"Downtown - die nackten Puppen der Unterwelt", das erste gemeinsame Werk unter der Ägide Jesús Franco und Erwin C.Dietrich - zu Francos zuvor gedrehtem "Midnight Party" (1975) schuf Dietrich nur eine Fassung für den deutschen Markt - atmete noch den Geist des Aufbruchs. Drehbuchautorin Christine Lembach, die zuvor schon "Eine Armee Gretchen" (1973) für Dietrich antreten ließ, erdachte eine Story im Stil des "Film noir" mit einem abgehalfterten Privatdetektiv, der Opfer einer "Femme fatale" wird. Jesús Franco ließ es sich nicht nehmen, die Rolle des puertoricanischen Losers Al Pereira, der die Story aus dem Off zusätzlich begleitet, gleich selbst zu übernehmen. Und das seine Geliebte Lina Romay die verführerische und undurchsichtige Cynthia verkörperte, war da nur noch Formsache.
Auch das übrige Rollen-Inventar war direkt den klassischen Kriminalfilmen entnommen - vom fiesen Polizei-Inspektor Mendoza (Paul Muller), über die gar nicht so hamlose Witwe des Mordopfers Olga Ramos (Monica Swinn) bis zum blonden Gift Lola (Martine Stedil), das die Sinne des armen Detektivs, der sich nie auf der Höhe des Geschehens befindet, zusätzlich verwirrt. Dass die Story nicht im Dschungel der Großstadt spielte, sondern unter den Palmen von Honduras (im Film "Puerto Rico"), verleiht dem Ganzen den bekannt verschwitzt schwülstigen Flair, den die Combo Franco/Dietrich auch für ihren am selben Ort gedrehten Nachfolger "Frauengefängnis" (1976) nutzte, der stilbildend für eine Vielzahl weiterer Filme über gequälte Frauen in finsteren Diktaturen Südamerikas werden sollte.
Davon ist in „Downtown“ noch nichts zu sehen, in dem die Frauen alle selbstbewusst und sexuell offensiv agieren. Sehr zur Freude der Betrachter, denn ob Lina Romay beim heißen Strip im „Downtown“ auftritt oder sich im Duett mit Martine Stedil in den Laken wälzt - Francos Kamera hält immer voll drauf und zoomt sich staccatoartig Richtung Vagina. Die Grenze zur Pornografie blieb in den frühen gemeinsamen Filmen schmal, bevor sie ab „Die Marquise von Sade“ (1976) überschritten wurde, der in einer Hardcore und Softcore-Version erschien. Später traten sie wieder einen Schritt zurück, denn obwohl die erzählerische Gangart immer härter wurde, sollten die Bilder weniger explizit ausfallen.
Trotz der offensichtlichen Bemühung, eine richtige Story erzählen zu wollen, um die Nacktszenen schlüssig zu integrieren, lassen sich die Drehbuchschwächen nicht übersehen. So sehr Francos "Ernie"-Synchronstimme aus dem Off auch seine lebensgefährliche Situation beschwört, spannend wird „Downtown“ nie. Auch die Plottwists, die fast ausschließlich die Frauen betreffen, deren harmlos verführerischer Gestus sich selbstverständlich als kalte Berechnung erweist, kommen mehr gemächlich, denn überraschend daher. Aber das spielt letztlich keine Rolle in einem Film, der das ewige Spiel zwischen Männern und Frauen südländisch entspannt entfaltet und sich nicht allzu ernst nimmt – die nächste Caipirinha wartet schon an der Bar. (6/10)