötet wird. Alan war nämlich insgeheim im Dienst für 'The General' [ Ku Kuan-Chung ] in Sachen Ankauf und Verkauf gestohlener streng geheimer US-Daten zuständig, wodurch auch David in den Fokus sowohl der CIA als auch der verbrecherischen Organisation gerät. Helfen kann ihm einzig nur seine Cousine, HK Cop Inspector Yang Li-Ching [ Cynthia Khan ], die zusammen mit ihrem Partner Officer Wong [ Lau Kong ] erstmal auf die Fährte von Peter und dessen Bekannte, der auch mit David kurz zusammengetroffenen May [ Alvina Kong ] geht.

Das beliebte Parkhaus hier wieder mal als Tatort einer ersten Szene, eingangs allerdings nur, wird sich nach und während einer fortlaufenden Verfolgung gleich daraus hinaus und meilenweit bewegt, über die Seitengassen, den Verkehrsstraßen, auf den Highway hinaus, erst zu Fuß, dann auf einem fahrenden Transprter, der nicht nur in der Fahrt gar per Sprung zu einem anderen Gefährt gewechselt wird, sondern auch davon gefallen, mitgeschleift, von einem anderen herankommenden Wagen erfasst und so nicht bloß der edle ockerfarbene Damenanzug ruiniert, sondern v.a. eigenes Leib und Leben riskiert. Wahnwitzige Actionszenen mit hoher Gefährlichkeit für die Akteure und deren Stuntmen hat der Film hier auch, nicht zu knapp sogar, liegt das Problem aber woanders und in der dramaturgischen Umgebung, die nonexistent ist über langweilig bis spinnert, darstellerisch in den Leistungen durchgehend recht simpel und ab und an auch mit Szenen zur Fremdscham und Längen gestrickt.

Dafür hat das Werk andere Meriten und andere Qualitäten. Den Anschluss im menschenleeren südkoreanischen Olympiastation zum Beispiel, die gescheiterte Festnahme, welche sich in einer dreiteiligen Autohatz durch die volle Seouler Innenstadt ausweitet und in durchaus vorhandener Aufwändigkeit erweist, da mitten im Ballungsraum und sichtlich auch bei Hauptverkehr gedreht. Die vielen westlichen Darsteller, die ansonsten nahezu allesamt bei den copy and paste - Arbeiten von Joseph Lai und Godfrey Ho und Co. zu sehen und der Einfluss normalerweise durchgängig gescholtener C-Ware für das Ausland im aktuellen einheimischen Kino und die Verbindung von Non-Budget zu zumindest Mid-Budget sind. Sowieso das hier vorherrschende internationale Gehabe, die Anwesenheit eben gleich mehrerer bekannter Langnasen (Vincent Lyn, Steve Tartalia, Mark King, John Ladalski, Kim Maree Penn, Bruce Fontaine), und der Spionageplot, welcher mit allerlei Geheimniskram auf 5 174 und 3 1/2 Zoll Disketten geschmückt und auch den beliebten griffigen Abkürzungen von CIA und KGB usw. und anderen mächtigen, Weltgeschehen antäuschenden Schlagwörtern wie Konsulat, Marines, Political Division etc. dekoriert wird. Ein Drive-by-Shooting auf ein Restaurant noch in Südkorea lässt die Figuren im Kugelhagel zersplitterter Fensterscheiben tanzen und auch sonst ist anfangs (und auch im Showdown) alles noch so, wie es sich gehört.

Was folgt ist eine ganze Spur kleiner als es im Text vorgegeben ist, werden die scheinbar globalen Aktivitäten und das groß aufgebauschte Kuddelmuddel von tatsächlichen und falschen Generalen mit einer Spur billiger, aber auch mit Einsatztrupp und Karambolage angereicherter Actionkrimi und ebenso anwesenden Kleinverbrechern gekreuzt; eher so getan als ob also, was jetzt aber nicht unbedingt den Vorgängern, allen voran dem (zu Recht) gelobten Teil 4 oder dessen Adäquat Tiger Cage 2 mit dem dortigen Geschehen oft im gedrungenen Wohnzimmer oder den Hinterhöfen widerspricht. Aussehen rein von der Optik her tut man auch genauso, weniger heimelig gehalten und wie strikt abgefilmt präsentiert, ein bisschen bärbeißig und rustikal für die einfachen Zwecke in Szene gesetzt; während vor allem die erstaunlich wirkende Leere der Metropole hier ganz anders als aus der Erinnerung habend wirkt. Die vielfach präsentierten Stunts (Sprung von einem Häuserdach zum anderen, Stürze aus Höhen auf Autos hinab bspw.) und die Bewegungen von Kämpfenden und Flüchtenden (durch stets allseits, selbst von oben beengte Örtlichkeiten wie Wohnanlagen, Industriebauten, auch dem Hafengrundstück) sind aufgrund dieser Schnörkellosigkeit und dem allgemeinen Tempo bei derlei Szenen und viel Glasbruch aller Beteiligter auch durchaus zu erwähnen, wirken aber eher wie im Nebenher und werden nicht richtig auf dem Tablett präsentiert und wie alltäglich gehandhabt statt angemessen glorifiziert. Theoretisch interessante, gar explosive und mit Detonation, Strom und offenen Feuern hantierende Konfrontationen des Nachts auf Schrottplätzen und Fabrikgelände sind durchweg im üblen Blauschatten der damaligen Zeit gehalten, ein unscharfer visueller Brei, der weniger zeigt als vielmehr alles Positive eher versteckt.

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