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Ein kompletter Film in einer Telefonzelle. Nette Idee, aber wohl kein ernster Film oder? Doch, Joel Schumacher versucht es und hat ziemlichen Erfolg.

Die ersten Minuten des Film finden noch auf offener Straße statt, die Hauptperson Stu läuft, mit seinem Assistenten und mindestens 3 Handys durch New York und wird porträtiert als ein ziemlich großes Arschloch. Manipuliert und intrigiert wo es nur geht, belügt seine Frau und seine Geliebte, verarscht seinen Assi. Dann geht er in eine Telefonzelle, um seine Geliebte anzurufen, doch er wird selbst angerufen, von einer geheimnisvollen Stimme, die behauptet, alles vom ihm zu wissen und ihn läutern zu wollen.

Diese spannende Ausgangssituation setzt vor allem eins voraus. Einen guten Darsteller. Colin Farrell trägt den Film zu mindestens 95%. Überzeugende Leistung von ihm. Sein Gegner, gespielt von Kiefer Sutherland, ist nur als Stimme präsent, kommt aber ziemlich gut rüber. Forest Whitaker als Polizist dagegen ist verdammt dröge und hat mich in den wenigen Szenen, die er hatte, ziemlich genervt. Ansonsten sind die Frauen nur Beiwerk, Farrell ist wie gesagt der Mittelpunkt.

Schumacher benutzt ein filmisches Mittel bis zum Exzess, das Bild im Bild. Mir hat das gut gefallen, allerdings drängt sich so manchem der Eindruck eines Werbespots auf. Zusätzlich hat er den Film durch den Farbfilter laufen lassen und etwas entkoloriert (wie bei Private Ryan). Geschmackssache.

Wenn man sich den Film mal genauer anschaut, kommt die Frage auf, wer eigentlich der Gute und wer der Böse ist. Stu ist, wie schon gesagt, ein Arschloch erster Güte, kann er die Bezugsperson sein? Eher nicht, allerdings ist sein Gegner noch verlogener, schließlich erschießt er Menschen und reitet gleichzeitig auf Ehre und Wahrheit herum. Ich mochte jedenfalls den Killer lieber als Stu. Dieser gesteht zwar so ziemlich alles, was er getan hat, trotzdem muss man ihn für sein vorheriges Verhalten hassen. Moralisch sind auf jeden Fall beide fraglich.

Der Schluss wirkt dann leider wieder sehr überkonstruiert, unwillkürlich fragt man sich, wie das denn überhaupt möglich sein kann. Hier bekommt man übrigens ein einziges Mal Sutherland wirklich zu Gesicht, was schade ist. Grade ihn hätte ich vorher gerne mehr gesehen, was aber evtl. die Spannung verdorben hätte. So bleibt der Gedanke ans konstruierte Ende hängen, seis drum.

Netter Streifen den Joel Schumacher da vorlegt, nicht perfekt, aber dank eines guten Farrell und der tollen Stimme von Sutherland (auch in der Synchro) gute Unterhaltung. Tolle Interaktion der beiden. Man sollte noch anmerken, dass inklusive Abspann nur 77 Minuten vergehen, etwas arg wenig. Vielleicht ist dem guten Joel da das Budget ausgegangen.

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