Momentan habe ich gerade einen Lauf, obskure und fast vergessene Film aus meinen ältesten Horrorfilmlexika endlich durchschauen zu können und alte Lücken zu schließen.
Generell halte ich ja das gute alte „Hahn/Janssen“ von anno 1984 allmählich mehr für eine Diskussionsgrundlage, wie man es als Horrorfan eben nicht macht, aber vielleicht ist auch alles an Horror, was man ab einem bestimmten Alter sieht, nicht mehr wirklich ernst zu nehmen, weil man die Klassiker und Mechanismen schon so lange kennt.
Was „Diabolisch“ nun in diesem Lexikon gemacht hat, erschließt sich mir nicht, denn es ist weder ein Horrorfilm, noch ein richtiger Thriller und schon gar kein Giallo, eher ein bemühtes Psychodrama rund um die Grenzen der Wahrnehmung, wie sie Ende der 60er und Anfang der 70er sehr beliebt waren.
Darum geht’s: Hardy Krüger spielt einen solventen Autor, dessen erstes Herzblatt in der allerersten Szene in full frontal nudity den finalen Rettungsschock in der Badewanne bekommt, als sie mit der falschen Armatur füßelt. Wobei Badewanne die Sache profanisiert, es handelt sich mehr um ein in den Boden eingelassenes whirlpoolartiges rundes Dings von spätrömischer Dekadenz, aber das fällt auch nur mir auf, weil ich schon mal eine nackte Frau gesehen habe.
Einige Zeit später hat Hardy eine zweite Holde und die wird nun gespielt von Britt Ekland als nettes, aber intellektuell ihrem Männe gegenüber eher unterlegenes Modell, dazu zwei Dekaden jünger. Was das Wissen angeht, kann sie leider nicht mal mit Hardys zwölfjährigem Sohnemann mithalten, der eine Woche früher als erwartet im südspanischen Landhaus auftaucht. Dass in der Schule nicht wie behauptet die Windpocken ausgebrochen sind, ahnt man, als er einen Brief zerreißt, der natürlich an Daddy belegen soll, was der Tunichtgut wieder angestellt hat (neueste Übeltat: Tierquälerei und Katzenmord). Kurz darauf greift er der Britt aus der Badewanne heraus von hinter an die…Schultern, während sie mit seinem Vater telefoniert und das hat Mark Lester vermutlich sogar die Erstnennung in den Credits eingebracht.
Nun war Lester, damals ein Jugendstar, nicht eben der tiefgründigste Darsteller und entledigt sich der Unschuldsbratzenrolle mit enervierender Kackdreistigkeit, aber den latenten Psycho bekommt er ohne Augenrollen gut hin.
Wer jetzt vielleicht noch von dem berühmten Striptease gehört hat, den die Ekland hinlegt, um den kleinen Marcus dazu zu bringen, den Mord an seiner Mutter zu gestehen, ja, den gibt es dann im letzten Viertel, ehe der Film sich bescheiden dafür entscheidet, den Zuschauer komplett zu verunsichern, ob Britt nun in Gefahr ist oder nur spinnt – und das zu braucht es nur Lilli Palmer als Psychiaterin, die die Blondine mal so richtig aufmischt.
Ansonsten ist das Ding ein ziemlicher Langweiler, der gänzlich an Ekland hängt, aber leider nicht genug Drohkulisse oder Schocks aufbaut, um mich wirklich über 90 Minuten zu interessieren. Krüger schultert seine bessere Nebenrolle lässig auf die Linke, während man dem bösen Sohn halt ständig eine klatschen will, aber es passiert halt nicht viel – da noch ein böser Traum und ggf. zieht man für eine Bettszene auch mal blank, aber 1972 ist lange her und skandalöse ist was anderes. Allenfalls das kaltschnäuzige Finale kann da noch überraschen – weil da auch einmal die Kamera draufhält, wo sie sonst immer nur dezent Einrichtung und Gesichter abfilmt.
Auch dieses Ding hat seine Liebhaber, aber wirklich sexy oder „sleazy“ ist es nicht, mehr ein Zwitter aus mehreren aktuellen Modeerscheinungen dieser Zeit.
Man erwartet am Anfang alles und bekommt dann nur ein Nickerchen. (4/10)