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Colin Farrell spielt einen arroganten New Yorker Medienagenten, der mit Lügen und Betrug seine windigen Geschäfte führt und neben seiner Frau eine Geliebte, gespielt von Katie Holmes, hat. Als er schließlich in einer Telefonzelle einen Hörer abhebt und sich ein Attentäter meldet, der ihn töten will, wenn er auflegt, beginnt ein psychologisches Katz-und-Maus Spiel, dass Farrell nur gewinnen kann, wenn er sich all seine Sünden eingesteht.

Schon Alfred Hitchcock hatte die Idee, einen Film in einer einzigen Telefonzelle spielen zu lassen und Joel Schumacher griff die Idee nach Jahren auf. 2003 realisierte Joel Schumacher schließlich das Projekt und liefert einen der besten Thriller seit der Jahrtausendwende. Dabei hat die Idee, einen Film auf engstem Raum ablaufen zu lassen den Nachteil, dass Regisseur und Darsteller stark gefordert werden, da man weder auf größere Action-Szenen, noch auf Kulissenwechsel zurückgreifen kann, um zu unterhalten. Aber alle Beteiligten lösen diese Aufgabe hervorragend.

Colin Farrell spielte schon in "Tigerland" unter der Regie von Schumacher und war zum Zeitpunkt von "Nicht auflegen!" mit Rollen in "Das Tribunal" und "Minority Report" gerade auf dem aufsteigenden Ast. Und mit "Nicht auflegen" brachte er die bis dato beste Leistung seiner Karriere. Anfangs stellt er den aufgeblasenen Yuppie stark dar und macht einen perfekt unsympathischen Eindruck. Beim Katz-und-Maus Spiel mit dem Attentäter zieht er dann zunehmen die Sympathie des Zuschauers auf sich und bekommt den Zustand der Angst und der Nervosität perfekt auf die Leinwand, bis er zum Ende hin seine charakterliche 180°-Wendung abrundet und als selbstloser Sympath überzeugen kann. Mit Hauptrollen in Blockbustern wie "Alexander" und "Daredevil" ging es mit Farrell überaus erfolgreich weiter. Forest Whitaker ist als Polizist und Unterhändler ebenfalls stark und mit kleineren Nebenrollen von Katie Holmes und Kiefer Sutherland wird der Cast abgerundet. Die deutsche Synchronstimme von Sutherland wäre noch lobend zu erwähnen, da er mit seiner ruhigen und gelassenen, aber dennoch diabolischen Stimmlage und dem richtigen Tonfall zu dem überzeugenden psychologischen Duell mit Farrell beiträgt.

Von Joel Schumacher hat man ja schon einiges, Durchwachsenens gesehen. Von wirklich starken Thrillern wie "Die Jury", "8mm" und "Flatliners", über Mittelmäßiges wie "Tigerland" bis hin zu miserablen Schrottfilmen, die ihresgleichen suchen, wie z.B. die beiden verkorksten Batman-Teile, "Batman und Robin" und "Batman Forever". "Nicht auflegen!" ist eine seiner mit Abstand besten Arbeiten und überzeugt auf ganzer Linie. Obwohl der Film mehr oder weniger komplett in einer Telefonzelle spielt, kann er mit schnellen Einstellungen und einer atemberaubenden Kameraführung einen hohen Schauwert erreichen. Darüber hinaus entpuppt es sich als hervorragende Idee, den Film in Echtzeit ablaufen zu lassen, da der Spannungsbogen so noch höher wird. Um das hohe Tempo halten zu können, blendet Schumacher die wichtigsten Nebenschauplätze einfach ein und kann so konstant an Tempo zulegen.

Die Dialoge zwischen Farrell, der mit aller Macht versucht sich aus der Situation zu winden und dem Killer, der erreichen will, dass sich Farrell all seine Sünden eingesteht sind klasse, teilweise vielschichtig und in jedem Fall ausgefeilt und temporeich und erhöhen darüber hinaus die Tiefe der beiden Hauptfiguren. Schumacher bringt diese Gespräche hervorragend auf die Leinwand und lässt seinem brillianten Hauptdarsteller damit noch mehr Spielraum, um sein Können unter Beweis zu stellen. Von Anfang bis Ende bleibt die Handlung außerhalb der konventionellen Handlungsbahnen Hollywoods und kann so an Spannung und Tempo immer weiter zunehmen, auch wenn der Beigeschmack einer gewissen Kurzweiligkeit dabei immer stärker wird. Aber diese Kurzweiligkeit und die stellenweise vielleicht zu rasante Inszenierung sind die einzigen Schwachpunkte, die man dem Film vorwerfen kann.

Ansonsten beruft sich Schumacher auf die klassischen Elemente des Spannungskinos und rundet mit diesen seinen gelungenen Film ab. Im Hintergrund ist die ganze Zeit über zunehmend schneller werdende Spannungsmusik zu hören, die das Tempo noch einmal zusätzlich beschleunigt. Mit ein paar gezielten Schockmomenten und einer, zum bersten gespannten Atmosphäre hält Schumacher die Bedrohung, die vom Killer ausgeht permanent aufrecht, sodass die Gefahr förmlich in der Luft liegt.

Fazit:
"Nicht auflegen!" ist ein rundum gelungener Thriller mit einer innovativen Story, brillierenden Darstellern, allen voran Colin Farrell, und einer enorm temporeichen, spannenden Inszenierung von Joel Schumacher, die von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und das geniale Katz-und-Maus Spiel perfekt auf die Leinwand bringt und so erstklassige, wenn auch kurzweilige Unterhaltung bietet.

86%

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