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Viele Filmemacher, (Drehbuchautoren, Regisseure etc.), in und um Hollywood haben sich diese Frage bestimmt schon sehr oft gestellt. Wie produziert man mit einem geringem Budget und wenig Aufwand einen absoluten Kassenschlager? Wie erzeugt man, wenn es sich wie bei "Nicht auflegen" um einen Thriller/Krimi handelt, die komplette Spieldauer über Hochspannung, so dass der Zuschauer nicht einmal die Pausetaste drücken möchte? Die Lösung liegt direkt auf der Hand. Man nehme einfach ein paar junge, aufstrebende Schauspieler, deren Gage auch dementsprechend verhältnismäßig angesiedelt ist, mit Ausnahme von Kiefer Sutherland, der zur Drehzeit ja schon kein unbeschriebenes Blatt mehr war, aber auch praktisch nur eine Minirolle inne hat, dazu ein halbwegs intelligentes Skript, das natürlich innovativ sein sollte und zudem Spannungerzeugungspotential aufweist und zu guter letzt lässt man den Streifen dann die gesamte Spieldauer über vor einer einzigen Kulisse spielen. Dosiert man das Ganze richtig ist der Rest ein Selbstläufer. Der allesentscheidende Faktor ist meiner Ansicht nach das Drehen vor nur einer Kulisse. Hört sich vielleicht langweilig und wenig abwechslungsreich an, hat aber exakt den Gegeneffekt. Mittel, an denen sich schon Hitchcock vor 60 Jahren in seinem Klassiker "Cocktail für eine Leiche" bedient hat, können heute nicht schlecht sein. Zumal die Grundidee zu diesem Film ja vom großen Hitchcock höchstpersönlich stammt, der diese Idee aber zu seiner Zeit nie auf die Leinwand bringen konnte, da es zu viele Zweifler gab, die nicht an den Film glaubten. Schön doof, denn ein Hitchcock hätte vielleicht noch ein winzig kleines bisschen mehr Thrill aus dem Skript rauskitzeln können als ein Joel Schumacher. Aber ein modernes Meisterwerk ist der Film auch so geworden. Nun zum informativen Teil.

Stu Shepard ist ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse. Er ist ein PR-Mann der seine Kollegen schikaniert, jeden Menschen eiskalt anlügt mit dem er in Kontakt tritt nur um sich selbst was gutes zu tun und zu guter letzt betrügt er seine Frau und seine Geliebte, denn beide wissen nichts voneinander. Jeden Tag geht Stu während der Arbeitszeit in eine New Yorker Telefonzelle um von dort seine Geliebte anzurufen. Dies sollte Stu's Schicksal sein. Als er eines Tages in dieser besagten Telefonzelle steht klingelt das Telefon. Stu nimmt automatisch den Hörer ab. Am andern Ende der Leitung sitzt ein wahnsinniger, der ein Scharfschützengewehr auf Stu gerichtet hat. Das Spiel ist ganz einfach. Legt Stu auf, ist er ein toter Mann..........

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Das würde denen, die diesen Film noch nicht gesehen haben, die Vorfreude nehmen. Was den Spannungsbogen so verdammt hoch hält ist wahrscheinlich auch die kurze Spieldauer. Sie gewährt einem praktisch keine Zeit zum verschnaufen. Mit einer Gesamtlänge von ca 80 min. wurde nur das Nötigste in diesen Streifen hineingepackt und unnütze, uninteressante Nebeninformationen Gott sei dank weggelassen. Nicht auflegen hält ein sehr hohes Tempo. Direkt nach der Einleitung, die geschätzte 10 Minuten dauert, gehts dann auch schon los. Langeweile oder langwierige Stellen fallen somit komplett weg und man hält den Betrachter geschickt auf Trab. Die Darsteller tragen ihren Teil auch dazu bei. Colin Farrell spielt wirklich sehr überzeugend und dem ganzen Rest wie Forest Whitaker, Katie Holmes, Kiefer Sutherland usw. wird aufgrund ihrer Charaktere nicht wirklich viel abverlangt, was aber nicht bedeutet, dass sie schlecht sind.

Fazit: Was bleibt also unter dem Strich? Ein gelungener Thriller wäre eindeutig nicht angemessen. Ich lehne mich da ein bisschen weiter aus dem Fenster und sage: Ein genialer Thriller. Dieser Film zeigt und belehrt uns, dass die einfachen Storys immer noch die besten sind. Es werden einfachste und älteste Mittel angewendet wie man Spannung erzeugt und mehr erwartet man sich doch auch von einem Thriller nicht. Ganz großes Tennis. Oder Kino.

"Ist das nicht komisch? Man hört ein Telefon klingeln, es könnte jeder sein. Und ein klingelndes Telefon muss man abheben, nicht wahr?"

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