Als Star Wars Fan hat man es nicht leicht. Da wurden rückwirkend die liebgewonnenen Klassiker verschlimmbessert, das Universum von diversen Seiten mal mehr, mal weniger zufriedenstellend erweitert, das Franchise an einen anderen Konzern verkauft etc.
Und dann gibt es da noch etwas wie das hier.
Nach dem Erfolg von „Star Wars“ (1977) wollte man die Fans nicht bis zum Nachfolger, der 1980 erschien, warten lassen und den Hype mitnehmen. So entstand die Idee für ein TV-Special, welches am 17. November 1978 kurz vor Thanksgiving dann auch in Übersee über die Mattscheiben flimmerte und bis heute einen gewissen Kultstatus genießt. Allerdings nicht, weil es so gelungen ist.
Die Handlung, sofern man das so nennen kann, spielt auf dem Planeten Kashyyyk, der Heimat der Wookies. Dorthin sind Han und Chewbacca unterwegs, denn Letzterer möchte mit seiner Familie den „Life Day“ feiern. Hierbei kommt ihnen natürlich das Imperium in die Quere und zu Hause machen sich Chewies Frau Malla und der Rest der Familie natürlich schon bald Sorgen.
Dies wird gefüllt mit allerlei Episoden gleich einer Varieté-Show. So gibt es imperialen Besuch in Chewies Baumhaus, Gesangseinlagen, einen Cartoon und Sketche unter Beteiligung diverser Prominenz aus Film und Fernsehen.
Und eigentlich weiß man gar nicht, wo man da anfangen soll. Das Ganze ist weder lustig, noch wirklich unterhaltsam, mehr zum Fremdschämen und ziemlich unerträglich. Da läuft eine Kochshow aus dem Ruder, die Anleitung für den Zusammenbau eines Geräts hat selbst einen Schaden, ein verliebter Barbesucher kippt sich wortwörtlich was in die Birne und Chewies Dad (genannt Itchy) geht auf eine Sängerin steil. Dass Chewies Sohn Lumpy heißt, sei der Vollständigkeit halber noch in den Raum geworfen und schon für die Namen sollten einige Leute in der Rancor-Grube landen.
Bekanntere Gesichter hat man mit Art Carney oder Beatrice Arthur dabei, unter anderem gibt die Band Jefferson Starship einen Song zum Besten, aber das Ganze ist so Panne, dass man ungläubig vor dem Bildschirm sitzt. Harvey Korman taucht in gleich drei Episoden auf, Mark Hamill, Harrison Ford und die am Ende völlig entrückt ein Lied schmetternde Carrie Fisher haben's aus den Filmen rübergeschafft, ebenso wie Anthony Daniels als C3PO. Zwischendurch platzierte man noch ein paar nicht verwendete Szenen aus dem 1977er Film oder synchronisierte ein paar Szenen aus diesem neu. Es bleibt eben eine Clipshow.
George Lucas selbst war nicht sonderlich beteiligt an der Entstehung des Ganzen, da er zur Zeit der Produktion damit beschäftigt war, den Firmenumzug von Lucasfilm zu organisieren. Man überließ daher dem Sender CBS recht viel Freiraum und versorgte die Verantwortlichen mit Ausstattung und Personal für das Special. Mindestens grob fahrlässig. Allerdings stammt von Lucas die Grundidee des Rahmens, der sich um Wookies dreht, genauer um Chewies Familie. Ob es auch seine Idee war, dass diese sich einfach nur angrunzen (ohne Untertitel), entzieht sich meiner Kenntnis.
Als bemerkenswerte Besonderheit sticht hier ein Zeichentrickfilm heraus, welcher das Aufeinandertreffen von Han, Luke und einem Kopfgeldjäger namens Boba Fett behandelt. Die Episode ist ganz nett, auch wenn ich nie über Hans Gesicht hinwegkomme. Überhaupt ist der Zeichenstil gewöhnungsbedürftig. Übrigens ist dies nicht der erste öffentliche Auftritt Boba Fetts, dieser fand zwei Monate vor der Ausstrahlung des Specials statt, als dieser mit Vader bei der „County Fair Parade“ in Kalifornien mitlief. Immerhin präsentierte er in dem Cartoon hier seine schurkische Rolle, sodass dem Segment schon eine gewisse Bedeutung innewohnt. Auch ein nettes Trivia: James Earl Jones wird hier erstmalig als Vaders Stimme genannt, was ihm bei der Erstaufführung des Kinofilms verwehrt geblieben ist.
“If I had the time and a sledgehammer,” wird Lucas zitiert, “I would track down every bootlegged copy of that program and smash it.” Verständlich. Zwar gab es in anderen Ländern noch eine spätere Ausstrahlung, doch versank das Special im Nichts. Eine offizielle Veröffentlichung gibt es bis dato nicht, mit Ausnahme des Boba Fett – Cartoons.
Jedes Jahr gebe ich mir dieses Monstrum erneut, immer schön kurz vor Weihnachten. Ob es das Fanherz will, aus Sturheit oder einfach nur Lust an der völligen Peinlichkeit, die man hier präsentiert bekommt - ich weiß es nicht. Es tut jedes Mal weh, aber es gehört einfach dazu. Ein großer Haufen Bantha Poodoo!