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Seinen Durchbruch schaffte der niederländische Filmemacher Dick Maas („Amsterdamned“, „Do Not Disturb“) mit seinem Fahrstuhlhorror „The Lift“, dem 2001 auch ein schwaches U.S. – Remake, von Maas selbst inszeniert, wiederfuhr. Der Streifen entstand seinerzeit mit einem niedrigen Budget, was man dem Film auch ansieht, hat inzwischen leider auch reichlich Staub angesetzt und damit nicht das Zeug zum Klassiker.

Maas, auch hier schon ein Multitalent, schrieb zudem nicht nur das Drehbuch und komponierte die Musik, sondern arbeitete hier auch zum ersten Mal mit seinen jahrelangen Wegbegleitern zusammen. Hauptdarsteller Huub Stapel sollte er als Johnny Flodder besetzen und wenig später in die Grachten seines Prunkstücks „Amsterdamned“ entführen, Kameramann Marc Felperlaan gehört später quasi zu seinen Stammkräften.

Die titelgebende, mörderische Maschine, der ein Blitzschlag gehörig die Schaltkreise durcheinander würfelt, begibt sich also auf die Suche potentieller Opfer, die sich in seine Kabinen verirren, um erstickt zu werden, einfach mal ins Leere zu treten oder schlicht den Kopf zu verlieren. In diesen Szenen ist Maas ein Meister seines Fachs, kreiert aus seinen minimalen Mitteln eine unheimliche Suspense und schafft es den Fahrstuhl als lebendige, tückische Bedrohung erscheinen zu lassen. Sobald in den Fahrstuhl eingestiegen wird und die dumpfe, rote Puffbeleuchtung strahlt, fangen die Hände an zu schwitzen.

Leider herrscht abseits dieser toll inszenierten Spannungsmomente, die auch mal blutig enden können, ein Plot vor, der sich rein von den Dialogen her fast schon auf Daily-Soap-Niveau bewegt. Fahrstuhl-Monteur Felix Adelaar (Stapel), dem das alles spanisch vorkommt, stürzt sich in die Schaltschränke, kann aber nichts entdecken, deshalb zuhause in die Schaltpläne und zieht damit den Unmut seiner Frau auf sich. Zusammen mit einer Reporterin stößt er auf Ungeheuerliches, hat ein Wissenschaftler doch einen sich verselbstständigenden Computerchip geschaffen...

Bis es zu dieser Erkenntnis kommt, dominiert zu viel Smalltalk, der mit miesen Dialogen am Frühstückstisch beginnt und sich mit trinkenden Nachtwächtern fortsetzt. Felix besucht einen Ex-Kollegen in der Irrenanstalt, wird aber nicht schlauer, verliert seine Ehefrau und denkt trotzdem nicht daran seine Nachforschungen zu beenden. Nicht mal der Chef kann ihn bremsen.

Der dabei auftretende Leerlauf zur Filmmitte ist unübersehbar, zumal absolut schwach eingewobene Szenen, wie der Besuch der Bowlingbahn und das dort stattfindende Gespräch zum Thema „Fremd gehen“ peinlich schwach gespielt sind. Maas hatte in seiner späteren Karriere immer das Problem aus seinen Potential bietende Ideen nie ein wirklich gutes Drehbuch zu machen und das soll sich auch hier in einem frühen Stadium seiner Karriere bewahrheiten.

Zur Interpretation lädt „The Lift“ natürlich vordergründig nicht ein, latenter Pessimismus bezüglich Zukunftstechnologien kann man ihm jedoch nicht nur aufgrund des Themas, sondern auch der Aussagen der Protagonisten abringen. Ansonsten folgt der Film seinem eigentlich Thema: Unterhaltung.

Die äußerst phantastische Auflösung schließlich nimmt man dem Film allein schon wegen des düsteren, spannenden Finales im Fahrzeugschacht, indem Felix dann um sein Leben kämpfen muss, damit er Technikteufel besiegt, nicht mehr übel, zumal der überraschende Fangarm schlussendlich nochmal Grusel parat hält.
Eine halbe Enttäuschung bleibt „Fahrstuhl des Grauens“ des Grauens dennoch und das liegt nicht an den soliden Akteuren, sondern, wie schon erwähnt, schlicht am Drehbuch, das seinen Protagonisten reichlich abstruse und an den Haaren herbeigezogene Vermutungen tätigen lässt und das Tempo des Films ein um das andere Mal zugunsten uninteressanter Nebenfiguren, Smalltalkdialogen und überflüssiger, den Film streckende Handlungsstränge vernachlässigt.


Fazit:
Deshalb reicht es für „The Lift“ nur zu einem durchschnittlichen Horrorvergnügen mit packenden, zwar nicht reißerischen, aber für die finanziellen Möglichkeiten spannend getricksten mörderischen Fahrstuhl-Eigenleben und ordentlichen Darstellern, die mit hölzernen Dialogen und einem ideenlosen Skript zu hantieren haben.

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