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Ashton Kutcher spielt Steve Jobs, der zusammen mit einem Freund, dem Tüftler Steve Wozniak, 1976 die Computerfirma Apple gründet. Getrieben von der Idee, dass später jeder Haushalt über einen eigenen Computer verfügen soll, wird Jobs Unternehmen, das zunächst aus einer Garage heraus agiert, immer größer und größer. Dumm nur, dass die Unternehmensführung die Visionen des Gründers nicht teilt, sich gegen seine überteuerte Produktentwicklung stemmt und zunehmend seinen Führungsstil bemängelt.

Steve Jobs war eines der prominentesten Gesichter des digitalen Zeitalters, er gründete das zuletzt wertvollste Unternehmen der Welt und schuf einen Hype um eine Marke, der seinesgleichen sucht. Am visionären, ehrgeizigen Entwickler und Manager, der mit seinem Führungsstil vielfach aneckte, der aus seinem eigenen Unternehmen verdrängt wurde, nur um mit einer noch größeren Machtfülle zurückzukehren, scheiden sich bis heute die Geister. Wie man aus einem derart kontroversen Thema einen mutigen Film macht, der sich nicht vor eigenen Interpretationen scheut, zeigten Aaron Sorkin und Danny Boyle 2015 mit ihrer Verfilmung „Steve Jobs“. Darin gelang es hervorragend, anhand dreier ausgewählter Produktpräsentationen viel über Jobs und sein Unternehmen auszusagen. „Jobs - Die Erfolgsstory von Steve Jobs“, der keine zwei Jahre nach dem Tod des Apple-Gründers und damit früher als das Konkurrenzprodukt erschien, orientiert sich dagegen stark an der Biographie von Jobs, zeichnet seine wichtigsten Stationen chronologisch nach, geht also weit weniger ins Risiko. Herausgekommen ist dabei ein solider Film, der mit Boyles mehrfach Oscar-nominierten Werk aber bei Weitem nicht mithalten kann.

„Jobs“ beginnt mit dem Studienabbruch seines Protagonisten, verwendet viel Laufzeit auf die Unternehmensgründung, den Aufstieg der Technik-Ikone und die anschließende Entmachtung bei Apple, deutet Jobs Zeit bei Next, sein Engagement bei Pixar nur an und widmet sich danach noch einmal seinem Comeback bei Apple, mit dem er sein siechendes Unternehmen zum wertvollsten der Welt machte. Das Privatleben von Jobs steht dagegen kaum im Fokus. Einiges davon ist bekannt, die Erzählstruktur nicht allzu innovativ, dafür aber unterhaltsam und durchaus interessant. In der Konsequenz ist genau das dabei herausgekommen, was bei der von Regisseur Joshua Michael Stern gewählten Machart zu erwarten war: Der Film plätschert nur selten vor sich hin, ist aber auch nicht wirklich packend, er liefert nichts Neues und das vermittelte Bild von Steve Jobs entspricht in etwa dem allseits bekannten.

Der deutsche Verweistitel „Die Erfolgsstory von Steve Jobs“ ist dabei eher unglücklich gewählt, weil man dem Film nicht vorwerfen kann, er glorifiziere seine Hauptfigur und dessen Unternehmen, wenngleich Stern nicht so hart mit Jobs ins Gericht geht wie Sorkin und Boyle. Jobs wird nicht nur als großer Visionär gefeiert, er wird auch als berechnend und vom Ehrgeiz zerfressen, als arrogant und unnachgiebig dargestellt, als jemand, den man nicht als seinen Chef haben wollte. Ashton Kutcher, nicht zu Unrecht als schauspielerisches Leichtgewicht verschrien und vermutlich wegen seiner Ähnlichkeit mit Jobs besetzt, trägt erfreulicherweise dazu bei, ein differenziertes Bild seiner Figur zu zeichnen und zeigt eine seiner besten darstellerischen Leistungen. Vor allem seine temperamentvollen Ansprachen, bei denen er die richtige Mischung aus Überzeugungskraft und Überheblichkeit trifft, überzeugen auf ganzer Linie. Aber den kitschigen, pathetischen Abgang hätte sich Stern schenken können.

Fazit:
Anders als Danny Boyle bei dessen Jobs-Verfilmung geht Regisseur Stern bei „Jobs - Die Erfolgsstory von Steve Jobs“ keinerlei Risiken ein, erzählt die Geschichte von Jobs und Apple chronologisch und detailgetreu ohne anzuecken oder eine eigene Interpretation zu riskieren. Dennoch ist sein Film interessant und unterhaltsam, das Bild, das von Jobs gezeichnet wird, - nicht zuletzt dank der überzeugenden Vorstellung von Ashton Kutcher - durchaus differenziert. Ein solider Film, der dennoch auf ewig im Schatten der später erschienenen Verfilmung von 2015 stehen wird.

60 %

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