Bei der Betrachtung von "Navy Seals" kommt man glatt auf den Gedanken, dass der Film eine Mischung aus "S.W.A.T." und "Black Hawk Down" ist, da dessen Szenario jenes beider Filme ähnelt. Mag "Navy Seals" nicht unbedingt der ultimative Action-Streifen sein, so kann er dennoch durch bekannte Darsteller und Action unterhalten.
Hawkins (Charlie Sheen), Curran (Michael Biehn), Graham (Dennis Haysbert) und Dane (Bill Paxton) bilden eine der besten Spezialeinheiten der amerikanischen Marine. Bei den Navy Seals werden nämlich nur die Besten aufgenommen: Soldaten, die mit den gefährlichsten Aufträgen betraut werden, an die sich sonst niemand wagt. Sie wissen, dass sie ihre ganzen Fähigkeiten brauchen werden, als die Seals im Nahen Osten die Besatzung eines US-Hubschraubers retten sollen, die von Terroristen als Geiseln genommen wurde. Doch als die Seals herausfinden, dass eine Ladung Stinger-Raketen aus dem Helikopter in die Hände der Terroristen gefallen ist, werden sie beauftragt, diese aufzuspüren und unschädlich zu machen...
Abermals mimt Charlie Sheen (Made of Steel) den jungen Heißsporn, den er auch später in "Hot Shots" parodiert. Zudem lockert seine Art das Geschehen zusätzlich noch etwas auf. Der Part von Michael Biehn (Terminator) wurde hier ähnlich angesiedelt wie sechs Jahre darauf in "The Rock", wenngleich er dort mit seiner Mission versagt. Sein "Aliens"-Kollege Bill Paxton (Near Dark) ist hier als Sniper unterwegs, der die Gegner per Kaliber 50. - Kanone wegpustet. "24" - Präsident Dennis Haysbert (Absolute Power) darf den Chief spielen, der während eines Einsatz abkratzt, weshalb es zwischen den beiden Hauptfiguren zu Konflikten kommt. Indessen hat Joanne Whalley-Kilmer (Texas Story) lediglich die Funktion des weiblichen Lückenfüllers mit Kontakten zum Nahen Osten. Auch die anderen Nebendarsteller machen hier einen guten Job.
Allzu brutal fällt die Action in "Navy Seals" nicht aus, weshalb ich die Indizierung nicht nachvollziehen kann. Die Shoot-Outs sind zwar allesamt ordentlich geraten, doch wahre Blutfontänen spritzen hier nicht hervor. Sowohl der anfängliche Befreiungs-Einsatz als auch der finale Häuserkampf können sich sehen lassen, wobei der Bodycount auch nicht gerade ohne ist. Genre-typisch werden die Gegner regelrecht reihenweise in bester Schießbuden-Manier umgenietet, während die Verluste bei den Seals eher gering ausfallen. Ab und zu geht auch die Logik flöten, wenn z.B. Hawkins dem Terror-Obermotz unter Wasser die Kehle durchschneidet, danach von Blut im Wasser aber weit und breit nix zu sehen ist. Ansonsten bekommt man noch ein paar nette Explosionen und Verfolgungen geboten. Die lokale Musikuntermalung reicht von temporeich bis zu nervend heroisch. Letzteres lässt den Film dann auch öfters wie ein Werbefilm für die US-Navy erscheinen. Neben der Action wird einem dann noch ein paar Hochzeits- u. Beerdigungsszenen sowie eine angedeutete Love-Story vorgesetzt, die allerdings eher ermüden als unterhalten. Die Aufnahmen von Flugzeugträgern wecken zusätzlich noch Erinnerungen an eine weiteren US-Army-Werbefilm namens "Top Gun". Jedoch hat "Navy Seals" nicht die hässliche Nachwirkung, dass jeder glaubt, eine Fliegerbrille tragen zu müssen.
So ist natürlich auch nicht zu verleugnen, dass "Navy Seals" ein dickes Stück feinster US-Propaganda ist. So wird hier einem vergegaukelt, dass die Seals wahre Adrenalin-Junkis sind, die stets einen knackigen One-Liner auf Lager haben, wenn gerade wieder mal die Kugeln um ihre Ohren fliegen. Und auch im Privatleben haben die Jungs ihre Freude. Wenn dann einer von den heiß geliebten Kameraden über den Jordan geht, wird kurz getrauert, sich gegenseitig angezickt und ordentlich Alkohol in die Figur geschüttet, um dann wieder recht zügig auf den "Gute Laune"-Modus zu schalten, damit man die (amerikanische) Welt weiter von abgrundtief bösen (ausländischen) Buben befreien kann. Bei der Beerdigungs-Szene wird dann nochmal kräftig Pathos bis zum Erbrechen serviert. Allerdings bekommt man das alles in "Navy Seals" noch längst nicht so dermaßen mit dem Holzhammer vorgetragen, wie z.B. in "Pearl Harbor" oder "Wir waren Helden". Will oder kann man inzwischen solche Propaganda-Streifen der US-Army, wo sich der Ami stets selber auf die Schulter klopft, nicht mehr sehen, so will man das "Navy Seals" wegen seiner routiniert spielenden Sympathie-Darsteller noch irgendwie verzeien.
So ist "Navy Seals" ein mehr oder weniger gelungener Actionfilm, bei dem man die heroischen Untertöne sich auch hätte sparen können. Dennoch weiß der Film dank bekannter Gesichter und etwas auflockerndem Humor bei einem Film-Abend zu unterhalten.