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Alfred Hitchcock wollte so einem Film immer machen. Spannung pur auf engstem Raum, am besten in einer Telefonzelle. Das er es nie gemacht hat, hatte sicherlich seine Gründe, vielleicht war dem Altmeister des Suspense und des anspruchsvollen Spannungskinos klar, dass es unglaublich schwer ist aus so wenig Bewegungsraum einen Abendfüllenden Film zu kreieren.

Weniger schlau oder vorausschauend hat da Joel Schumacher gehandelt. der sich dieses Projektes annahm und nach einem starken Anfang zum Ende hin leider viele Möglichkeiten verspielt. Dabei beginnt es doch ungemein gut. Stu ist ein egoistisches Arschloch, der seine Frau betrügt und schaut, das er aus allem seinen Vorteil ziehen kann. Er will nur kurz telefonieren und befindet sich kurz darauf gefangen in einer Telefonzelle am hellichten Tag mitten in New York. Am anderen Ende der Leitung ist ein Mann, der ihn mit einem Scharfschützengewehr bedroht. Als ein Zuhälter erschossen wird, steht bald eine ganze Armee an Cops vor der Telefonzelle und Stu wird für den Mörder gehalten.

Aus dieser minimalen Story macht Schumacher, nach einem unnötig verspielten und tricktechnisch zwar interessanten aber überflüssigen Vorgeplänkel, einen Thriller, der zwar eine großartige Grundkonstellation besitzt aber letztlich auch an eben dieser scheitert. Die Bedrohung ist spürbar, allein schon die Stimme von Kiefer Sutherland (ihn selber sieht man nur für wenige Sekunden) sorgt dafür, das man die von Minute zu Minute größer werdende Panik in Stu nachvollziehen kann, der Mann am anderen ende der Leitung meint es ernst, bitter ernst. Bleibt nur die Frage warum ausgerechnet Stu. Und hier verzettelt sich Schumacher dann in eine fadenscheinige Erklärung, die aber so wohl keinen überzeugen kann, zumal der Heckenschütze zuvor einen Päderasten und einen Betrüger als Opfer hatte und da sollen wir nun glauben, dass es als nächstes einen Mann erwischt, der untreu ist und lügt? Sorry, aber das ist doch arg konstruiert. Auch geht in der knapp 60 minütigen Situation vieles einfach zu schnell, der Cop, gespielt von einem unauffälligen Forrest Whitaker, kommt viel zu schnell hinter die wahren gründe für Stus Verhalten und somit ist die Spannung und die zusätzlich Bedrohung durch die Cops dahin. Das ganze verkommt zu einer reinen Hinhaltetaktik, die auch die Geduld des Zuschauers strapaziert.

Irgendwo wollte Schumacher wohl zeigen, was er aus einem kleinen Budget rausholen kann, anders sind seine übertriebenen Kameraspielereien kaum zu erklären. Da gibt es immer wieder Spiltscreens, wilde Fahrten mit der Kamera, Bild im Bild Einstellungen und vieles mehr. Das schadet der Story aber eher, als das es sie voran bringt. hier wäre eine klassische Inszenierung ohne diesen ganzen Schnick-Schnack sicherlich angebrachter gewesen.
Collin Farrel spielt ordentlich, auch wenn er besonders zum Ende hin doch etwas zu sehr übertreibt, wenn er sich in einer kitschigen Rede an seine Frau wendet. Das ist schon kurz vorm Overacting. Der Rest bekommt wenig Chancen sich auszuzeichnen, Katie Holmes hat kaum Screentime und wird am Ende keines Bildes mehr gewürdigt, Whitaker hält sich extrem zurück und Sutherland kann einzig durch seine Stimme überzeugen. Das macht er dann aber auch auf ganzer Linie.

"Nicht auflegen!" ist ein nettes Experiment, das aber doch immer einen Schritt zu spät kommt. Schumacher wirkt sichtlich ambitioniert was man ihm aber auch durchaus als Übermotiviertheit auslegen kann. Ich persönlich bevorzuge den fürs TV gedrehten "Liberty stands still", der neben einer fast identischen Grundstory auch darüber hinaus noch etwas zu bieten hat. Und sei es nur eine vernünftige Erklärung und Motivation für die handelnden Personen. 5 von 10 Punkten.

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