Auch der Category 3 Film, der wegen seiner Freigabe bezüglich verstärkter Sex – und Gewaltszenen ab 1992 ein äusserst profitables Geschäft einläutete, musste sich an die Rezession des HK Filmes allgemein anpassen und bald darauf schon wieder kleinere Brötchen backen. Zwar kamen vor allem in den ersten beiden Jahren noch die Leute in Scharen ins Kino, bzw. wurden kassenträchtige Videoreleases durchgezogen, aber auch diese Sorte war beileibe kein Selbstläufer. Die Grenzen etwaiger Tabus wurden schnell gebrochen; mehr konnte man einfach nicht bringen, ohne ein Verbot zu riskieren und damit die Projektionsfläche zu verlieren. Ausserdem waren die meisten Produkte nicht nur äusserst mittelmässig, sondern wiederholten sich dann auch permanent. Man nutzte das Metier nicht für mehr langanhaltende Wirkung, sondern einzig für mehr momentane Aufregung und erging sich entweder nur an Sexfilmchen; oder dem ewiggleichen Sujet vom Killer, der mit seinen Opfern macht, wonach ihm grad der Sinn steht.
Sicherlich gab es auch da Höhepunkte, aber erstmal auch nur genau am Anfang des Genre; die Einführung der neuen Freiheiten hinsichtlich der Zensur inspirierte erst, bevor es abrupt in Routine und Eintönigkeit überging.
Vor allem The Untold Story zeigte in beeindruckender, grimmiger Weise auf, für was man das Material verwenden konnte; er ging an die Nieren, faszinierte und irritierte zugleich. Nur wenige Arbeiten konnten daran anschliessen; zumeist wurden diese von Billy Tang Hin – sing gedreht, der kurz hintereinander Dr. Lamb, Run and Kill, Red to Kill und Brother of Darkness aufs Parkett legte.
An diesen Paukenschlag konnte sein Namensvetter Billy Chung Siu – hung nicht heranreichen, obwohl er mit Assassin und Love to Kill auch zwei prägnante Vertreter vorlegte. Auch jeder für sich eine eigenständige Grösse auf dem Gebiet; mit guten darstellerischen Leistungen, angenehmer Regiearbeit und natürlich dem nötigen Druck auf die Magengegend ausgestattet. Alles Faktoren, die dafür sorgten, dass sich sein Name ebenfalls herumsprach und er neben anderen Regisseuren wie eben Tang und vor allem noch Herman Yau [ Untold Story, Ebola Syndrome, Taxi Hunter ] auch von Leuten ausserhalb der Cat 3 Begrenzung unter Beobachtung genommen wurde. Und wie auch Yau und Tang verschwand Chung mitsamt dem einstmals blühenden Genre und dem beizeitigen Niedergang in die Bedeutungslosigkeit; drehte Triadenfilme und versuchte sich an B – Action.
Jetzt also seine Rückkehr zu dem Ursprung, der ihn als Filmemacher einstmals viel mehr zu fordern schien als den Alltagstrott, den er nunmehr fabrizierte. Chung hat in der Zeit bis 1999 nicht eine einzige Schöpfung kreiert, die sich durch irgendetwas von den anderen abhebt; sondern halt nur seinen Job in der Tretmühle absolviert. Sich Jochgeschirr anlegen lassen. Die Filmographie war mittlerweile so uninteressant, dass es sich gar nicht lohnt, einzelne Exemplare davon zu nennen und so noch extra hervorzuheben.
Das Dumme ist nur, dass Trust Me U Die – The New Dr. Lamb genau dazugehört.
Das sieht man dann auch leider sehr schnell; wenn man sich denn unbedingt selber davon überzeugen will, dass hier eine Niete abgeliefert wurde. Die Propaganda ist nämlich vernichtend; nicht nur im Vergleich zu dem „Vorgänger“, sondern generell.
Chung, der sich zumindest als guter Handwerker bezeichnen kann und hier und da auch auch mal den Blick fürs Visuelle hervorscheinen liess, präsentiert sich von Beginn an als sehr gelangweilt. Das Thema hat ihn anscheinend gar nicht gereizt; er hat sich noch nicht einmal am Drehbuch beteiligt, obwohl er schon einige Male seine Filme selber geschrieben hat.
Und er konnte sich angesichts des bevorstehenden Debakels wohl auch nicht entscheiden, wie er seinen Kopf am besten aus der Schlinge ziehen soll und hat sich deswegen halbherzig bereiterklärt, dem Ganzen einen aufdringlichen Schub Trash beizumengen.
So startet der Vorspann mit einem Sprintduell eines muskelbepackten Afroamerikaners gegen einen Sportwagen. Effekte wie beim 6 Millionen Dollar Mann sollen einem weissmachen, dass Mensch tatsächlich gegen Maschine gewinnt; dann knallt der Läufer auch noch ungebremst gegen eine Mauer.
Tot.
Damit ist auch der Film bereits erledigt; will dies aber nicht wahrhaben und wehrt sich noch eine Weile im Todeskrampf. Mal mit mehr Erfolg und mal mit überhaupt keinem.
Zumindest bekommt man eine soweit vollständige Geschichte zustande, die zwar niemals eine Erklärung für das eben Gesehene nachreichen kann, aber anderweitig mal etwas mehr Bein auf den Boden bekommt:
Dr. Greg Fong Kin-Wah [ Simon Yam ] forscht an der Universität von Birmingham mit anabolischen Hormomen; hantiert mit Testosteron, Testosteron Propionat, Propylthiouracil, Sexualsteroide und Stilbene herum. Er zieht die Spritzen auf, piesackt einen Hamster und streitet sich dann mit seinem Förderer, der ihm die Ergebnisse streitig machen will und mit Rausschmiss droht. Ein kurzer Kampf und der Brite ist auch tot; mehr fahrlässig und unabsichtlich als geplant.
Greg packt seine Koffer und zieht mit der assistierenden Freundin Vivian [ Joey Tan ] zurück nach HK; die Regierung hat nach der Beerdigung die Finanzierung eingestellt.
Dort quartiert er sich in der Wohnung und der Praxis seines Schulfreundes Dr. Mike Chow [ Mark Cheng ] ein; der ihm auch verspricht, ihn weiterhin zu unterstützen. Bis er mehr als nur ein Auge auf die hüsche Vivian wirft. Als Greg das mitbekommt, nutzt er seinen ehemals besten Kumpel als Versuchskaninchen. Mit fatalen Folgen...
Zwei Sachen muss man dem Film zugutehalten:
- Das Drehbuch und sein Aufbau gehen mal eine andere Form der Erzählung ein: Keine ewigen Rückblenden. Keine Kindheitserinnungen. Kein sozialer Loser in der Hauptrolle, der solange gestichelt wird bis er zurückschlägt. Die Anregung kommt diesmal offensichtlich von „Victor Frankenstein oder der moderne Prometheus“, nur diesmal in aktuelle Kontroversen wie „Mit Gentechnik zur Goldmedaille“ verschnitten.
- Die Besetzung ist nicht nur auf dem Blatt gelungen; zumindest das innere Dreiergespann von Simon Yam, Mark Cheng und Joan Tam sorgt oftmals dafür, dass man eben nicht auf den Ausknopf drückt. Ausserdem gehören Yam und Cheng einerseits fest mit dem Cat 3 Stoff verbunden und sind dennoch andererseits Einige von den Wenigen, die sich davon lösen konnten und darüberhinaus bewährten.
Beides ist aber kein Notfall - Kontrazeptivum und wirkt auch nur solange vor, wie sich der gute Glaube hält. Entpuppt sich also schnell als Placebo; die Geschichte wird nicht weiter beachtet und nur sich ungenügend bezüglich etwaiger weiteren Tiefe orientiert. Die Darsteller haben meistens nichts zu tun und agieren sehr zurückhaltend; eigentlich gar blass. Zwar bekommen sie mal hier und da kurze Momente zugestanden, in denen ihre Mimik im Vordergrund steht, aber diese belaufen sich auf ganz knappe Einzelszenen.
Die Zeit vergeht dabei schon, aber man bekommt nichts geboten, womit man mehr anfangen kann; meistens wird das Wenige nutzlos gedehnt, ohne alternative Aussagen zu machen. Und wenn mal etwas kommt, ist es sehr plakativ und gleichzeitig so derartig überzogen, dass man es überhaupt nicht für voll und schon gar nicht ernst nehmen kann.
Das ist auch besser so, denn teilweise schwappt schon Einiges an Verachtendem und Verachtenswertem von der Leinwand. Da unterhalten sich vier gutsituierte Ärzte im Wartezimmer sitzend über einen totkranken Patienten und dessen dringend nötiger Transplantation, für die aber keiner eine Hand rühren, geschweige denn finanzielle Mittel lockermachen will. Was sie in Anwesenheit der Ehefrau und eines spendewilligen Verwandten solange ausdiskutieren, bis die freudige Nachricht vom Tod des Patienten hereinkommt und man sich weiter dem geplanten Pferderennen widmen kann.
Unwesentlich unangenehmer ist die anscheinend traditionell – übliche Vergewaltigung, die leider zum Setting dazuzugehören scheint wie die Taube zu John Woo und hier ebenso seine Aufwartung bekommt. Gezeigt wird übrigens gar nichts, sondern die gesamte Dauer nur angedeudet; aber die schmierige Unnötigkeit langt trotzdem, um dem ein unangenehmes Gefühl zu verschaffen.
Und wenn man denkt es kommt nicht schlimmer, wird mit dem sexgeilen Cop Chan Sum [ Sam Lee ] jemand Aussenstehender eingeführt; der sich als Syphilis auf zwei Beinen ins Geschehen mogelt und eine grosse Dosis sehr unlustigem Slapstick mit sich führt. Inclusive auf dem Kinderpiano dahingeklimpertem Score, der den sonstigen, ebenso unpassenden amerikanischen College – Rock ablöst.
Klar gab es dieses unsägliche Gebahren auch ein halbes Jahrzehnt zuvor, aber schon dort hat es nicht gepasst und aus Fehlern sollte man doch eigentlich lernen.
Dies passiert hier aber nicht; wie viele artsverwandte Exemplare [ Untold Story 3, Never Compromise ] zu der Zeit geht man keinen Schritt nach vorne, sondern eher einen zurück. Wenn am Ende ein paar Makeup – Effekte aufgefahren werden, interessiert dies die Meisten aus gutem Grunde schon überhaupt nicht mehr. Und anders als in der Handlung der Mad Scientist kann der Regisseur schlecht die fortschreitende Umweltverschmutzung als Grund für das Versagen geltend machen. Den muss er schon bei sich selber suchen.