Hollywoodremakes sind immer so eine Sache. Besonders dann, wenn das Thema erst wenige Jahre alt ist und der Regisseur des Originals sich quasi selbst remaken soll. „The Vanishing“ ist so ein Exemplar. Da George Sluizer mit seinem Psychothriller in Niederlande für Aufsehen gesorgt hatte, durfte er die gleiche Geschichte mit Topstars noch mal erzählen. Warum? Um aus einer guten Idee noch mehr Kohle zu machen!
Optisch und inszenatorisch macht der Film bis zum Finale eher den Eindruck eines TV-Films mit Starbesetzung. Auf der anderen Seite muss der Film aber sowieso von seinen Schauspielern leben und die hieven das nicht sonderlich geglückte Remake dann knapp auf Durchschnitt. Der Horror spielt sich fast ausschließlich in den Köpfen der Zuschauer ab. Sie ahnen, dass Barney Cousins (Jeff Bridges), als er im Wald, wie auch bei seiner Tochter einen Haltegriff im Auto erprobt, etwas Böses tun wird. Es ist keinesfalls ein offensichtlicher Psychopath sondern Vater wie Lehrer und führt ein unauffälliges Dasein, dass dank einer schwerwiegenden Erfahrung in seiner Kindheit nicht ganz so verläuft wie es soll.
Um seine eigene Vollkommenheit zu erlangen, rettet er nicht nur einem kleinen Kind das Leben – und wird damit für seine Tochter zum Held – sondern will auch den Tod betrachten, einen Menschen töten. Trotz offensichtlichen Zögerns gelingt es ihm Jeff Harimans (Kiefer Sutherland) Freundin Diane (Sandra Bullock) auf einer Autobahngaststätte zu kidnappen und zu natürlich auch zu töten. Da das Paar vorher einen Streit hatte, ist die Sache für die Polizei klar. Sie ließ ihn sitzen.
Doch Jeff glaubt nicht daran und sieht sich in ein tiefes, seelisches Loch fallen. Er verliert seinen Job, reist mittellos und kann sich letztlich nur durch einen Rettungsanker am Leben halten. Die Suche nach seiner Frau. Die Beziehung zu einer neuen Frau ist eher Schein als Sein, denn in Wirklichkeit kann er die Suche nicht aufgeben. Doch als er es tut, nimmt der Killer mit ihm Kontakt auf.
Bis dahin ist „The Vanishing“ fast mehr Drama als Thriller, zeichnet sehr ausführlich seine Figuren und zeigt einmal mehr, dass „Monster“ unter uns leben, die völlig verschobene Wertvorstellungen haben. Was dem Film dabei fehlt ist die letzte Konsequenz, der Kniff warum ich mir das anschauen sollte. Hier sind viel zu viele Längen platziert, in denen einfach nichts passiert. Weder kommt Jeff auf die richtige Spur, noch gerät das Leben von Barney ins Wanken.
So ist dann die plötzliche Kontaktaufnahme auch nicht die Überraschung, die sie eigentlich sein sollte. Barney Motivation ist genauso dürftig (Du bist mir ebenbürtig..) wie seine Erklärungen, während Jeff quasi blindlings, von der Besessenheit getrieben, was mit seiner Freundin geschah, in sein offensichtliches Verderben rennt. Hier macht das Remake zu viele Zugeständnisse, um wirklich eiskalt, böse und pessimistisch zu sein. Dadurch werden die Charaktere zum Ende hin immer unglaubwürdiger und treffen in einem Finale aufeinander, das man ebenso gut in einem zweitklassigen Horrorfilm mit Psychokiller verfrachten könnte.
Fazit:
Obwohl Jeff Bridges mitunter sehr am Overacting kratzt, ist er hier noch die schillerndste Figur. Schade, dass bei seinem Charakter zwar viel angedeutet, aber nichts zwingend umgesetzt wird (Man erinnere sich an die Szenen mit seiner Tochter in der Hütte). Sutherland ist solide, hat zu dieser Zeit aber bessere Rollen bekommen, während Sandra Bullock sowieso nur Beilage ist. Trotz der interessanten Ausgangssituation kann „The Vanishing“ nie so reicht greifen und spannend werden. Zu zäh wird erzählt, zu unglaubwürdig die Wendungen und zu langweilig die Inszenierung.