Review

„Spurlos“ ist George Sluizers eigenes Remake seines kleinen Thrillers „Spurlos verschwunden“ – hier allerdings mit Hollywood-Budget.
Der Collegeprofessor Barney Cousins (Jeff Bridges) hat zwar eine Familie und ein geordnetes Leben, doch scheint er den besonderen Nervenkitzel zu suchen, denn er übt für eine Entführung. Damit fängt „Spurlos“ an sich recht interessant an, denn man erfährt nur wenig über Barney und dabei überhaupt nichts darüber, warum er eigentlich jemanden entführen will. Zudem zeigt der Film Barney genaue Planung dieser Tat (Wirkungsdauer des Chloroform usw.).
Das junge Paar Diane Shaver (Sandra Bullock) und Jeff Harriman (Kiefer Sutherland) macht derweil eine Urlaubsreise mit dem Auto, bei der sie sich zwar auch mal streiten, aber man ganz klar sieht, dass sich die beiden wirklich lieben. Doch an einer Tankstelle passiert der absolute Horror für Jeff: Diane verschwindet spurlos. Der Zuschauer kann sich in Verbindung mit dem Anfang des Films zwar schon denken, was passiert ist, aber „Spurlos“ stellt Jeffs Angst glaubhaft dar.

Selbst einige Jahre später hat Jeff seine verzweifelte Suche nach Diane nicht aufgegeben und ist daran beinahe zerbrochen. Auch als er die nette Kellnerin Rita Baker (Nancy Travis) kennen lernt und sich allmählich in sie verliebt, kann er sich nur schwer von Diane lösen. Da tritt Barney auf einmal an ihn heran und bietet ihm an die Wahrheit über ihr Verschwinden zu erfahren...
„Spurlos“ hält sich von der Story her recht eng an das Original, verändert aber ausgerechnet den außergewöhnlichsten Punkt der Original-Geschichte: Das Ende. Denn hier trumpfte das Original mit einer bösen Pointe auf, die wirklich originell und ungewöhnlich war, während im Remake ein eher dröges Ende der typischen Hollywood-Art präsentiert wird, was zumindest für den Kenner des Originals enttäuschend wirkt.
Ansonsten ist die Geschichte gar nicht mal schlecht, denn sie kann ihre Figuren recht glaubhaft zeichnen. So stechen zum einen Jeffs große Liebe, welche sich in seiner verzweifelten Suche niederschlägt, so wie Barneys Motive, die erst langsam, aber durchaus glaubhaft erklärt werden, ins Auge und können den Zuschauer fesseln. Auch die Endphase kann einige ziemlich spannende Passagen bieten, auch wenn sie deutlich konventioneller als das Original ausfällt, wie bereits gesagt.

Leider verfügt der Film auch über einige Längen, welche vor allem in der ersten Hälfte die Spannung immer wieder gegen null tendieren lassen. Die Beziehung zwischen Jeff und Rita wird etwas zu ausgewalzt behandelt, wobei vor allem der Gesichtspunkt, dass Rita die verzweifelte Suche Jeffs nicht versteht, zu oft zur Sprache kommt. So gewinnt der Film erst in der zweiten Hälfte den nötigen Drive, was dann für einen Topthriller einfach viel zu spät ist und der Film so im Genre nicht herausstechen kann.
Kiefer Sutherland spielt seine Rolle wirklich sehr gut, aber Jeff Bridges braucht sich auch nicht zu verstecken. Sandra Bullock und Nancy Travis agieren ebenfalls ziemlich überzeugend und auch die Nebendarsteller sind durch die Bank weg ordentlich.

Trotz einiger spannender Szenen und guter Charakterzeichnung hat „Spurlos“ einfach zu viele Längen um mehr als ein passabler Thriller unter vielen zu sein.

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