Nicht erst seit M. Night Shyamalan gibt es Geschichtenerzähler, deren Werke bestenfalls mit einem unerwarteten Paukenschlag enden und den Zuschauer mit so etwas wie ratloser Begeisterung zurücklassen. Regieneuling David Mun versucht mit seinem Debüt eine vergleichbare Richtung einzuschlagen, doch eine recht ähnliche gelagerte Auflösung gab es leider bereits einige Male vor "House of Good and Evil".
Nach der Fehlgeburt von Maggie (Rachel Marie Lewis) ziehen sie und ihr Mann Chris (Christian Oliver) von der Großstadt aufs Land mitten in die Einöde und Kilometer von der nächsten Stadt entfernt, um ihrer Ehe eine letzte Chance zu geben. Da Chris als Feuerwehrmann häufig für einige Tage außer Haus ist, wendet sich Maggie an ihre zurückgezogen lebende Nachbarin (Marietta Marich), deren Mann ebenfalls als Feuerwehrmann tätig ist und ähnlich wie Chris schon mal zu Wutausbrüchen neigt...
Der Einstieg fällt von der Figureneinführung her ein wenig dürftig aus, ist allerdings aus einem interessanten Blickwinkel festgehalten, denn wir sehen das Paar hinter einem Fenster als Silhouetten streiten, während die Kamera von der Straße aus filmt.
Danach kommen die beiden im geräumigen Landhaus an und erfahren vom Makler, dass es hier weder Telefonanschlüsse, noch Internet gibt, der Handyempfang zu wünschen übrig lässt und Strom von einem Generator im Schuppen kommt. Verständlicherweise ist Maggie zunächst ein wenig geschockt, doch Chris wirkt beinahe euphorisch.
Letztgenannter fährt allerdings keine Sympathien ein, denn der Mann kommt überaus launisch rüber, neigt trotz gutem Zureden dazu, sich zu betrinken und reagiert daraufhin noch unberechenbarer. Doch auch Maggie scheint seit ihrer Fehlgeburt psychische Probleme zu haben, was sich im Verlauf des Geschehens zusehends manifestiert.
Was wie typischer Haunted House Grusel beginnt, lässt in Sachen Spuk und Effekte jedoch lange auf sich warten, denn bis auf ein aufflackerndes Kaminfeuer und Babygekreische mit viel Hall ist über weite Teile nicht viel mehr auszumachen. Nur das Telefon nebenan klingelt ständig, obgleich es gar keinen Anschluss gibt und Maggie versucht die Nachbarin zu kontaktieren, was ihr jedoch erst recht spät gelingt, da die alte Dame aus Furcht vor ihrem Mann den Kontakt zu Maggie heimlich aufzubauen versucht.
Letztlich ist man jedoch zu lange allein mit Hauptfigur Maggie, was nicht sonderlich viel Abwechslung zutage fördert, da sich die Ereignisse lediglich wiederholen. Immer wieder das Telefon, dann schneit zwischenzeitlich ein genervter Chris herein und es gibt erneut Zoff, während sich im letzten Drittel Hinweise auf eine mögliche Auflösung mehren.
Diese wartet immerhin mit zwei Überraschungen auf, von denen die erste durchaus punktet, während die zweite zumindest im Kontext des Gesamtkonzepts schlüssig ist.
Dass der Gesamteindruck dennoch nicht übermäßig berauschend ausfällt, liegt an der zu ausladenden Laufzeit von 108 Minuten und dem damit verbundenen Leerlauf, der sich immer wieder, vor allem im Mittelteil ergibt. Die Location einer ehemaligen Gesamtschule ist zwar ganz okay, die Kameraerfahrung von Regisseur David Mun macht sich ebenfalls positiv bemerkbar und auch Rachel Marie Lewis meistert die facettenreiche Hauptrolle über weite Teile souverän, doch am Ende reicht ein einigermaßen durchdachter Twist nicht aus, wenn davor schlicht zu wenig Potential zum Mitfiebern und Rätseln gegeben ist.
Genrefans sollten demnach ein wenig Geduld mitbringen, ansonsten dürfte der Ausflug ins Haus des Gutbösen ein wenig behäbig anmuten.
5,5 von 10