So ziemlich jeder kennt diese Situation: Mann und Frau begegnen sich auf offener Straße, beide schenken sich ein flüchtiges Lächeln und ziehen aneinander vorbei. Augenblicke die schnell vergehen, ohne das eine Seite die Initiative ergreift um in ein Gespräch zu kommen. Der animierte Kurzfilm "Im Flug erobert" greift sich diese Ausgangssituation und schafft eine weitere Gelegenheit, die mit Witz und Charme ausgefüllt wird.
Der Disney-Kurzfilm im Vorprogramm von "Ralph reichts" bezaubert durch seinen Retro-Look und die liebevolle Gestaltung von Figuren und Umgebung. Bis auf das Lippenstift-Rot sind die Bilder in einem Spiel der Grautöne gehalten und erwecken so den Eindruck einer tristen Großstadtstimmung, in die die Liebe wie ein Wirbelwind Einzug hält.
Obwohl kein Ton gesagt wird, lernen wir die Hauptfigur des hoffnungslos Verliebten durch seine teils ungeschickten und doch ideenreichen Einfälle kennen und lieben. Papierflieger sollen die erneut gesichtete, jedoch zunächst physisch unerreichbare Angebetete auf ihn Aufmerksam machen. Zunächst gelingt das natürlich nicht und die daraus entstehenden Situationen erweisen sich als witzige Nummernrevue. Später entwickeln die Papierflieger jedoch ein Eigenleben und die Geschichte kommt, wie erwartet, zu einem positiven Abschluss.
In einer kalten und gefühllosen gesellschaftlichen Welt, die immer mehr Oberhand nimmt, trifft "Im Flug erobert" den Nerv der Zeit. Der Kurzfilm ist süß und herzerwärmend, einerseits durch seine zart gezeichneten Figuren, andererseits durch die Motivation, unter der diese agieren. Die traditionelle Animation vermischt mit Computeranimation erzeugt eine stimmungsvolle Atmosphäre. Nur die Klänge dazu hätten noch etwas mehr Feingefühl vertragen.
8 / 10