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Nach Django dürfte er eine der bekanntesten Gestalten unter den schießwütigen Helden des Italowestern sein: Sartana.
„Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ geht auch direkt in medias res, wenn in Goldgräber City einige Übelwichte einen alten Goldsucher nebst Gehilfen wegputzen. Doch Titelheld Sartana (Gianni Garko) ist direkt zur Stelle und knipst die Fieslinge aus, natürlich nicht ohne flotten Spruch und Mitnahme ihres Geldes. Denn wenn man bei Sartana von einem Helden spricht, dann im Sinne des Italowesterns: Ein rauer, skrupelloser Bursche, der für Geld und Prinzipien über Leichen geht.
In der Stadt erfährt man, dass der Ermordete sein Land habe verkaufen wollen. Die Interessenten reden von wertlosem Sandgelände, doch dafür würde wohl kaum jemand töten. Also mischt sich auch Sartana in die Verhandlungen ein...

„Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ ist ein simpler, aber sehr unterhaltsamer Vertreter des Italowesterns. Die Story kennt man zur Genüge, wenn der Held nach und nach sämtliche Übelwichte des Kaffs provoziert, um sie unter die Erde zu schicken. Dabei wirken die einzelnen Mordversuche etwas episodenhaft, der Streit um das Land ist eher ein roter Faden, doch es ist soviel los in „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“, dass dies gar nicht auffällt. So ist Kurzweil gegeben, wenngleich Sartana stellenweise schon etwas zu übermächtig erscheint, denn aus der Ruhe oder ernsthaft in Gefahr scheint er nie zu kommen.
Mag die Geschichte nicht unbedingt einfallsreich sein, so lebt Sartana von seinen Figuren. Neben der wehrhaften Nichte des Ermordeten wären da noch der chinesische Casinobesitzer, ein kultiviert tuender Oberbösewichte von Bankier sowie eine Bilderbuchhorde von Handlanger. Am interessantesten ist jedoch Sartana selbst, der illustre Gimmicks mit sich führt: Als Wurfgeschoss einsetzbare Spielkarten, eine Uhr mit verlängerbarer Kette, ein Minirevolver etc. Gerade durch diese Spielereien hebt sich „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ von anderen Italowestern ab und schafft es, das Zuschauerinteresse noch weiter zu wecken.
Den epischen Charakter eines Sergio Leone will man mit diesem Film freilich nicht erreichen, also setzt man auf Action und Humor. Ersteres findet sich in diversen Konfrontationen, die sehr abwechslungsreich daherkommen: Ein scheiternder Hinterhalt mit fallenden Baustellen, ein Shoot-Out in einer Scheune, Verfolgungsjagd auf eine Kutsche etc. Dabei geizt man nicht mit modernen Actionfällen, z.B. wenn Sartana sich mittels Flaschenzug zum Scheunendach hieven lässt, und auch sonst ist die Action sehr flott inszeniert.

Zum Comedyfaktor von „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ trägt vor allem die deutsche Synchro bei, wenngleich diverse Szenen des Films eh schon witzig angelegt sind (vor allem die mit dem Casinobesitzer). Die Synchro legt Sartana aber stets flotte Sprüche in den Mund, selten etwas unpassend (z.B. wenn er von seinem Leben in Bayern witzelt), meist jedoch zum Brüllen. Wenn Sartana z.B. einen Handlanger niederschlägt, so kommentiert er dies: „Jetzt hast du ein Loch im Bart, aber deine Plomben kriegen wieder Luft.“
Gianni Garko bringt den lockeren, gut gelaunten Titelhelden auch wirklich sehr gut rüber und schafft es sowohl witzig als auch erbarmungslos zur gleichen Zeit zu wirken, was den besonderen Reiz seines Schauspiels ausmacht. Der Rest der Darsteller ist ebenfalls ganz gut, muss aber teilweise sehr klischeehafte Rollen verkörpern. Gerade George Wang als besagter Casinobesitzer muss beinahe jedes Chinesenklischee bedienen, das zu der Zeit herrschte.

„Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ mag zwar eine eher simple Story haben, doch mit Action, flotten Sprüchen und illustren Figuren besitzt er einigen Drive. Die Hauptfigur ist zwar teilweise etwas zu cool für diese Welt, doch für 7,5 Punkte meinerseits reicht es aus.

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