Blood Ties (Kurz und schmerzlos Teil 14)
Gute Filme packen, schlechte Filme langweilen. Manchmal reicht eine solch arg simple Kategorie zur Unterscheidung. Für den amerikanisch-französischen „Thriller" „Blood ties" auf jeden Fall. Schon die Idee, die (ur-)alte Kain und Abel-Geschichte als Gangster versus Cop-Drama zu erzählen, sorgt nicht gerade für gespannte Erwartung. Die wird dann sogar noch durch die völlig klischeehafte und vorhersehbare Umsetzung locker flockig unterlaufen.
Dabei liefern Clive Owen als Chris und Billy Crudup als Frank durchaus ansprechende Leistungen ab, werden aber von dem öden Skript und der lahmen Inszenierung schnöde im Stich gelassen. Dass der frisch aus dem Knast entlassene Chris wieder auf die schiefe Bahn geraten würde und sein Polizisten-Bruder Frank sich irgendwann der Gewissensfrage würde stellen müssen, ist von vornherein klar, wird aber so holprig und ohne jegliches Gespür für Dramatik abgespult, dass man am liebsten vorspulen möchte.
Natürlich zeichnete sich der Konflikt bereits in der Kindheit ab, natürlich hält der todkranke Vater (James Caan müht sich redlich aber vergeblich in der Schablonen-Rolle) das Brüderpaar gerade noch so zusammen und natürlich eskaliert der Konflikt nach dessen Ableben. Dazwischen dürfen dann Mila Kundis, Zoe Saldana und Marion Cotilliard als jeweilige bzw. ehemalige Love interests die zähflüssige Erzählung noch weiter verlangsamen.
An das Thriller-Kino der 1970er Jahre wollte Guillaume Canet mit dem Remake des auch schon nicht gerade bahnbrechenden französischen Originals erinnern. Dass das Gros dieser Filme nach heutigen Sehgewohnheiten den Thrill-Faktort einer durchschnittlichen Tatort-Folge besitzt, ist offenbar noch nicht zu ihm vorgedrungen.
Wenigstens spiegelt sich die narrative Biederkeit dann auch konsequent in der Optik wieder. Das dröge 70er-Jahre-Setting erinnert einen nicht nur schmerzlich an die geschmacklichen Entgleisungen der Dekade hinsichtlich Frisuren, Mode und Inneneinrichtungen, sondern verstärkt in seiner altbackenen Miefigkeit noch den bleiernen Gesamteindruck. Die wenigen Actiontupfer wirken vor allem hinsichtlich ihrer Brutalität aufgesetzt und schlampig bis unglaubwürdig entwickelt.
Fazit:
Öder Bruder-Zwist-Thriller aus dem Cop-Gangster-Milieu. Der namhafte Cast stolpert durch triste 70er-Jahre Kulissen und eine erschreckend simple Geschichte. Fade Figuren, kaum Dramatik, noch weniger Spannung. Belanglos.