Wenn man so an die alten Kannibalenfilme der Siebziger und Achtziger zurückdenkt, waren da ein paar sehr extreme Streifen darunter, nicht zuletzt aufgrund von Tier-Snuff, allerlei Ekelszenen und einer gehörigen Portion Gewalt. Der vorliegende russische Film bietet dagegen eher so etwas wie einen grellen Kindergeburtstag, denn statt Horror bekommt man eine seichte Komödie präsentiert.
Die Beziehung von Sergei und Marina begann eigentlich viel versprechend, doch sein ausgedehnter Büroalltag als Architekt lässt die Ehe nach drei Jahren deutlich bröckeln. Als letzte Hoffnung tritt man einen Abenteuerurlaub in exotische Gefilde an, doch dann strandet das immer noch zerstrittene Paar auf einem Eiland, bis Kannibalen auf die Streithähne aufmerksam werden...
Die vielen bunten Bilder erinnern eher an eine Werbung für Kinderprodukte zu Ostern, an die man sich zunächst einmal gewöhnen muss. Die erste Begegnung der Protagonisten ist an sich recht goldig in Szene gesetzt, sie untermauert jedoch auch den Grundton einer harmlosen Komödie, der im Endeffekt der richtige Biss fehlt, vor allem in Hinblick auf die Kannibalen.
Jene tauchen fast nur sporadisch auf und halten allenfalls mal einen Ritualtanz ab, verständigen sich jedoch in akzentfreiem Deutsch, was durchaus zur Erheiterung beiträgt. Ansonsten wird ab und an etwas Situationskomik geboten, zuweilen haften dem Treiben einige groteske Züge an, etwa bei einem Streit unter Publikum im Linienbus oder als Sergei Beeren ist und danach vorbeifahrende Autos wahrnimmt oder plötzlich zwei bekannte Figuren trifft. Allerdings bleiben richtige Knaller außen vor, obgleich die Grundstimmung durchgehend heiter und beschwingt ist.
Leider konzentriert sich die Erzählung zu sehr auf den Rosenkrieg, welcher irgendwann in Form von Pfeilschüssen und Anwendung von Wurfgeschossen eskaliert, anstatt die eigentlich prekäre Situation der Gestrandeten ein wenig auf die Spitze zu treiben. Auch diverse Klischees von Kannibalen bleiben ungenutzt, obgleich hier viel Raum für etwas Ironie gewesen wäre.
In Sachen Action bekommt man immerhin ein paar 3D-Effekte geliefert und auch die Kulisse der Insel wird zumeist überzeugend fotografiert, zumal ein tiefer Abgrund angemessen zur Geltung kommt und auch diverse Pfeilflüge elegant eingefangen wurden.
Den beiden Darstellern ist bei alledem nichts vorzuwerfen, da sie zwar stets ein wenig drüber performen, ihre halbwegs tauglichen Charaktere jedoch mit Leben füllen.
Auch die musikalische Untermalung findet stets die passende Melodie und die wenigen CGI fallen überzeugend aus.
Größtes Manko bleibt die allgemeine Harmlosigkeit, da die Situation eben nie wirklich ausufert.
Entsprechend sollte man kein knallhartes Abenteuer mit Blutvergießen erwarten, da einerseits die Menschenfresser zu oberflächlich eingebunden werden und andererseits nie fiese oder gar boshafte Gags bemüht werden. Spannend gerät die Chose allenfalls in Ansätzen, so dass man bei der Komödie fast von familientauglichem Stoff sprechen könnte, da eine FSK16 selbst für den Anblick von ein paar Schrumpfköpfen ziemlich drüber ist.
Der latent heitere Grundton reißt zwar einiges raus, in Anbetracht des verlorenen Potentials allerdings auch nur eine vorsichtige Empfehlung für alle, die es zwischendurch mal ein wenig heiter mögen.
Knapp
6 von 10