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Die 80er Jahre - sie wurden nachhaltig geprägt von einer ganzen Welle von Horrorfilmen, die bis in die heutige Zeit nicht nur zu Kultfilmen avancierten, sondern auch die zum größten Teil die unangenehme Marotte hatten, sich in endlosen Nachfolgern zu Tode zu reproduzieren. Egal ob Freddy, Jason, oder auch die nicht tot zu kriegenden Cenobiten aus „Hellraiser", der Fortsetzungswahn machte wirklich vor keiner Ikone halt. Abgesehen davon die unüberschaubare Menge von Remakes, meistens allerdings in Form verzichtbarer Wiederauferstehungen der altbekannten Antihelden.

Der „Stepfather" hat es ja zusammen mit dem 1992er Nachzügler „Vatertag" immerhin auf eine Trilogie gebracht, und eine von den meisten als völlig überflüssig angesehene Neuverfilmung aus 2009 musste dann auch noch abgedreht werden. Und doch bleibt es lediglich Terry O'Quinn vorbehalten, die Rolle des Psychopathen glaubwürdig und gleichzeitig diabolisch auszufüllen in den ersten beiden Teilen.

Und doch ist es erstaunlich, dass „Stepfather" immer wieder in die Nähe zum Horrorfilm gerückt wird, was sicher als diskutabel erscheint, handelt es sich doch vielmehr um einen waschechten Thriller, der nur in dezenten Tönen auf der Klaviatur des Grauens spielt, hinabsteigend in eine düstere Welt, in der sich menschliche Abgründe auftun. Die trügerische Stille einer bürgerlichen Familienidylle, bedroht von der stetig ansteigenden und anfangs unsichtbaren Unberechenbarkeit eines Mannes, der gleich einer tickenden Zeitbombe das scheinbar feste Gerüst der familiären Geborgenheit mit einem Schlag zum Einstürzen bringt. Dass dieser Trip eines derart stark Verhaltensgestörten mit jeder Fortsetzung immer auch ein Stück blutiger geriet, hat für die Verortung in die Gefilde des Horrorkinos sicher zusätzlich beigetragen. Doch diese Art der Franchise nach dem Motto je härter desto werbewirksamer ist ja beileibe nichts Neues...

Neu ist auch nicht, dass die Fortsetzungen eines Filmhits desöfteren mit spürbaren Qualitätsverlusten einhergehen. Diesen Vorwurf kann man „Stepfather II" noch nicht mal uneingeschränkt entgegen setzen. Handwerklich durchweg routiniert in Szene gesetzt, erneut mit einem gut aufgelegten O'Quinn, der mit seiner diabolischen Physiognomie einen nachhaltigen Eindruck auf den Zuschauer hinterlässt. Und doch funktioniert dieses Sequel aus dem Jahr 1988 nur bedingt. Vielleicht wird ein Zuschauer, der „Stepfather" nicht kennt, zu einer anderen Beurteilung tendieren, denn der Hauptgrund ist, dass es hier eigentlich lediglich zu einer fast kompletten Wiederholung der Geschehnisse aus dem ersten Teil kommt, die krampfhaft versucht, mit nur ganz geringen Variationen den Betrachter bei der Stange zu halten.

Das fertige Resultat kann man als so ziemlich misslungen bezeichnen. Es fällt ohnehin schon schwer genug, sich nach der dramatischen und blutigen Schlusssequenz aus dem Vorgänger (wir erinnern uns: die Treppe) einen Fortgang der Geschichte vorzustellen. Schieben wir auch mal die Logik ein wenig beiseite, wenn man bedenkt, dass er, obwohl mittlerweile als bekanntes Gesicht in den Medien gebrandmarkt, diesmal auf Maskeraden und andere Verkleidungskünste verzichtet und den gleichen Jerry wie in Teil Eins mimt.

Dabei gerät gerade der Anfang des Filmes mit den Szenen aus der Nervenheilanstalt durchaus viel versprechend. Gerade der beginnende Dialog zwischen Psychiater und Patient könnte die Hoffnung nähren, hier würde in einer Art Rückschau in das frühere Leben von Jerry hineingeblendet, für einen Moment gerät die ansonsten distanziert scheinende Position des Zuschauers in einem anderen Licht, so als würde man sich an eine Art Prequel zum ersten Teil versuchen. Doch letztlich dient die Szene nur dazu, auf unglaubwürdige Weise aus der Anstalt auszubrechen, denn nach den brutal in Szene gesetzten Attacken gegen seine Bewacher und der Flucht aus dem Behandlungszimmer sehen wir ihn genüsslich durch die Landschaft streifen, aber dieser unlogisch erscheinende harte Umschnitt sorgt eher für Verwunderung.

Verdruss sorgt auch die oben schon genannte Duplizität der folgenden Ereignisse, die den Zuschauer ein Déjà-vu-Erlebnis der langweiligen Art beschert. Wieder eine Familie, in die er sich einnistet, wieder das Misstrauen, wenngleich diesmal nicht vom Spross der Auserwählten wie im Vorgänger, sondern einer nahe stehenden Freundin ausgehend, was die Sache allerdings auch nicht reizvoller macht. Da passt es auch ins Bild, dass man mehr Morde im Umfeld der Familie einstreut, doch auch wenn es logisch ist, dass unser Antiheld hier Zeugen aus dem Weg räumt, je weiter wir ihn auf seinem blutigen Feldzug begleiten, um so vorhersehbarer wird das Geschehen.

„Stepfather II" strotzt nur so voller stereotyper Abziehbilder aus dem Vorgänger, dass der daraus entstehende Murmeltiertag-Effekt nur noch einschläfernd wirkt. Mag sein, dass der Film einigermaßen funktioniert, wenn man den Vorgänger nicht kennt, doch das wird wohl bei den wenigsten Zuschauern der Fall sein. Und es wird das Geheimnis der Filmemacher bleiben, warum trotz Anziehens der Daumenschrauben zwar mehr Blut spritzt, jedoch ausgerechnet das Finale so stark abfällt gegenüber dem des ersten Teils. Auch ein Indiz für die Belanglosigkeit einer lustlosen und damit leider typischen Fortsetzung eines kleinen Überraschungshits...

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