Abseits von den Routiniers der Serie, die sicherlich auch und zuvorderst für die Langlebigkeit, da Zuverlässigkeit und Gewissheit der Produktion verantwortlich sind, waren es zumeist die Neulinge im Team, sei es Drehbuch oder Regie, die für die eher prägnanten und so auch erfrischend andersartigen Episoden verantwortlich waren. Anreicherndes Blut wurde erst durch Regisseur Nicholas Laughland, hier aber der 15. Staffel und weiterführend ab der 16., inklusive den Folgen "The Killings of Copenhagen" (2014) und "Let Us Prey" (2014) durch das Team von Paul Logue für das Skript und Alex Pillai für die Umsetzung und so als Team initiiert. Der vorliegende Start des Duos erschafft es von Beginn an weg, die Mysteriösität des Geschehens einzufangen, als auch skurrile Momente und eine spürbare Aggression vieler Beteiligter zu setzen, die von bewährten Krimiregeln ebenso umrandet wie auch immer wieder durch Überraschungen aufgebrochen wird:
Während des Versuches, zugunsten ihres neuen und vom Vater David Farmer [ Richard Lumsden ] ungewollten und im Kontakt verbotenen Freundes von zu Hause durchzubrennen, wird die noch minderjährige Harriet Farmer [ Jo Woodcock ] im nächtlichen Wald brutal niedergeschlagen, und erwacht erst nach einem Jahr im Wachkoma. In der Zeit der langsamen, aber stetigen Regenerierung unter Aufsicht und Fürsorge von Dr. Laura Parr [ Julie Graham ] wird die noch unter phasenweise Amnesie Leidende von allen Seiten mit Fragen bedrängt. Während die Eltern des seit damals verschwundenen Freundes, Alan Robson [ Cal Macaninch ] und Wendy Robson [ Rowena King ] nach dem Verbleib des seit damals verschwundenen Sohnes drängen, hätten DCI John Barnaby [ Neil Dudgeon ] und DS Ben Jones [ Jason Hughes ] gern eine Täterbeschreibung des Vorfalls. Die Polizisten Müssen auf diese Information und ein Nachhaken allerdings beizeiten verzichten, wurde doch der Präsident der örtlichen Schachgesellschaft, Edward Stannington [ Nicholas Rowe ] ermordet.
So wie der scheinbar erste Mord gar keiner, sondern nur ein Koma ist, so verhält es sich auch mit vielen anderen Gegebenheiten hier im englischen Klein-Seelen-Nest. So hat man sich auch hier wieder wie so oft ein klares Thema als Aufhänger für all die Niedrigkeiten und Anschläge auf das Leben gesucht, spielt das Schach und sein ausgetragenes Turnier allerdings nur am Rande und nicht wie vorherrschend die diversen anderen Festivalitäten und Freizeitaktivitäten der Region in der ersten Reihe der Aufmerksamkeit mit. Angenehmerweise wird auch das Personal nacheinander und immer im Zusammenhang und so in Ruhe statt im allgemeinen Gruppenzwang der Aufregung vorgestellt, was die jeweiligen Beziehungen deutlicher, interessanter im Ausdruck und plausibler für weiteres Vorgehen macht. Ein Konstrukt mit altbewährten Motiven und genug plotpoints für Verzweigungen und Ablenkungen, das noch zusätzlich mit tatsächlich um die Ecke schießenden Pointen und Twists, gen Auflösung dann auch mit etwas Absurdität und Irrsinn im Blick angereichert wird. [Die Auflösung inkl. Augenrollen und mit den Füßen stampfen mindert den Gesamteindruck schon bedingt.]
Selbst die Dialoge wirken frischer, die Führung der Schauspieler und ihrer Dramaturgie agil, werden Emotionen nicht nur behauptet, sondern tatsächlich auch mimisch und gestisch artikuliert und so von allen Seiten und Parteien aus gelebt. Das Tempo ist vergleichsweise hoch, ohne sich durch die Erzählung zu mähen, sondern die Augenblicke wirken zu lassen und eminent zu formulieren. Gespenstisch die Eröffnung im verwunschenen Wald, in der die Jungfrau ganz in Weiß von ihrem vermeintlichen Tête-à-Tête abgehalten wird. Nahe dem Horror, zumindest im Rahmen der Serie der Angriff auf einen gleichsam minderjährigen Jungen, der allein in der Wohnung seiner Mutter von Schatten, vermuteten oder tatsächlichen Eindringen in das Haus und heftigen Klopfen und Rütteln an der Wohnungstür aufgeschreckt und eingeschüchtert wird.
Die Suche nach dem, wer und was dahinter steckt und all den anderen Untrieben der Gesellschaft hier, in der verratene und betrogene und unerwiderte Liebe und ihre gefühlte All- und Ohnmacht wie so oft auch zu den Beweggründen zählt, wird dabei gerne mit schwarzem, als 'typisch britisch' geltenden Humor auf das trotzdem noch Amüsante Krimirätsel gestreckt. Zudem hat man sich auch in der Bebilderung der Szenerie auf etwas Originalität der Landschaftsmalerei, zeigt quasi neue Ecken und Hecken und verweilt nicht immer an einem und demselben abgefilmten Ort. Eine überaus angenehme Unverbrauchtheit, die gerne öfters vorkommen dürfte und Mut und Hoffnung und Durchhaltevermögen auch für die nächsten durstigen Jahre gibt.