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Bradley Cooper spielt einen Holzproduzenten, der während der großen Depression in North Carolina Wälder abholzen lässt, die unter Naturschutz gestellt werden sollen. Während er sich einiger illegaler Tricks bedient, um dies zu verhindern, lernt er die junge Serena, gespielt von Jennifer Lawrence, kennen, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Die beiden werden ein Paar und leiten die Holzproduktion von nun an Hand in Hand, bis die Idylle schließlich zerstört wird.

Nach „American Hustle“ und „Silver Linings“ bestreitet das Duo Jennifer Lawrence und Bradley Cooper hier mit „Serena“ die nunmehr dritte Zusammenarbeit. Die ersten beiden wurden, wenngleich sie von den Kritikern allzu sehr gefeiert wurden, mit Oscar-Nominierungen förmlich überschüttet. Das wird „Serena“ aber eher nicht passieren, wenngleich die Romanverfilmung zunächst durchaus vielversprechend beginnt.

„Serena“ entführt den Zuschauer in die Zeit der Großen Depression, in die Tiefen der Wälder North Carolinas, wo die Waldarbeiter und Waldarbeiterinnen hart für ihren niedrigen Lohn schuften, tagtäglich ihr Leben bei der riskanten Arbeit aufs Spiel setzen. Dabei überzeugt der Film von Susanne Bier, die zuletzt in Dänemark „In einer besseren Welt“ und „Love Is All You Need“ inszenierte, durch einen interessanten, realistischen Einblick in den Alltag der Arbeiter und ihres Chefs, der zunächst engagiert und sympathisch erscheint, zunehmend aber auch als eiskalter, berechnender Geschäftsmann konstruiert wird.

Dann lernt er Serena kennen, die ihn sofort fasziniert. Bier hält sich mit der Annäherung der beiden aber nicht weiter auf, eine Romanze ist „Serena“ definitiv nicht. Stattdessen beschäftigt sie sich bei weiterhin gemächlichem Erzähltempo mit den Konflikten der starken, souverän auftretenden Frau mit dem Teilhaber ihres Mannes, der das Unternehmen gern verkaufen würde, um finanziell Kapital aus seinem Anteil schlagen zu können. Dabei bleibt der Film trotz des niedrigen Tempos weiterhin durchaus unterhaltsam, weil die Konflikte zwischen den Unternehmern, dem örtlichen Sheriff und einigen Anwohnern, die den Wald gern zum Naturschutzgebiet erklären würden, weiter vertieft werden. Spannung erzeugt dabei besonders die zunehmend offene Konfrontation zwischen dem Protagonisten und seinem Teilhaber, die ein jähes Ende nimmt. Als die schwangere Serena dann ihr Kind verliert, nachdem sie einem Arbeiter das Leben gerettet hat, treibt Bier Spannung und Dramatik auf ein zwischenzeitliches Hoch.

Dumm nur, dass dann noch eine zweite Filmhälfte folgt, in der „Serena“ zunehmend abbaut. Nach dem Tod des Kindes und der Nachricht, dass sie keine weiteren mehr bekommen kann, verändert sich „Serena“, die zuvor emotional gefestigte Frau handelt immer irrationaler und beginnt in ihrer Verbitterung Hassgefühle für das uneheliche Kind ihres Mannes zu entwickeln. Das kommt, trotz der Umstände, sehr abrupt und ist erst einmal nicht weiter nachvollziehbar. Das ist auch deshalb der Fall, weil man aus Serena nicht mehr schlau wird. Sie erklärt sich ihrem Mann nicht, ihr Gefühlsleben, das durchaus interessant gewesen wäre, wird nicht weiter thematisiert, der Fokus ruht weiterhin allein auf ihrem Mann. Hier verschläft es Bier leider, diese immens wichtige Perspektive auf Serenas Innenleben zu eröffnen, sodass man permanent den Eindruck gewinnt, dass etwas Relevantes außer Acht gelassen wird bzw. unverständlich bleibt. Stattdessen flüchtet sich Bier immer mehr in die düstern Aufnahmen der nebeligen Wälder, die aber nicht wirklich zu einer Verdichtung der Atmosphäre beitragen können. Damit vermag es „Serena“ dann auch nicht mehr emotional zu fesseln, was aufgrund des weiterhin sehr gesetzten Erzähltempos für eine sehr langatmige zweite Filmhälfte sorgt, obwohl sich Bier nach Kräften bemüht, Spannung und Dramatik auf die Spitze zu treiben.

Auch das Finale, bei dem der Protagonist schließlich eine folgenschwere Entscheidung treffen muss, nimmt so nicht mehr an Fahrt auf, woraufhin das Geschehen ein sehr abruptes Ende nimmt. Immerhin gelingt es Bier von Anfang bis Ende sehr gut, nicht zu moralisieren und in jederlei Hinsicht eine neutrale Position zu beziehen, von der aus sich der Zuschauer selbst ein Urteil bilden kann. Sehr gut sind auch die Darsteller, bei Jennifer Lawrence und Bradley Cooper kann man ja mittlerweile durchaus von gewohnt guten Leistungen sprechen, wobei besonders Cooper seiner vielschichtig konstruierten Figur voll und ganz gerecht wird. Lobend sind aber auch die Nebendarsteller zu erwähnen, allen voran Toby Jones als Sheriff.

Fazit:
„Serena“ überzeugt vor allem anfangs mit einem realistischen Einblick in den harten Alltag der Holzarbeiter im North Carolina der 1930er. Die zahlreichen Konflikte, die der Protagonist mit seinem Teilhaber und Naturschützern vor Ort auszutragen hat, sorgen ebenso für gelungene Unterhaltung wie die guten Darstellerleistungen und die vielschichtige Konstruktion der Hauptfigur. Dann baut der Film aber zunehmend ab und packt emotional kaum noch, weil die Perspektive Serenas nicht aufgegriffen wird und ihre Handlungen kaum noch nachvollzogen werden können. Angesichts der langsamen Erzählweise bietet der Film, der durchaus Potential gehabt hätte, leider zum Ende hin nur noch gepflegte Langeweile. Je stärker Bier das Geschehen dabei zu dramatisieren versucht, desto weniger reißt es mit.

57 %

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