Review

Almost Carpenter, Almost Nice

Indiefilme haben immer meine Sympathie. Genrefilme sind meine Welt. Carpenter vielleicht neben Hitchcock & Kubrick mein Lieblingsregisseur, mein Guilty Pleasure unter den Besten der Besten. Da hat ein sehr an den Altmeister angelehnter Low-Budget-Sci-Fi-Slasher wie "Almost Human", der sogar unter dem Radar der meisten Genre-Festivals flog, natürlich einen Extrastein im Brett. Aber selbst persönliche Vorlieben etwas auf Seite geschoben, ist "Almost Human" noch ein eindrucksvolles Regie-Debüt, spürbar von einem Fan für Fans. Das man durchaus dem Genre & meinen genannten filmischen Interessen nicht abgewandt sein sollte, um diesem C-Movie genug abgewinnen zu können, versteht sich fast von selbst...

Es geht um einen Mann, der vor den Augen eines Kumpels & seiner Freundin, anscheinend von Außerirdischen hochgebeamt & entführt wurde. Nun taucht er, wie der Titel schon vermuten lässt, nicht mehr ganz so harmlos menschlich, nach Jahren wieder in der Kleinstadt auf, um eine blutige Spur der Verwüstung, des Schleims & der Opfer zu hinterlassen... Eine kleine & weitestgehend feine Kombi aus Backwood-Slasher & "The Thing", die zwar nie wirklich spannend wird, durch einen coolen Style, die extrem kurzweilige Laufzeit & blutige Effekten trotzdem gehörig unterhalten kann. Nicht allzu hohe Erwartungen helfen vielleicht. Kein Genre-Meisterwerk & schneller vergessen als der schlechteste Film, den Carpenter je gedreht hat, aber sicher eine Bereicherung für einen Abend, an dem sonst eher filmisch tote Hose gewesen wäre.

Der Film beginnt stimmungsvoll, hat ein ebenso (rot-)spritziges Finale, dazwischen leider einige unübersehbare Hänger. Die Darsteller könnte man fast als Laien bezeichnen & schaffen zu keiner Sekunde eine Beziehung zu uns Zuschauern aufzubauen, das extrem simple Script trägt noch weniger dazu bei. Manche Dialoge oder emotional Ausbrüche wirken dadurch entweder steif, gequält oder im besten Fall sogar noch unfreiwillig trashig/lustig. Wenn es um die Kills geht, geht der Film dagegen zum Glück absolut humorlos vor, selbst wenn er nie wirklich splattrig wird. Trotzdem gibt es Ekel, Matsch, Gedärme & coole Alien-Befruchtungstentakel - also alles was das Herz des Genrefans sich wünscht. Der grieselige Stil & die Retro-Synthie-Musik (wieder mal), passen hier perfekt & unterstützen die schmutzig-spaßige Atmosphäre. Viele Anspielungen auf die Klassiker & ein knallhartes, rundes, ungewohnt unoffenes & ziemlich plötzliches Ende, gefallen mir zudem. Viele Details also auf der Habenseite, die wirklich wichtigen Punkte (Story, Darsteller, Spannung) etwas hergeschenkt & vernachlässigt. 

Fazit: Almost eine gute Hommage an die goldenen Genre-Zeiten der 80er - Das Ding aus einem anderen Filmzeitalter sozusagen. Ich freue mich jedenfalls sehr auf den neuen Film des Regisseurs ("The Mind's Eye") & traue ihm noch Einiges zu. "Almost Human" ist eine stylische Verbeugung & Fingerübung, das Warm-Up & die erste Visitenkarte - flach aber sympathisch. 

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