Der arrogante Manager Stu Shepard (Colin Farrell) hebt in einer New Yorker Telefonzelle den Hörer ab und zu seiner Überraschung ist am anderen Ende der Leitung ein Sniper, der droht, ihn zu erschießen, sobald er die Zelle verlässt. Der Scharfschütze weiß zudem besser über Stus Privatleben Bescheid, als diesem lieb sein kann, doch die richtigen Probleme fangen erst an, als Stu des Mordes an einen Zuhälter beschuldigt wird und die ersten Sonderkommandos anrücken...
Ein interessantes Experiment, einem Film über die volle Laufzeit nur einen Schauplatz und einen Handlungsstrang zu geben. Bis auf den fast gänzlich unbekannten „Liberty stands still“ hat das noch niemand gewagt, was verdeutlicht, wie riskant solch ein Unternehmen ist, da sich beim Zuschauer natürlich schnell Ermüdungserscheinungen breit machen können.
Joel Schumacher umschifft diese Gefahr erstens durch die geringe Länge, so läuft der Film nicht einmal 80 Minuten, was nur geringfügig länger ist als die Folge einer TV-Serie. Zweitens wählt er einen eigenwilligen Inszenierungsstil, nutzt neben Splitscreens weitere visuellen Spielereien, die den Zuschauer bei Laune halten, manchmal aber zu gewollt auf Musikvideo getrimmt sind (Breakdancer zu Beginn).
Die Spannungskurve verläuft ohne größere Schwankungen, was bedeutet, dass man sich kaum langweilt, aber echte Höhepunkte eben rar gesät sind. Vor allem als die Polizei von der misslichen Lage Stus weiß, verläuft das eher routinemäßig, worüber selbst ein nicht zwingend notwendiger Schlussgag kaum hinwegtäuschen kann. Der Thrill stellt sich vielmehr in den ersten 45 Minuten ein, als Stu die Polizei und den Sniper als Gegner hat und jede falsche Reaktion seine letzte sein könnte. Trotzdem hat man manchmal das Gefühl, dass Stu nicht alles gibt, um seiner misslichen Lage zu entkommen und sich etwas dumm anstellt.
Es fällt übrigens nicht leicht, sich mit diesem menschlichen Arschloch (und nichts anderes ist Stu) zu identifizieren, obwohl er mit der Dauer eine charakterliche Wandlung zum Positiven hin erfährt. Gleichzeitig ist dieser Punkt durchaus diskussionswürdig, ob man einen schlechten Menschen nur unter Androhung körperlicher Gewalt zu einem besseren machen kann. Colin Farrell spielt das Ganze auf jeden Fall überzeugend, wobei man freilich bedenken muss, dass er sich am anderen Ende der Leitung ständig einen imaginären Psychopathen vorstellen musste, was bestimmt nicht leicht war.
„Nicht auflegen!“ bietet sicherlich mehr als zufriedenstellende Unterhaltungskost, schöpft sein Potential meiner Meinung nach dennoch etwas zu wenig aus. Die solide Regieleistung und gute Darsteller hinterlassen einen guten Eindruck, die Spannungskurve garantiert Kurzweil. Trotzdem hätte ein Hitchcock da mehr draus gemacht.