Review

Als Italo-Regisseur Luigi Cozzi („Astaron – Die Brut des Schreckens“) 1978 – ein Jahr, nachdem die Weltraum-Seifenoper „Star Wars“ Rekorde brach – vor Schreck eine Espresso-Überdosis erlitt, der er mit LSD-Konsum entgegenzuwirken versuchte, entstand mit „Star Trash“, pardon, „Star Crash – Sterne im Duell“, ein tolldreister Plagiatsversuch à la Italiano in US-amerikanisch-italienischer Koproduktion.

Die Zukunft oder so, irgendwo in den unendlichen Weiten des Alls in einer fernen Galaxie: Count Zarth Arn (Joe Spinell, „Maniac“) ist böse, der Emperor (Christopher Plummer, „Dolores“, „Insider“) und sein Sohn Simon (David Hasselhoff, „Knight Rider“, „Baywatch“) sind gut, Stella Star (Caroline Munro, „Maniac“) und Akton (Marjoe Gortner, „Erdbeben“) sind intergalaktische Schmuggler, aber eigentlich auch gut und helfen dem Emperor dabei, Zarth Arn das Handwerk zu legen. So oder so ähnlich die Geschichte, die der Handlung zugrunde liegt, die aber eigentlich auch völlig nebensächlich ist.

Denn dank zahlreicher Wendungen und immer neuer Einfälle eines fragmentarisch und zusammengepuzzelt wirkenden Drehbuchs kommt schon bald eh niemand mehr mit und einen höheren Zweck als eine Alibi-Funktion erfüllt die Geschichte ohnehin nicht. Sie hält lose zusammen, was Cozzi und sein Team aus anderen Science-Fiction-Filmen, vorrangig offensichtlich „Star Wars“, zusammengeklaut und dilettantisch plagiiert haben. Daraus entstand aber die wahnwitzigste Weltraumfarce, die ich jemals gesehen habe! Hier folgt eine absurde Idee auf die nächste, ähnlich einem hyperaktiven Kind, werden ausgiebig mehrere Jahrzehnte Science-Fiction-Kino fast wie in einer selbstironischen Fan-Hommage zelebriert und alles in kunterbunte Farben getaucht – „Star Crash“ ist keine Space-Opera, „Star Crash“ ist eine Space-Disco! Sterne funkeln in den schönsten Farben, die herrlichen Raumschiffskonstruktionen schimmern auch schon mal im Regenbogenspektrum, die Kulissen wechseln übergangslos nicht nur von Weltall zu Raumschiff-Innenansichten, sondern auch zu Wäldern, Wüsten, Stränden, Höhlen ..., und die Darstellerriege wirkt äußerlich, als trete sie bereits Ende der 70er für die gleichgeschlechtliche Liebe ein. Plankton, pardon, Akton und „The Hoff“ haben offensichtlich denselben Friseur, wobei Gortner als irgendwie alleskönnender, aber immer erst damit herausrückender, wenn es fast zu spät ist, Akton unter seiner blondwuchernden Lockenpracht so herrlich dumm aus der Wäsche guckt, dass man ihm spontan ein paar Ohrfeigen verabreichen möchte, während man bei Hasselhoff übermäßig vom Schminktopf gebrauch machte. Das wiederum ist aber noch harmlos gegen Spinell als möchtegernfinsterer Zarth Arn, der in seinem extravaganten Fummel und ebenfalls unter spacigem Schminkeinfluss fast aus der „Rocky Horror Picture Show“ entsprungen sein könnte. David Hasselhoff kommt in einer seiner ersten Rollen erst relativ spät zum Einsatz, nämlich als er Stella Star aus den Fängen primitiver Urzeitmenschen befreien muss, bekam aber einige denkwürdige Szenen auf den Leib geschneidert. Unvergessen beispielsweise, wie er Stella auffordert, dicht hinter ihm zu bleiben, während er sie gleichzeitig in einer gefährlichen Situation vorschiebt. Ja, so lieben wir unseren Schaumschläger.

Auch wenn Christopher Plummer als weiser Emperor mit von der Sause ist, bleibt er doch vollkommen emotionslos und blass, ja, wirkt beinahe konsterniert, als würde ihm bewusst, worauf er sich da eigentlich eingelassen hat. Star des Films ist jemand vollkommen anderer, nämlich Caroline Munro als Stella Star! In den heißesten Fummeln kämpft sich das ehemalige Bond-Girl durch diverse Galaxien, verdreht dem Publikum den Kopf und offenbart dabei trotz sicherlich eher eingeschränktem schauspielerischen Talent solch eine wahnsinnige Spielfreude, dass man sie dafür knuddeln möchte! Egal, ob sie gerade ein Raumschiff steuert, Zwangsarbeit verrichtet, gegen nicht minder knapp bekleidete Amazonen kämpft oder zum Eisklotz gefriert, Caroline macht und hat stets eine Top-Figur und rettet selbst den verzweifeltsten, dem Nervenzusammenbruch oder epileptischem Anfall nahen Sci-Fi-Nerd der sich für seriös haltenden Sorte als Augenschmaus über die komplette Distanz, ist die fleischgewordene Belohnung für den Mut, den „Sternen im Duell“ beizuwohnen.

Während die Munro also zu jedem Zeitpunkt motiviert bis in die Haarspitzen scheint, pendelt die übrige Besetzung doch stark zwischen den Polen Under- und Overacting. Akton z.B. ist mal ein fideler Springinsfeld, doch schon in der nächsten Einstellung kann es wirken, als würde er bald einschlafen. Bei den mächtigen Herren Zarth Arn und Emperor wiederum wurde das Adrenalin so ungerecht verteilt, dass Spinell an Theatralik wenig zu wünschen übrig lässt, man Plummer aber offensichtlich unter Valium setzen musste, um ihn zur Teilnahme zu überreden. Noch offensichtlicher allerdings sind die Timing-Probleme des Films. So kommt es, dass mal Hektik grassiert und die Szenerie hoffnungslos überfrachtet wirkt, nur um seine Schützlinge ein paar Einstellungen später entspannt im Schneckentempo agieren zu lassen, als ginge es um etwas wesentlich Unwichtigeres als die Rettung des Alls. Zudem wurden viele Weltall-Sequenzen, in denen die „prächtigen“ Modellbauten zum Einsatz kommen sowie actionreiche Kampfszenen unheimlich in die Länge gezogen, indem dieselben Einstellungen immer und immer wieder hintereinander abgespult werden. Aber irgendwie muss der Streifen schließlich auf seine Länge kommen.

So ist es eigentlich auch müßig zu erwähnen, dass das Science-Fiction-Technik-Gequatsche ebenso sinnlos, naiv und hanebüchen klingt wie sämtliche Regeln der Physik und welche Naturwissenschaften sonst noch für eine Geschichte wie diese von Belang wären, geflissentlich ignoriert und als unnötiger Ballast über Bord geworfen werden. Der obligatorische quasselnde Roboter ist übrigens schlicht ein Mensch im Roboterkostüm, der sich wie vieles verhält, nur nie wie ein Roboter. Nein, Sinn ergibt das alles hinten und vorne nicht, was ob des immensen Unterhaltungsfaktors aber auch vollkommen überflüssig erscheint. Zuviel Sorgfalt in dieser Hinsicht hätte den Trashgrad nur unnötig gefährdet, ebenso wie ein höheres Budget, dem die grandiose Improvisationskunst, was die gesamte Ausstattung betrifft, zum Opfer gefallen wäre. So muss eine Lavalampe in Nahaufnahme als hochgefährliche Waffe herhalten, werden einfache Stöcke zu prähistorischen Laserspeeren oder ähnlichem Unfug und wird generell die Phantasie des Zuschauers angeregt, der fast wie bei Ed Wood mit „symbolischen Effekten“ umzugehen versuchen muss. Bei allem Dilettantismus, allen Fehlern, aller Unlogik und allem Ideenklau sind es aber Cozzis (vermutlich) eigene Einfälle, die jeden Vogel respektive Raumgleiter abschießen. Stellvertretend für all den Irrsinn möchte ich nur die „bemannten Torpedos“ erwähnen, die durch die Fenster der handförmigen Raumstation Zarth Arns schießen, aus denen dann wackere Soldaten steigen, die sich von Angesicht zu Angesicht verlustreiche Gefechte mit den „Legionen“ des Counts liefern. Wer nicht spätestens an dieser Stelle sein Hirn gegen die Wand schmeißt, hat nie eines besessen.

Es gilt schlicht: Hirn ausschalten und sich ungläubig die Äuglein reiben, während Cozzi, Munro und Co. zum Tanz in der intergalaktischen Laser-Lightshow-Disco laden, zu dem sich kein Trashologe lange bitten lassen wird. „Star Crash“ spielt in der obersten Trash-Liga, unterhaltsamer kann „Star Wars“ da gar nicht sein, den ich übrigens bis heute noch nicht gesehen habe. Wie in den 80ern beispielsweise „Paco – Kampfmaschine des Todes“ eine wunderbare unfreiwillige Parodie auf „Terminator“ und Co. war, ist „Star Crash“ vermutlich selbiges auf „Star Wars“, wenngleich mit einem noch höherem Brüllfaktor versehen. Schade, dass anscheinend die deutsche DVD nichts taugt, denn so billig der Film auch ist, auf seine spezielle Weise ist er ein opulentes visuelles Erlebnis, dem man sich im Idealfall inklusive der sich dem allgemeinen Niveau anpassenden deutschen Synchronisation (die Akton auch schon mal zum Bauchredner macht – obwohl, der kann ja ohnehin so gut wie alles...) auf großer Kinoleinwand hingibt – wie ich es erst kürzlich im Rahmen einer Wiederaufführung im vollbesetzten Kinosaal durfte, der sich in die reinste Party verwandelte.

Wie bewertet man nun eine solche Sause? Ich versuche es wie folgt:

Unterhaltungsfaktor: 10/10
Um cineastische Objektivität bemüht: 3/10
Ergibt zusammengezählt und durch 2 geteilt 6,5 Punkte, die mathematisch korrekt auf 7/10 aufgerundet werden.

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