Review

Nein, beim besten Willen nicht!
Da dreht endlich mal ein Europäer (und Nicht-Engländer) einen Horrorfilm und schon sind die meisten Kritiker des Lobes voll und dann macht auch schon das Gerücht vom Geheimtip die Runde. Versteht mich nicht falsch, Dick Maas ist wirklich ein begnadeter Filmemacher und ich liebe "Verfluchtes Amsterdam", aber dieses Horrordebut hat nun so gar nichts, was mir positiv aufgefallen wäre.
Inhaltlich geht es um (man ahnt es schon) einen Fahrstuhl, der (ungewohnt kreativ) mörderische Züge an den Tag legt. Funktionieren tut das widerspenstige Biest mittels eines neuen Computerchips in einer glibbrigen Nährlösung (oder ähnliches), was wohl ein eigenes Bewußtsein/künstliche Intelligenz andeuten soll. Warum der Fahrstuhl denn nun mordet (Füße nicht abgetreten? Zu oft alle Knöpfe gedrückt?), ist nicht so ganz klar, aber offensichtlich ist er generell sauer, sonst würde er sich am Ende nicht seinen Erschaffer kabeln. Zur Strecke gebracht wird er von Maas-Regular Huub Stapel (der nie schlechter besetzt war), als Fahrstuhltechniker ohne Plan in liebevoller Verbindung mit dem üblichen Love-Interest in Gestalt einer Reporterin.
Bei genauer Betrachtung fallen zunächst die mehr als mäßigen Tricks ins Auge. Zwar macht Maas reichlich auf Atmosphäre, doch die Kamera wirkt statisch (und stakelig), aber wenn er sich wirklich an Effekte herantraut, wie die Enthauptung des Wachmann durch den Lift, wirds richtig peinlich. Ein amateurhafter Schnitt auf einen nicht mal ähnlichen Kunstkopf mit aufgemaltem Gesicht und roter Farbe am Kragen hat nun mal nur Schülerfilmniveau und kann in einer ambitionierten Produktion eigentlich nicht geduldet werden.
Wer einen zweiten Blick wirft, wird Parallelen zu Akte X ziehen können, wo auch geheimnisvolle Hintermänner, deren Identität man nicht erfährt, die Fäden ziehen und man nach gut hundert Folgen das Gefühl hat, daß Chris Carter sich auch nicht mehr erinnern kann, was er mit ihnen eigentlich im Sinn hatte.
Mit derlei Figuren ist auch hier die Handlung angereichert, unterbrochen nur von Stapels erfolglosen Untersuchungen (aka Stümperei) und bemühten Neueinfällen, wie man Fahrstühle noch zur Hinrichtung heranziehen kann. Keine Wiederholungen bei den Mordmethoden, da scheint der Lift doch das kreative Zentrum des Films gewesen zu sein!
A Star is born.
Im Ernst: jede Lindenstraßenfolge ist schwungvoller und technisch aufwendiger realisiert worden, als dieser angebliche Geheimtip. Der besticht zwar durch einige unheimliche Szenen rund um das durchgeknallte Gefährt, hat aber sonst absolut nichts auf der Kiste, was das Leben frisch halten könnte, vor allem kein intelligentes Drehbuch. Ach so, und das was da als Filmscore mitgeliefert wird, hat die Prügelstrafe in der Filmindustrie wieder ins Gespräch gebracht (3/10).

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