Review

Für richtige HALO Fans ggfs. ein wenig oberflächlich, für Neulinge ein visuell ansprechender Einstieg (aber Master Chief rocks!)

Es beginnt – wie so oft in Soldatenfilmen – mit der Einberufung und dem damit einhergehenden Haare schneiden. Die muss für gewisse Generationen vergangener Jahrzehnte ein kulturelles Trauma gewesen sein. Kein Trauma ist war die Sichtung von HALO 4: FORWARD UNTO DAWN. Visuell und vom vorhanden Budget und der Ausstattung überzeugt der Film in großem Maße und die Spannungs- und Actionkurve steigt zum Ende hin kontinuierlich an. Wir haben es hier nicht mit einem Budget a la Michael Bay zu tun, aber auf B-Film Ebene ist HALO 4 durchaus in Bezug auf das Verhältnis von Aufwand und Ertrag als gelungen zu bezeichnen.

Ich erspare mir heute mal Handlungsfetzen da ich denke, dass den Film sich eh nur überwiegend Game-Insider anschauen werden. HALO 4 basiert auf dem nun schon über 10 Jahre alten Science-Fiction Ego-Shooter, der mit seiner Story des HALO Universums sicher nicht das Rad und die Logik an sich neu erfunden hat. Aber es gab immer eine konsistente und spannende Erzählebene in die man eintauchen konnte. Und der Master Chief Petty Officer John-117 ist einfach auch eine auch im Film gelungene Figur und mit ihm werden auch Erinnerungen an diverse metallene Action Heroes der 80er wach.

Sein Auftritt in einer ansprechenden Kampfszene ist würdig gelungen und im Gesamtpaket erinnert er mit ein wenig an DREDD (2012) was durchaus ein Kompliment für beide sein soll. Im Mittelteil haben wir mit vielen und nicht gerade einfallsreichen Dialogszenen zu kämpfen und man ist versucht zu sagen, dass hier das Tempo weitgehend verschleppt wurde. Aber dieser Teil ist auch notwendig für den Aufbau der Geschichte. Dafür wird in der letzten halben Stunde richtig Gas geben und Master Chief muss wirklich zeigen, was er drauf hat.

Formal stimmt auch alles in Bezug auf die Headkameras und die diversen Einblendungen. Die CGIs sind im Prinzip in Ordnung und gut, einige jedoch zeugen von entsprechenden Budgetbeschränkungen. Es gibt auch eine Reihe genretypischer Effekte wie der inflationär genutzte Einsatz von Superzeitlupe, der sich nach einigen Malen sehr erschöpft und etwas ermüdend wirkt. Der Gewaltfaktor ist nicht hoch und vieles Explizite findet eher im off statt.

Dramaturgisch schlägt man sich auch meines Erachtens anfangs einfach zu lange mit der Soldatenausbildung herum. Das kann allerdings der gute Schlussteil zum großen Teil wettmachen und die Kombination von heroischem Soundtrack und den Bildern sollte die meisten Fans überzeugen. Regisseur Stewart Hendler ist selbst eher von TV-Serien und Kurzfilmen bekannt. Er hat aber ein erfahrenes Effekte-Team mit hervorragenden Referenzen wie TRON: LEGACY, WATCHMEN und AMAZING SPIDER-MAN um sich geschart und wirklich aus dem vorhanden Budget das maximale rausgeholt.

Für Science-Fiction sollte HALO 4 visuell und von der Storyline durchaus Punkte gewinnen können. HALO 4 Gamefans vermag ich nicht pauschal einzuschätzen. Einige von denen die ich kenne waren froh, dass es nun auch ihre Welt zum anfassen gab und fanden die Umsetzung – wenn auch beiliebe nicht perfekt – durchaus gelungen. Andere sehen es sehr skeptisch und finden, dass der Film viel zu viele Kompromisse für Neulinge gemacht hat und der Mehrwert als echter Fan sehr gering ist. Entscheide Du selbst – let the game begin!

6,5/10 Punkten (mit viel HALO und SF-BONUS)

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