Nach Erfolgen wie "Der Klient" (1994), "Die Jury" (1996) oder "8MM - Acht Millimeter" (1999) schaffte es Joel Schumacher dieses Jahr mal wieder, mich in einen seiner Filme ins Kino zu locken. Dessen neueste Mache sollte laut Previews also an nur einem Ort spielen, und zwar in einer Telefonzelle. Da das ganze verknüpft mit einem Thriller sein sollte, wurde der Film für mich interessant und beschloss, ihn mir auf Leinwand anzusehen!
Die Story des Thrillers ist eigentlich sehr einfach: Stu Shepard, vielbeschäftigter Medienagent, spielt mit Hilfe seines Assistenten Menschen gegenseitig auf. Als er in eine Telefonzelle einsteigt, um seine Geliebte anzurufen, verändert sich sein Leben von der einen Sekunde auf die andere: Normalerweise wollte ihn seine Geliebte zurückrufen, jedoch ruft sie ihn nicht an, sondern ein Sniper, der, wie sich später rausstellt, in einem der vielen Bürogebäude sich versteckt und mit einem Scharfschützengewehr auf ihn zielt. Er verlangt von ihm, dass er die Lügen aus seiner Welt schafft und somit seiner Frau sagt, dass er fremdgeht. Ein nervenzerreißender Thriller beginnt...
Bevor ich jetzt mit der Kritik weitermache, möcht ich euch noch ein paar Hintergrundinfos liefern:
Larry Cohen, Drehbuchautor des Films "Nicht auflegen!", sagt zu der Idee des Films folgendes:
"Seit 20 Jahren versuche ich mir vorzustellen, wie man einen Film drehen kann, der in einer Telefonzelle spielt". "Das ist ein einzigartiger Ort für eine Falle mitten in der Stadt, umgeben von Tausenden von Menschen. Ich suchte also eine Geschichte, in der es unmöglich ist, aus einer Telefonzelle herauszukommen. Sie würde wie ein gläserner Sarg sein. Jeder kann dich sehen, aber niemand weiß, dass du in dieser Zelle terrorisiert wirst. Sie ist die absolute Falle." Immer wieder, während seiner langjährigen Karriere als erfolgreicher Drehbuchautor und Regisseur kam ihm immer wieder die Idee, bis er vor ca. 3 Jahren schließlich die Lösung fand: "Ich dachte, ich stelle einfach einen Heckenschützen in ein Fenster und den Typ in eine Telefonzelle. Dann bringe ich seine Frau und die Freundin ins Spiel, lass' einen Mord geschehen und füge die Polizei hinzu. All diese Einfälle sprudelten plötzlich aus mir heraus, und schließlich konnte ich das Drehbuch in weniger als einer Woche vollenden."
Diese Vorstellung verwirklichte Cohen in Zusammenarbeit mit dem für ihn "perfekte Regisseur für diesen Film". Nachdem sich mehrere Darsteller, u.a. Jim Carry, für den Posten des Stu Shepard beworben hatten, bekam schließlich Collin Farrel nach seiner ersten erfolgreichen Zusammenarbeit mit Joel Schumacher in Tigerland die Rolle, und meisterte diese schauspielerisch gesehen echt spitzenmäßig. Als zentrale Hauptfigur des Films mit einem Übermaß an Redeanteil zeigt Farrell eine spitzenmäßige Darstellung auf der Leinwand. Vor allem die Wandlung des coolen, harten Geschäftsmann zum zerbrechlichen, "armseligen, normalen Menschen bringt Farrell immer wieder perfekt rüber. Vor allem wie er sich zeigt als er total verzweifelt ist, zeichnet sich ihn als Schauspieler heraus. Auch die Rolle des Anrufkillers, gespielt von Kiefer Sutherland, der als unsichtbarer Gegner fungiert, wirkt sehr überzeugend, auch wenn er kein schauspielerisches Können aufweisen muss. Forest Whitaker, der den Einsatzleiter für den Polizeieinsatz im Film spielt, zeigt sich in seiner Nebenrolle auch überzeugend, und macht einen guten Eindruck. Die Nebenrollen Von Katie Holmes und Radha Mitchell sind derartig klein, dass sie nicht erwähnenswert sind.
Die erzeugte Spannung, die von Anfang an anhält, vergrößert sich im Laufe des Films, vor allem durch den ersten Mord und später durch den Schuss auf das Spielzeug immer mehr. Oder natürlich allein die ganze perfekte Konstruktion, der Bedrohung des Anrufers gegenüber Stu, fand ich perfekt. Seine Telefonleitung war natürlich umgeleitet, und die Ungewissheit der Polizei ob Stu der Killer des Zuhälters ist oder nicht, v.a. dadurch dass der Anrufer vorher noch eine Pistole in der Telefonzelle versteckt hat. Zudem kommt noch der unerwartete Schluss: Von allen wird gedacht, der von Stu am Anfang abgewiesene Pizzalieferant sei der Killer, jedoch stellt sich dann heraus dass der Anrufer den Pizzalieferanten nur zur Täuschung gekillt hat um von sich abzulenken und zu fliehen! Der Schluss, als nicht klar wird, wer nun auf Stu schießt, kann als Höhepunkt des Thrillers angesehen werden, gilt aber genauso gut gleich als Umschwungpunkt. Was ich auch sehr faszinierend fand, war dass der ganze Film in Echtzeit spielt, dass heißt es gibt keinerlei Zeitsprünge, der ganze Film ist ein durchgehender Ausschnitt aus Stu's Leben.
FAZIT: Ein perfekter Echtzeitthriller, der seines gleichen sucht! Geniale Verfilmung einer klasse Idee für einen Film, wie ich es noch nicht gesehen habe. Als ich aus dem Kino rausging, musste ich gleich noch mal rein, so gut fand ich den Film. Was mir vor allem gefallen hat war der extreme Wandel Stu dem Geschäftsmann zu Stu dem netten Ehemann und natürlich die durchgehend anhaltende Spannung bis zum Schluss hin. Natürlich aber auch die Idee, dass nur der Zuschauer und Stu am Schluss erfahren, wer der wirkliche Killer war. Ein Film, der es sich mal wieder lohnt, auf DVD zu besorgen!