Mit Warlock erschien nun nach längerer Wartezeit ein Film in ungekürzter Fassung, den ich schon seit meiner Kindheit bewunderte, und der wirklich schwer vollständig zu bekommen war. Doch wie das so ist mit Filmen, die einen in der Jugend gefesselt haben: sie verlieren ein wenig an Glanz.
Regisseur Miner hat in seiner Karriere nicht unbedingt als jemand gearbeitet, der besonders viele eigenständige Werke geschaffen hat, war eher der verlässliche Mann für passable und vermarktbare Fortsetzungen, siehe z.B. Freitag der 13., Teil 2.
Auf den allerersten Blick scheint Warlock eine dieser Ausnahmen zu sein: es geht um einen Hexenmeister, der die Schöpfung umkehren mag und einen zotteligen Nasenmann, der alles dran hängt, ihn aufzuhalten. Durch einen Zufall geraten sie vom Mittelalter ins Amerika der liebenswerten Spät-Achtziger.
Und wen trifft man da: na klar, Lori Singer, von der sich offenbar einst viele Kerle eingeredet haben, sie wäre hübsch...
Tatsächlich handelt es sich um einen recht unverschämten Terminator-Abklatsch, zumindest zu Beginn, der seine Energie mit dem Jäger und dem Gejagten aus einer anderen Zeit gewinnt.
Die wirklich positiven Aspekte des Films sind zum einen die recht souveräne und atmosphärische Arbeit Miners, zweitens der stets sehenswerte Julian Sands, der sich barfuss als Teufelsvertreter fast etwas hilflos in der neuen Welt austoben will, und drittens der Aspekt, welcher mich als Kiddo so beeindruckt hat: es gibt Hexen, Zauberei und Bannsprüche, wie man sie in einen Erwachsenenfilm sonst nicht sieht.
Nicht zu übersehen sind jedoch die negativen Aspekte des Films: Die Atmosphäre hält nicht bis zum schwachen Ende durch, der Darsteller des Helden ist wirklich nicht sympathisch und insgesamt ist der Film für einen Erwachsenen viel zu harmlos!
Wer sich mit der uncut-Fassung große Neuerungen und heftige Szenen erhofft, macht einen Griff ins Klo!
Der Film versucht, nachdem er das Tempo und die Szenerie eines Terminator doch klar nicht mithalten kann, zum ultra-simplen Halloweenmovie für die Kids zu werden, was ihm traurigerweise auch gelingt.
Hervorheben möchte ich die Szene mit der Amish-Familie: der Warlock hat sich in einem hohen Gebälk verschanzt und der Amisch-Opa hilft dem nervigen Helden, dem herumfliegenden Julian Sands etwas Blut abzuknöpfen - eine Winzszene, aus der man ruhig noch mehr hätte machen können.
Fazit: Der Film ist weit davon entfernt, ein Klassiker zu werden, wirkt stellenweise recht albern und kann sich nicht zwischen Horror und komödienhaften Hingaben ans damalige Kino entscheiden. Sehenswert, aber nicht anbetungswürdig.