Review

Bisweilen sind die DVD-Wühlkisten doch gewissermaßen Schatztruhen, denn was ich hier um 3 Euro erstanden habe, ist so schlecht nicht.
Susan Streitfelds Frauenportrait hat einen sehr eigenwilligen Erzählstil, der mitunter ans Avantgardistische heranreicht, aber dennoch reißt einen die Geschichte durchaus mit, auch wenn man als Mann sicher nicht alles sofort nachvollziehen kann. Man(n) läßt sich also erzählen und schaut sich das an.
Im Konkreten geht es um zwei Schwestern, von denen die eine "neurotisch-kompulsiv" ist und eine klassische Karriere-Tussi, die nichts so aus der Bahn wirft, wie die Tatsache, daß eine andere Frau ihre Lippenstiftmarke verwendet. In Beziehungssachen ist sie mindestens so bizarr und liebt Männer wie Frauen gleichermaßen, aber auch gleichermaßen nicht, denn in ihrer Vergangenheit gibt es dunkle Punkte (in symbolischen Sequenzen dargestellt), die sie von ihren Partnern ablenkt, trennt.
Diese teilt sie mit ihrer Schwester, die aber das genaue Gegenteil von ihr ist: ungeschminkt, leger gekleidet, in einem Kaff in einer merkwürdigen Frauenwohngemeinschaft wohnend und an einer wissenschaftlichen Karriere scheiternd, ist sie vorbestrafte Kleptomanin.
Der Plot verdichtet sich, als Eve, die Tussi, einen Richterposten bekommen soll, während ihre Schwester gleichzeitig für Ladendiebstahl verhaftet wird. Eve verteidigt ihre Schwester Maddie eher widerwillig und glaubt, daß ihr der Gouverneur den Richterposten aufgrund all dieser Unerfreulichkeiten nicht geben wird (was sich aber als falsche Befürchtung herausstellt). Das macht Maddie wütend und es kommt zu einer Art Showdown, in dem die Schwestern versuchen, den dunklen familiären Störungen und ihren eigenen auf den Grund zu gehen.
Positiv zu vermerken ist dabei, daß nicht ganz deutlich wird, was es genau war. Der offensichtliche Mißbrauch war es nicht, es bleibt symbolisch. Wahrscheinlich ist es eher ein Mutterkonflikt, denn die Szenen verdichten sich zum Schluß, es kommt eine Venus von Willendorf-artige Gestalt in Eves Tagträumen vor und als Ende führt die sehr burschikose Tochter einer der Wohngemeinschaftsfrauen Eve zu ihrem "Friedhof der ungeborenen Kinder", in dem sie jeden Monat ihr Menstruationsblut bestattet.
Hier wird es dann allerdings ein bißchen abgedreht und man(n) kann nicht mehr unbedingt folgen, was aber dem Genuß des Filmes wenig Abbruch tut.
Interessant ist auch rein formal die Tatsache, daß Männer tatsächlich ausschließlich minimale Nebenrollen haben und auch der Hauptteil der Crew aus Frauen bestand, bis auf sonst eher weibliche Jobs wie Schnitt usw., die hier Männer erledigten.
Insofern also ein "Frauenfilm" der anderen (und besseren) Art, dessen Klasse hauptsächlich von der augezeichneten Tilda Swinton getragen wird....und ein paar Kringeln ihres Schamhaars! 'Tschuldigung!

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