Review

Der Spätwestern "Pale Rider" stellt einen Ausnahmefall da, denn er zählt zu den weniger gelungenen Regiearbeiten von Clint Eastwood (Dirty Harry, Pink Cadillac). Das Wort "überflüssig" möchte ich nicht gerne gebrauchen, aber es wirkt alles irgendwie lustlos, wie gekonnt aber nicht gewollt. Das Duo Dennis Shryack und Michael Butler (Cusack - Der Schweigsame, Hero) ist für die nicht nur religiös überfrachtete, sondern auch viel zu simple Story verantwortlich.

Das Goldgräberstädtchen LaHood befindet sich unter der Fuchtel des Großgrundbesitzers Coy LaHood (Richard Dysart). Doch Hull Barret (Michael Moriarty) und einige Siedler, die sich in der Nähe niedergelassen haben, sind ihm ein Dorn im Auge. Denn auf dem Land vermutet LaHood Unmengen an Gold-Nuggets. Mit Hilfe seines Sohnes Josh (Chris Penn) terrorisiert er die Siedler, doch sie wollen nicht weichen. Besonders ein plötzlich auftauchender Prediger (Clint Eastwood) stärkt die Siedler zusätzlich. LaHood zieht seinen letzten Trumpf aus dem Ärmel, nämlich Marshal Stockburn (John Russell) und seine Mörderbande. Stockburn scheint den Prediger zu kennen und die Beiden haben noch eine Rechnung offen.

Über den schon so oft gesehenen Plot könnte man ja noch hinweg sehen, doch "Pale Ride" ist obendrein viel zu geschwätzig umgesetzt. Den religiösen Elementen und einer Beziehungskiste hat Eastwood leider den Vorrang gelassen und so lassen sich schnell einige Durststrecken ausmachen. Über den Prediger erfahren wir nichts, nicht mal seinen Namen. Sein Körper ist mit Narben übersäht, so kommt man schnell zu dem Entschluss, dass es schon mal eine Konfrontation mit Stockburn gab. Die Beiden kennen sich auch, doch was damals passierte, muss sich der Zuschauer selbst denken. Doch bevor der Prediger seine Schießeisen auspackt, darf er erst ein paar von LaHoods Schergen verpürgeln und somit Hull das Leben retten. Von nun an unterstützt er die Siedler, die sich dadurch gestärkt fühlen. Hull ist damit beschäftigt, um die Liebe von Sarah Wheeler (Carrie Snodgress) und ihrer Tochter Megan (Sydney Penny) zu kämpfen, doch die verknallen sich Beide in den Prediger. Und damit vergeudet Eastwood wertvolle Filmminuten, ohne dadurch den Plot weiterzubringen. So passiert den Großteil des Films so gut wie nichts, erst im letzten Drittel nimmt "Pale Rider" endlich mehr Fahrt auf.Auch das Handeln einiger Charaktere dürfte beim Zuschauer zu Zornesfalten führen. Warum reitet Megan bei Josh LaHood vorbei, wo sie doch weiss, wie gefährlich er ist ? Oder der besoffene Spider Conway (Doug MacGrath), der mit seinem kürzlich gefundenen Riesennugget ein provozierendes Schreikonzert vor LaHoods Haus veranstaltet.

Und warum das Ganze ? Nur damit der Prediger die dumme Megan retten darf und dank Spider einen Grund hat, endlich die Waffen auszupacken. Doch erst im Finale kommen die richtig zum Einsatz, denn der Fremde muss dort gegen Stockburn und seine sechs Deputys antreten und nebenmuss muss noch LaHoods Claim in die Luft gejagt werden. Die wenigen Schießduelle sind dann immerhin ziemlich kaltblütig in Szene gesetzt. Auch die Westernkulisse kann sich sehen lassen, es fehlt aber der letzte Schliff. Als ein Totalausfall entpuppt sich allerdings der Score. Lennie Niehaus scheint von einer musikalischen Untermalung in diesem Genre keine Ahnung zu haben. Die wenigen Sounds sind anfänglich kaum zu hören, erst im letzten Drittel fällt der Score richtig auf, leider oft unpassend.
Clint Eastwood ist eigentlich die einzige Konstante in diesem Spätwestern. Er macht seine Sache als wortkarger Prediger recht gut, jedoch fehlen mir hier seine trockenen und zynischen Sprüche. Michael Moriarty (Salem II, Wiege des Schreckens) wirkt dagegen blass und fehlbesetzt, auch von Chris Penn (Best of the Best 2, Fist of the North Star) sind wir Besseres gewöhnt.

Ein Totalausfall ist "Pale Rider" nicht, aber ein viel zu durchschnittlicher Spätwestern und ungewöhnlich so etwas von Eastwood zu sehen, der hier auch als Regisseur und Produzent fungierte.

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