Review

Weirdo-Satano-Sleaze!
Escalofrio (= Schauder / Schüttelfrost) ist eine überraschende kleine Perle der spanischen 70er-Gruselküche. Mitregisseur J.P. Simon zeigt hiermit seinen Erstling. Er ist kein Unbekannter, drehte er doch später kleine Klassiker wie Pieces und Slugs.

Anna und Andreas, ein frisches Ehepaar, treffen unterwegs auf ein anderes Paar, das sie anscheinend von früher kennen. Man beschließt, bei einem Glas Wein im Haus des offensichtlich freundlichen Paares über alte Zeiten zu plaudern. Bald dämmert es den jungen Eheleuten jedoch, daß etwas nicht stimmen kann. Es war ein Fehler, sich in das fremde Haus zu begeben... denn die Gastgeber sind hundefressende Teufelsbeschwörer!

Und da wirds dann strange und seeehr entertaining! Startet der Film im eher gemächlichen Tempo, entwickelt sich die absolut unvorhersehbare Handlung zum Ende hin in eine echte Tour de Force.
Eingeleitet wird das Geschehen von einer an sich schon obskuren, pseudowissenschaftlichen Einleitung eines Experten für Okkultismus (?). Der Hauptteil findet dann in der creepy Villa statt. Hier punktet Schock mit düsterem Dekor und klassischem Horror-Interieur.
Höhepunkte sind natürlich die Schwarzen Messe und die Séance. Denn das wirkt logischerweise alles schön europäisch-schmutzig; nicht wie in ähnlich gelagerten US-Streifen kitschig-clean.
Post-Franco produziert, ist Schock auch ziemlich freizügig. Der gezeigte "Satanismus" wirkt dann auch wie eine Mischung aus der hippiesken 60er Freie-Liebe-Bewegung & Church of Satan (Tu was Du willst) und dem typischen, christlich geprägten Gut/Böse-Dualismus.
Hier verläßt der Film dann zeitweise auch das Terrain einer stringenten, logischen Erzählweise. Wir sehen beide Paare in der schwarzen Messe, es wird aber nicht klar, ob Anna und Andreas sich daran erinnern können, bzw. ob es nur ein Traum war. Die Hausherrin erleidet während des Rituals auch einen Herzanfall, was aber nicht weiter beunruhigt!
Die Inszenierung ist konstant distanziert im Sinne eines (Alp)Traums -  Mystery, Spuk und Psychothrill in einer ungefilterten, unzensierten Mélange. Dabei schaffen es die Macher fast komplett, ihre story vom Trash fernzuhalten - trotz einiger recht bekloppter Dialoge.

Der Film lebt von seiner durchgehend schaurig-seltsamen Atmosphäre und zeigt sich in Aufbau und Verlauf extrem eigenwillig. Ich finde da sogar einen winzigen Hauch Polanski wieder, speziell im recht schockierenden Finale.
Für mich ein echtes Highlight des spanischen Sleaze-Horrors! 8/10

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