Review
von Leimbacher-Mario
Potpourri an B-Movie-Ideen
„Trancers“ schmeißt uns alles was er hat mit Anlauf entgegen. Ja, auch den berühmten „Kitchen Sink“. Wie ein wildes Experiment, in dem man versucht mit möglichst günstigen und geringen Mitteln so viele Hits wie man finden kann in den Mixer zu werfen. Wird schon irgendwie schmecken, werden wir schon irgendwie hinbekommen. Full Moon eben... Es geht um einen harten Cop bzw. Kopfgeldjäger aus der Zukunft, dessen Erzfeind in die 80er Jahre zurückreist. Da muss unser Antiheld mit dem markanten Namen Jack Deth natürlich hinterher, denn der entflohene Schwerverbrecher kann willensschwache Leute durch Anstarren (!) hypnotisieren und in reißerische Zombies verwandeln...
Satte fünf Fortsetzungen hat „Trancers“ über die Jahre bekommen. Das ist alle Ehre wert und spricht für einen harten Kern an Fans, bei denen dieses Original hier wohl gut Eindruck geschindet haben muss. Erst recht in der Hochzeit der Videotheken und VHS-Grabbeltische. Ich wäre damals sicher ebenso entzückt gewesen, doch er lief mir ehrlich gesagt erst jetzt über den Weg. Schade. Doch auch so gefällt diese Hatz durch die Zeit und in die Nähe des schlechten Geschmacks. Einige Sets und allgemein der Look und die Ausstattung haben tolle Ansätze, die neonfarbene Beleuchtung hat es mir besonders angetan. Zudem ist der Smoothie an All-Star-B-Ideen natürlich nicht nur gewagt, sondern auch weitestgehend unterhaltsam und bunt genug. Und obendrauf gibt es einen süßen Auftritt der damals noch extrem jungen Helen Hunt als Love Interest und Tim Thomerson mimt den eiskalten Jäger und Timecop absolut passend, sehenswert lässig und überzogen. Kann man nur mögen. Wenn man genau hinguckt, stellen sich selbst über die knappen 75 Minuten einige Längen ein, echte Höhepunkt fehlen, wohl auch budgetbedingt, und alles wirkt eher wie ein B-Movie-Best Of der trashigen 80s, bestehend aus fast nur Füllmaterial, Atmosphäre und Gerede. Das extrem banale und unterkühlte Finale, in dem der Bösewicht nur von einem Dach fällt und ihm locker in den Hals gepikst wird, spricht da Bände. Eher wirkt das wie ein (solider) Auftakt einer Fernsehserie von damals. In seinen besten Momenten fühlt man sich aber in eine andere, unschuldigere Zeit versetzt - die der Wühlkisten und des VHS-Domino, der Laserdiscs und Indizierungen, der Van Dammes und Seagals.
Fazit: gewollt aber nicht (ganz) gekonnt? Ja schon. Aber ich mag ihn trotzdem. Billig aber leidenschaftlich. Blöd aber cool. Abgekupfert aber doch eigen. „Trancers“ ist ein B-Movie wie er im 80er-Almanach steht. Eine abstruse Kreuzung aus „Blade Runner“, „Demolition Man“ und „Terminator“, jedoch mit nur einem Bruchteil von deren Budget oder Können. Kurz, knackig, knallig. Und dem völlig überforderten Vorläufer der „Bullet Time“ aus „Matrix“ und „Max Payne“.