Schwerter, Schweiß und Schund: Die anarchische Pulp-Poesie von Deathstalker
James Sbardellatis Deathstalker aus dem Jahr 1983 gehört zu jener schamlosen Welle von Sword-and-Sorcery-Produktionen, die im Kielwasser von John Milius’ Conan the Barbarian entstanden. Während Arnold Schwarzeneggers Conan wie eine antike Statue aus Granit wirkte, ist Deathstalker eher das fleischgewordene Cover eines schlecht geleimten Fantasy-Taschenbuchs, das man in einer Tankstelle zwischen Kaugummi und Motoröl findet. Und genau darin liegt sein Charme.
Der Film eröffnet mit jener Sorte heroischer Ernsthaftigkeit, die nur Low-Budget-Fantasy der frühen Achtziger hervorbringen konnte: Nebel wabert über felsige Landschaften, Schwerter glänzen im Mondlicht, und irgendwo im Hintergrund lauert ein Synthesizer, der so klingt, als hätte er kurz zuvor noch eine Werbemusik für Waschmittel begleitet. Deathstalker selbst – gespielt von Rick Hill mit der stoischen Mimik eines Mannes, der weiß, dass seine Dialoge nicht der Grund sind, warum jemand diesen Film schaut – ist ein wandernder Krieger mit der klassischen Mission: magische Artefakte finden, einen tyrannischen Zauberer stürzen und unterwegs möglichst viele Gegner (und Kleider) verlieren.
Die Handlung bewegt sich mit der Logik eines betrunkenen Barden, der seine eigene Geschichte ständig vergisst. Es gibt ein Turnier. Es gibt einen bösen Magier namens Munkar. Es gibt ein magisches Schwert, einen Kelch und einen Ring. Und irgendwo dazwischen tauchen Monster, Hexen, Doppelgänger und eine erstaunliche Anzahl von Kerkerverliesen auf. Deathstalker wirkt weniger wie ein Film als wie eine Sammlung von Fantasy-Versatzstücken, die jemand mit großzügigem Enthusiasmus und begrenztem Budget zusammengeklebt hat.
Doch gerade diese anarchische Collage macht den Film so faszinierend.
Sbardellatis Regie hat etwas wunderbar Unbekümmertes. Man spürt, dass hier kein Studioapparat mit erhobenem Zeigefinger im Hintergrund stand. Stattdessen herrscht die kreative Energie einer Produktion, die offenbar beschlossen hat, dass mehr immer besser ist: mehr Kämpfe, mehr Monster, mehr Haut, mehr Nebelmaschinen. Die Kamera von Ricardo Remor nutzt die argentinischen Drehorte mit überraschender Eleganz – karge Landschaften, staubige Burgruinen und Wälder, die aussehen, als hätte man sie direkt aus einem Heavy-Metal-Albumcover geschnitten.
Rick Hill als Deathstalker ist dabei eine interessante Figur. Er besitzt weder die titanische Physis eines Schwarzenegger noch die theatrale Gravitas eines klassischen Fantasyhelden. Stattdessen wirkt er wie ein leicht zynischer Söldner, der zufällig in eine epische Quest gestolpert ist. Sein trockener Blick verleiht dem Film eine unbeabsichtigte Ironie – als wüsste er selbst, dass das alles ein wenig absurd ist.
Der eigentliche Star ist jedoch das Ton- und Bildgefühl des Films. Die Synth-lastige Musik von Oscar Cardozo Ocampo schwebt über den Szenen wie ein elektronischer Zaubertrank, während die Spezialeffekte mit jener charmanten Improvisation arbeiten, die man heute kaum noch sieht. Monster erscheinen nicht, sie werden vorgestellt – oft mit der diskreten Eleganz eines Theaterstücks, bei dem der Vorhang gerade ein wenig zu früh aufgegangen ist.
Und doch gibt es Momente, in denen Deathstalker plötzlich erstaunlich effektiv wird: ein brutaler Kampf in einer Arena, das unheimliche Spiel mit Doppelgängern im Schloss des Magiers, oder jene wunderbar pulpige Atmosphäre eines Fantasyreichs, in dem Moral ungefähr so stabil ist wie die Kulissenwände.
Man könnte den Film leicht als trashigen Exploitation-Ableger abtun – und zugegeben, Deathstalker ist keineswegs frei von der eher grobschlächtigen Sensationslust des frühen Achtziger-Fantasykinos. Aber er besitzt auch eine Energie, die vielen modernen Fantasyproduktionen fehlt: eine gewisse dreckige, improvisierte Lust am Erzählen.
Heute wirkt der Film wie ein Zeitkapsel-Artefakt aus einer Ära, in der Fantasy noch nicht durch Milliardenbudgets sterilisiert worden war. Schwerter klirrten lauter, Nebelmaschinen arbeiteten härter, und Helden stolperten manchmal mit erstaunlicher Unbekümmertheit durch ihre eigenen Legenden.
Am Ende steht Deathstalker nicht als großer Klassiker des Genres – dafür ist er zu chaotisch, zu schamlos, zu sehr ein Produkt seiner Zeit. Aber genau deshalb bleibt er so unterhaltsam.
Er ist kein monumentales Fantasy-Epos.
Er ist das Mitternachtskino-Pendant dazu: laut, ungehobelt, und erstaunlich lebendig.